Dass Archivarinnen und Archivare einen schönen Beruf haben, braucht ihnen niemand zu sagen. Das wissen sie, und sie erfahren es bei ihrer Arbeit immer wieder. Zwar retten sie, anders als etwa Notärztinnen oder Feuerwehrmänner, in aller Regel keine Leben, aber sie machen durch ihre Arbeit manches Leben schöner. Nicht zuletzt das eigene, beispielsweise dann, wenn sie beim Verzeichnen oder Recherchieren auf unerwartete, interessant aussehende Aktentitel stoßen – und sich die Zeit nehmen (können), näher hinzusehen.
Termine für Archivarinnen und Archivare 2026
07.01.2026
Auch das Jahr 2026 bietet wieder eine Vielzahl von Terminen, Vorträgen, Tagungen, Symposien, Workshops und Ähnlichem für Archivarinnen und Archivare sowie Fachpublikum. Hier eine kleine Zusammenstellung für das Jahr 2026 mit Konferenzen und Veranstaltungen mit Themenschwerpunkt Archiv und Archivwissenschaft.
Eine kleine Kulturgeschichte der gebrannten Mandel
18.12.2025
Komplexe Kulturprodukte entstehen meist über längere Zeiträume hinweg. Sie sind keineswegs voraussetzungslos und treten daher auch meistens nicht historisch-spontan, lebensweltlich-unintendiert oder isoliert auf. Sie sind von einer Vielzahl latenter und manifester Faktoren abhängig.
Das were in unsers herren von costenntz registern
11.12.2025 |
Zur Verwendung der Handschrift EAF Ha 56 in einem Gerichtsprozess im Jahr 1435
Die Handschrift Ha 56 aus dem Erzbischöflichen Archiv Freiburg (EAF), allgemein nach ihrem prominentesten Teil auch Liber Decimationis genannt, ist bereits vielfach in Untersuchungen gewürdigt worden. Bisher noch ungeklärt scheint aber ein kleines Detail zu sein, dem in diesem Beitrag nachgegangen werden soll: Auf einem zu Beginn des Bandes eingeklebten Blatt, das aber wohl schon ursprünglich Teil der Handschrift war, findet sich ein Vermerk aus dem 17. Jahrhundert (?), der folgendermaßen lautet: Nota. Anno 1435 iuxta Protocolum Y pagina 172 fuit hic liber pro authentico declaratus.(1) Wie ist diese Passage zu verstehen und was wurde hier 1435, gut 100 Jahre nach der Anlage der Handschrift, für echt erklärt und warum?
Kirchenverwaltung - Parteipolitik - Intrigen
04.12.2025
Auf den ersten Blick ist das EAF das Behördenarchiv für das Erzbischöfliche Ordinariat (EO), die zentrale Verwaltung der Erzdiözese Freiburg, und gleichzeitig „Landesarchiv“ für das gesamte Bistum. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass es in Wirklichkeit aus mehreren einst selbständigen Archiven besteht. Nicht nur, weil es eine ganze Reihe von Archiven eigenständiger Einrichtungen wie Pfarreien oder Dekanate verwahrt, sondern weil es, wie auch das EO, aus der Fusion mehrerer einst eigenständiger Behörden bzw. deren Archiven entstanden ist. Die beiden größten und wichtigsten sind zum einen das Ordinariat – in anderen Gegenden Deutschlands würde es als Generalvikariat bezeichnet – zum anderen die bis Ende 1974 eigenständige Erzbischöfliche Finanzkammer.
750 Jahre Liber Decimationis
27.11.2025 |
Ein Steuerverzeichnis und mit ihm viele Orte und Kirchen im alten Bistum Konstanz feiern Geburtstag
Im Jahr 2025 können die politischen Gemeinden Schonach im Schwarzwald, Möglingen bei Stuttgart, Egg im Vorarlberg, Lungern im Kanton Obwalden und die Kirchengemeinden in Staufen, Lenzkirch und Göppingen ihren 750. Geburtstag feiern, da ihre erste schriftliche Erwähnung in das Jahr 1275 fällt! Der Grund für diese und zahlreiche weitere Jubiläen liegt in einer Handschrift, die heute im Erzbischöflichen Archiv Freiburg verwahrt wird: Dem sogenannten Liber Decimationis.
Der typische Archivmitarbeitende heißt Michael, hat 2,01 Kolleg:innen und arbeitet in einem Kommunalarchiv
21.11.2025 |
Statistische Einblicke in das Archivwesen Südwestdeutschlands
Archive gelten als wichtige Gedächtnis- und Kulturinstitutionen, die jedoch ein etwas staubiges Image haben. Doch hinter jedem Findbuch, jeder Beratung, jedem gereinigten Aktenfaszikel und jedem Gespräch im Lesesaal oder am Mikrofilmlesegerät stehen Menschen. Sie verzeichnen, entmetallisieren, recherchieren, beantworten Anfragen, beraten Behörden, führen Digitalisierungsvorhaben durch und sorgen dafür, dass das Archivgut sachgerecht gelagert wird, damit es auch zukünftigen Generationen zur Verfügung steht.
Rückschau auf die Tagung "Aufarbeitung, Aufbau und Aufbruch"
14.11.2025
Für die Tagung vom 6. bis 8. November kamen Expertinnen und Experten sowie Interessierte aus verschiedenen Bistümern zusammen. Die Veranstalter luden Fachkundige aus Geschichtswissenschaft und Theologie ein, um fünf Themenschwerpunkte in vergleichender Perspektive zu beleuchten. Das Format war bereits 2021 anlässlich der Jubiläumstagung zur Oberrheinischen Kirchenprovinz (1821-2021) gewinnbringend umgesetzt worden. Das diesjährige Treffen nahm sich die Zeitspanne zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils vor. Ging man mit der Haltung hinein, dass zum Wiederaufbau doch bestimmt schon alles gesagt wurde, wurde man eines Besseren belehrt.
Beilagen in Kirchenbüchern
06.11.2025
Wer bei Kirchenbüchern nur an Tauf-, Ehe- oder Sterbeeinträge denkt, wird überrascht sein, welche anderen stummen Zeitzeugnisse sich darin finden lassen. Neben Zeitungsartikeln, Totenscheinen und Informationen, die die jeweiligen Einträge betreffen oder ergänzen, finden sich manchmal auch eher unerwartete Schriftstücke, Zettel oder sonstige Gegenstände, die in Kirchenbücher hineingelegt und manchmal auch darin vergessen wurden.
Online verfügbar: Die Kriegsberichte der Erzdiözese Freiburg
30.10.2025 |
Sonderdrucke aus dem Freiburger Diözesan-Archiv (FDA)
Mit der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Weniger als zwei Wochen später, am 17. Mai 1945, forderte Erzbischof Conrad Gröber sämtliche Pfarrämter dazu auf, aus ihrer Perspektive über die wichtigsten Ereignisse der letzten Kriegs- und ersten Nachkriegstage zu berichten. Dazu hatte er fünf Leitfragen formuliert, an denen sich die Geistlichen orientieren sollten. Manche Pfarrer antworteten binnen weniger Tage, andere erst Monate oder Jahre später, nachdem sie zweimal oder gar dreimal gemahnt worden waren. Einige Berichte kamen auch nie in Freiburg an, sei es, dass sie nicht geschrieben wurden, sei es, dass sie unterwegs verlorengegangen sind.
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