Wenn der Netzwerkausfall zu einem interessanten Fund führt...
22.01.2026 |
Nach diesem Paare folgen alle übrige Subjekte, die alle, die Alten, Gebrechlichen und etwa 3 bis 4 Untaugliche abgerechnet, ein Pfarramt gut führen mögen, jedoch ohne besondern Vorzug. Aus der Menge erheben sich diese wenigen:
Frowin Meister Schulkommissar im Distrikte St. Blasien
Fridrich Weiger Pfarrer in Brenden
Remigius Dors Professor der Dogmatik in Freyburg
Fridolin Roder Seelsorger zu Münchingen
Philipp Jakob Umber Pfarrer in Lausheim
Marcus Bader Dekan in St. Blasien
Simon Dietrich Pfarrer in Grafenhausen
Bernard Ehrhart Professor der Philosophie im Stifte
Heinrich Bachmann Pfarrer in Ibach
Clemens Vögelin Professor in Sion hat viel Talent mit weniger Kultur
Hieronymus Speidel sucht sich würdig zu machen
Es liessen sich noch einige dieser Klasse aufzählen, welche aber die gehörigen Kräfte nicht mehr inne haben. Ob unter den heranwachsenden ein guter Saame sey, kann ich nicht bestimmen.
Eine technische Störung muss nichts Schlechtes sein. Manchmal veranlasst sie einen dazu, im eigenen Büro nach einer anderen Beschäftigung zu suchen, weil der Zugriff auf die E-Mails, das Laufwerk und die Verzeichnungssoftware auf unbestimmte Zeit nicht zur Verfügung stehen. In solchen Fällen kann man sich mühelos dem Analogen zuwenden, denn davon gibt es in Archiven bekanntermaßen mehr als genug. Der Zeitpunkt für einen Blick in die drei verstaubten Kartons im Regal könnte idealer nicht sein...
Die vorübergehende Unterbrechung der Routine kann das ein oder andere spannende Schriftstück zum Vorschein bringen. Ein Fundstück lautet wie folgt:
Die bessern Seelensorger in St. Bl.
Dem Ideale eines vollendeten Seelensorgers kommt sehr nahe Franz Sales Linsenmann, Pfarrer in Kirchdorf bey Baden im Aargau, ein in Hinsicht auf Kopf, Herz und Erfahrung gleich vortrefflicher Mann. War vorhin Pfarrer und der Moral- und Pastoraltheologie in St. Blasien. Früher, als er noch die lateinische Schule zu Sion bey Klingnau führte, ward ihm die hohe Auszeichnung, daß ihn einmal Fürst Primas, damals Coadiutor Dalberg, bey Gelegenheit einer Reise zum selig. Lavater, in seiner einsamen Zelle besuchte.
Diesem selbst vorzueilen Oddo Schuhmacher, dessen Schüler und – in der Professur – Nachfolger. In diesem wohnt eine Fülle von Genie und Anlage, das reinste, menschenfreundlichste Herz. Er litt wegen seines auf Philosophie und neue Litteratur verwendeten Studiums manche Unbild von lichtlosen Obern und falschen Brüdern, ward vor zwey Jahren von Professur und Stiftspfarre in St. Blasien zur mühevollen Seelensorge in Schönau verwiesen.
Dem Ideale eines vollendeten Seelensorgers kommt sehr nahe Franz Sales Linsenmann, Pfarrer in Kirchdorf bey Baden im Aargau, ein in Hinsicht auf Kopf, Herz und Erfahrung gleich vortrefflicher Mann. War vorhin Pfarrer und der Moral- und Pastoraltheologie in St. Blasien. Früher, als er noch die lateinische Schule zu Sion bey Klingnau führte, ward ihm die hohe Auszeichnung, daß ihn einmal Fürst Primas, damals Coadiutor Dalberg, bey Gelegenheit einer Reise zum selig. Lavater, in seiner einsamen Zelle besuchte.
Diesem selbst vorzueilen Oddo Schuhmacher, dessen Schüler und – in der Professur – Nachfolger. In diesem wohnt eine Fülle von Genie und Anlage, das reinste, menschenfreundlichste Herz. Er litt wegen seines auf Philosophie und neue Litteratur verwendeten Studiums manche Unbild von lichtlosen Obern und falschen Brüdern, ward vor zwey Jahren von Professur und Stiftspfarre in St. Blasien zur mühevollen Seelensorge in Schönau verwiesen.
Nach diesem Paare folgen alle übrige Subjekte, die alle, die Alten, Gebrechlichen und etwa 3 bis 4 Untaugliche abgerechnet, ein Pfarramt gut führen mögen, jedoch ohne besondern Vorzug. Aus der Menge erheben sich diese wenigen:
Frowin Meister Schulkommissar im Distrikte St. Blasien
Fridrich Weiger Pfarrer in Brenden
Remigius Dors Professor der Dogmatik in Freyburg
Fridolin Roder Seelsorger zu Münchingen
Philipp Jakob Umber Pfarrer in Lausheim
Marcus Bader Dekan in St. Blasien
Simon Dietrich Pfarrer in Grafenhausen
Bernard Ehrhart Professor der Philosophie im Stifte
Heinrich Bachmann Pfarrer in Ibach
Clemens Vögelin Professor in Sion hat viel Talent mit weniger Kultur
Hieronymus Speidel sucht sich würdig zu machen
Es liessen sich noch einige dieser Klasse aufzählen, welche aber die gehörigen Kräfte nicht mehr inne haben. Ob unter den heranwachsenden ein guter Saame sey, kann ich nicht bestimmen.
Der Text ist weder mit einer Unterschrift noch mit einem Datum versehen. Dank der Angaben im Schreiben und ihrer Kombination mit Daten aus der Priesterkartei im EAF lässt sich das Jahr 1810 als Entstehungszeitpunkt ermitteln. Ausschlaggebend dafür ist die genannte Versetzung Otto Schuhmachers von St. Blasien nach Schönau, die 1808 stattgefunden hatte, und laut Text zwei Jahre zurück lag. Zu der Eingrenzung passt, dass der erwähnte Pfarrer Friedrich Weiger in Brenden 1810 verstarb, denn dazu entstanden Schreiben zur Neubesetzung der Stelle (EAF, A3/446).
Als schwieriger erweist sich die Spurensuche nach dem Verfasser. Seine doch sehr direkte Beurteilung von Persönlichkeiten in St. Blasien legt nahe, dass er sich mit dem Haus und seinen (ehemaligen) Mitgliedern auskannte. Die genannten Personen haben gemeinsam, dass sie zeitweise als Konventualen in St. Blasien lebten. Der vom Verfasser besonders geschätzte Franz Sales Linsenmann war 1788 in St. Blasien, sein ebenso gelobter Nachfolger, Otto Johann Schuhmacher, ab 1799. Dasselbe Jahr findet sich überdies bei Heinrich Bachmann und Fridolin Roder. Wenige Jahre früher tauchen Remigius Dors (1795) und Bernard Erhart (1797) auf, später hingegen nur Hieronymus Speidel (1803).
Was veranlasste den Verfasser wohl zu den Gedanken über die Qualität der Seelsorger und ihre Eignung für das Pfarramt? Es dürfte mehr gewesen sein als die bloße Skepsis gegenüber den nachfolgenden Priestergenerationen. Ein Visitationsbericht scheint es nicht zu sein und auch keine Benotungsliste im Nachgang einer Prüfung. Vielleicht erhellen andere Schriftstücke aus den drei Kartons die Sache etwas, aber das wäre dann ein Vorhaben für den nächsten Netzwerkausfall.
Sarah Mammola
Nutzung
Zu den im obigen Schriftstück genannten Personen liegen im EAF die folgenden Personalakten vor:
- 1827, Bachmann, Heinrich (1771-1827)
- 1834, Roder, Fridolin (1775-1834)
- 1837, Linsenmann, Franz Sales (1765-1837)
- 1838, Dors, Remigius (1771-1838)
- 1844, Schuhmacher, Otto Johann (1775-1844)
- 1847, Erhart, Bernard (1773-1847)
- 1853, Speidel, Hieronymus (1780-1853)
Andere Namen finden wiederum in Akten aus dem Bestand A, Bistum Konstanz, Erwähnung.
- A1-P/66, Dalberg, Carl Theodor von (1801)
- A1-P/73, Dors, Remigius (1831)
- A3/446, Bistum Konstanz, Brenden, Pfarrbenefizium, 1809-1811 [enthält u. a. Ableben des Pfarrers Friedrich Weiger, 1810]
Außerdem gibt es zahlreiche Akten zu St. Blasien, die gerne im Lesesaal eingesehen werden können.


