Fragen und Antworten zum Digitalisierungsprojekt der Kirchenbücher in der Erzdiözese Freiburg
05.06.2026 |
Zwischenstand 2026
Nach vielen Nachfragen und Wünschen folgt nun das lang ersehnte Update zu unserem Kirchenbuchdigitalisierungsprojekt.
In den vergangenen Monaten haben uns zahlreiche Anfragen zum aktuellen Stand des Projekts erreicht. Mit diesem Beitrag möchten wir die häufigsten Fragen beantworten und einen Einblick in die umfangreichen Arbeiten geben, die hinter der Digitalisierung unserer Kirchenbücher stecken.
Die kurze Zusammenfassung vorweg: Das Projekt schreitet seit 2023 kontinuierlich voran. Bis zum Stichtag am 20. Mai 2026 wurden bereits über 12.000 der etwa 16.000 bis 18.000 Kirchenbücher digitalisiert. Diese Zahl ist zwar sehr erfreulich, stellt jedoch nur einen kleinen Teil des gesamten Arbeitsprozesses dar. Da wir kein zusätzliches Personal ausschließlich für das Kirchenprojekt haben, haben wir uns entschieden, einen erfahrenen Dienstleister mit den Scanarbeiten zu beauftragen. Dennoch bindet das Projekt auch bei uns im Haus erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen.
Der Digitalisierungsprozess
Wie im Schaubild dargestellt, beginnt der Digitalisierungsprozess lange bevor die erste Seite gescannt wird. Zunächst müssen die Bücher gereinigt, vorbereitet und verpackt werden. Darüber hinaus wird geprüft, ob die Bände aus konservatorischen Gründen überhaupt digitalisiert werden können. Anschließend werden sie für den Transport zum Scandienstleister bereitgestellt.
Danach beginnt die Arbeit des Scandienstleisters, der jedes Buch Seite für Seite schonend und unter Berücksichtigung konservatorischer Anforderungen scannt. Dabei werden Auffälligkeiten dokumentiert und Beilagen in Kirchenbüchern entnommen und separat behandelt. Nach Anfertigung der Scans wird ausgehend von der Masterdatei eine zweite Dateirepräsentation zur späteren Onlinestellung erzeugt. Dies ist notwendig, da die hochauflösenden Originaldateien häufig sehr groß sind. Würden diese direkt online bereitgestellt, wären Suche, Ladezeiten und Nutzung der Digitalisate erheblich beeinträchtigt.
Nach Abschluss der Scanarbeiten werden die Bücher wieder verpackt und ins Erzbischöfliche Archiv Freiburg zurückgebracht. Dort beginnt ein Teil des Projekts, der besonders zeitintensiv ist, für Außenstehende jedoch nicht sichtbar: die Qualitätskontrolle. Unsere Mitarbeitenden prüfen die technische und die inhaltliche Qualität der Digitalisate. Dabei wird unter anderem kontrolliert, ob alle Seiten erfasst wurden, ob die Bildqualität ausreichend ist, ob der Beschnitt korrekt vorgenommen wurde und ob sämtliche Dateien fehlerfrei geöffnet werden können. Werden Mängel festgestellt, müssen die betroffenen Bücher erneut bearbeitet oder sogar nochmals gescannt werden.
Beispielscans: So wird es aussehen
Weitere Arbeiten
Am Ende des Projekts werden schätzungsweise 3,2 Millionen Einzelseiten, auf diese Weise verarbeitet werden müssen. Für eine Einrichtung der Größe des Erzbischöflichen Archivs stellt dies ein außerordentlich hohes Arbeitsaufkommen dar. Nach der Rückkehr der physischen Bücher ins Archiv werden diese ausgepackt, einer Sichtkontrolle unterzogen und anschließend wieder an ihren ursprünglichen Lagerorten eingelagert. Derzeit gelingt es uns, monatlich etwa 300 bis 500 Kirchenbücher auszuheben, vorzubereiten, zu digitalisieren, zu prüfen und wieder einzulagern.
Doch auch damit ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen. Bevor die Digitalisate online veröffentlicht werden können, müssen sämtliche Digitalisate hinsichtlich archivischer Schutzfristen geprüft werden. Diese dienen dem Schutz von Persönlichkeitsrechten sowie den Rechten Dritter. So dürfen beispielsweise sensible personenbezogene Daten wie Tauf-, Ehe- oder andere Informationen von noch lebenden Personen nicht online zugänglich gemacht werden. Aus diesem Grund erfolgt vor der Onlinestellung jedes einzelnen Kirchenbuchs eine sorgfältige rechtliche Prüfung. Nähere Informationen zu den geltenden Schutzfristen finden Sie in der Kirchlichen Archivordnung (KAO), im Kirchlichen Datenschutzgesetz (KDG) sowie im Kirchenbuchgesetz (KbG).
Doch auch hier endet der Prozess nicht, denn für die Onlinestellung benötigt es noch Metadaten, also Informationen darüber, was zum Beispiel K1/4224 eigentlich ist. Ohne Metadaten könnte keine Suche stattfinden, denn bis zu diesem Punkt liegen nur nach einem bestimmten Schema benannte Einzeldateien in Ordnern vor. In einer langen Tabelle werden als Metadaten erfasst: die Pfarrei (Ort und Patrozinium), Kirchenbuchart (Taufbuch, Ehebuch, Mischbuch usw.), Laufzeit (von...bis...), Bemerkungen zum Inhalt. Außerdem muss hier noch eine Verknüpfung zu den Dateien gemacht werden. Diese wenigen Sätzen geben zwar nicht den gesamten Prozess wieder, aber vielleicht einen ersten Eindruck über den Umfang der Projektarbeit.
Tony Franzky
Häufig gestellte Fragen
Wir arbeiten derzeit daran, ein größeres Paket digitalisierter Kirchenbücher zeitnah online bereitzustellen. Aus organisatorischen Gründen können wir derzeit jedoch noch keine verbindlichen Angaben dazu machen, welche Pfarreien, Bücher oder Zeiträume darin enthalten sein werden. Die Überprüfung und Validierung der Digitalisate erfolgt fortlaufend und muss vollständig abgeschlossen sein, bevor eine Veröffentlichung erfolgen kann. Erst danach lässt sich final sagen, welche Bestände im ersten Veröffentlichungsabschnitt enthalten sein werden.
Leider ist es nur mit erheblichem organisatorischem Aufwand möglich, einzelne Bücher oder Pfarreien aus dem laufenden Prozess herauszulösen und priorisiert zu verarbeiten. Die Kirchenbücher werden daher grundsätzlich in der Reihenfolge bearbeitet und veröffentlicht, in der sie an das Erzbischöfliche Archiv abgegeben wurden. Pfarreien, deren Bestände bereits frühzeitig übergeben wurden, werden daher voraussichtlich auch früher online verfügbar sein.
Leider nein. Vor der Veröffentlichung müssen die zugehörigen Metadaten – beispielsweise Pfarreizugehörigkeit, Laufzeit, Buchtyp und weitere Informationen – in die Zieldatenbank importiert werden. Dieser Prozess ist vergleichsweise aufwendig, da in diesem Zuge alle bereits vorhandenen Daten ebenfalls auf mögliche Änderungen synchronisiert werden. Würden wir einzelne Bücher oder sehr kleine Datenpakete laufend veröffentlichen, würde dies die Gesamtzeit für den Onlinestellungsschritt deutlich erhöhen und die Projektzeit insgesamt verlängern. Deshalb werden die Digitalisate in größeren Veröffentlichungsblöcken bereitgestellt.
Die Kirchenbücher werden schonend und in Vollfarbe digitalisiert. Die Masterdateien haben eine Auflösung von etwa 24 Megapixeln pro Seite und ermöglichen somit eine sehr detaillierte Darstellung der Originale. Für die Online-Bereitstellung werden daraus optimierte Dateiversionen erzeugt, die eine schnelle Nutzung bei gleichzeitig hoher Bildqualität ermöglichen.
Kirchenbücher können im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen sein. Bereits in historischen Archivverzeichnissen werden Verluste durch Brände, Kriegseinwirkungen, Diebstahl oder einen unbekannten Verbleib dokumentiert. Im Rahmen des Projekts erfassen wir systematisch bekannte Verluste sowie zeitliche Lücken in den Beständen. Selbstverständlich können nicht mehr vorhandene Kirchenbücher auch nicht digitalisiert werden.
Sofern vorhanden, werden wir jedoch auf Mikrofilmaufnahmen zurückgreifen, die in vielen Fällen in den 1970er-Jahren angefertigt wurden. Diese können helfen, die verlorenen Originale zumindest teilweise zu ersetzen. Allerdings sind nicht alle als verloren geltenden Kirchenbücher dauerhaft verschwunden. Immer wieder werden historische Bände auf Dachböden, in Kellern, Garagen oder sogar in Privatbesitz gefunden.
Sollten Sie auf solche Dokumente stoßen, bitten wir Sie, Kontakt mit dem Erzbischöflichen Archiv aufzunehmen. Solche Dokumente sind ein bedeutender Teil unseres kulturellen Erbes und besitzen für viele Menschen einen hohen historischen und familiengeschichtlichen Wert. Durch die Digitalisierung möchten wir diese Quellen langfristig sichern und allen Interessierten kostenfrei, niedrigschwellig und ortsunabhängig für Forschung und Familiengeschichte zur Verfügung stellen.
Die digitalisierten Kirchenbücher werden kostenfrei über Matricula zur Nutzung und Erforschung bereitgestellt werden.
Nein. Im Rahmen des Projekts erfolgt keine vollständige Transkription der Kirchenbücher. Umfangreiche interne Tests mit automatisierter Handschriftenerkennung (HTR) haben ergeben, dass die Ergebnisse aufgrund unterschiedlicher Handschriften, Schreibstile und Zeiträume häufig eine aufwendige Nachbearbeitung erfordern würden. Die erreichte Erkennungsqualität entspricht daher derzeit nicht unseren Ansprüchen an eine verlässliche digitale Bereitstellung. Wir überlassen es den Forschenden daher, bei Bedarf selbst geeignete Software zu nutzen. Gerne kooperieren wir mit Ihnen, sofern Sie bereits größere Datenbanken oder Datensätze von Personen transkribiert und erfasst haben, die Sie der Community zur Verfügung stellen möchten. Melden Sie sich dazu gerne bei uns!
Geplant ist die Bereitstellung aller Kirchenbücher aus dem Gebiet des heutigen Erzbistums Freiburg vom Beginn der Überlieferung an – je nach Region seit dem 16. bzw. 17. Jahrhundert – bis etwa zum Jahr 1900, insbesondere von Tauf-, Ehe- und Sterbebüchern. Darüber hinaus werden auch historische Familienbücher online gestellt, sofern die geltenden Schutzfristen bereits abgelaufen sind.
Der Abschluss des Projekts ist derzeit für Ende 2028 vorgesehen. Auf Grundlage des bisherigen Projektverlaufs und der erreichten Fortschritte sind wir weiterhin zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen und bis dahin sämtliche Kirchenbücher erfolgreich digitalisiert zu haben. Die Onlinestellung wird voraussichtlich zeitversetzt abgeschlossen werden.

