Beilagen in Kirchenbüchern

06.11.2025 |

Wer bei Kirchenbüchern nur an Tauf-, Ehe- oder Sterbeeinträge denkt, wird überrascht sein, welche anderen stummen Zeitzeugnisse sich darin finden lassen. Neben Zeitungsartikeln, Totenscheinen und Informationen, die die jeweiligen Einträge betreffen oder ergänzen, finden sich manchmal auch eher unerwartete Schriftstücke, Zettel oder sonstige Gegenstände, die in Kirchenbücher hineingelegt und manchmal auch darin vergessen wurden. 

Solche „Beilagen” werden mitunter erst Jahrzehnte später wiederentdeckt. Im Folgenden finden Sie daher eine kleine Auswahl von Stücken, die wir im Zuge der Digitalisierung der Kirchenbücher gefunden haben bzw. regelmäßig finden.
Tauf- und Ehemeldungen, Totenscheine, etc.
Diese Beilagen sind mit Abstand am häufigsten in Kirchenbüchern zu finden. So kann es vorkommen, dass Personen außerhalb ihres Wohnortes heiraten, getauft werden oder sterben. In der Regel folgt dann eine Meldung an die Heimatpfarrei. Diese kann als Brief oder Postkarte erfolgen und ist daher oft in Kirchenbüchern beigelegt. Eine einheitliche Form gibt es nicht. Dies zeigen z.B. die beiden Nachmeldungen an die katholischen Pfarreien in Burladingen und Warmbach aus den Jahren 1963 bzw. 1920.
 
Nachmeldeschreiben aus dem Jahr 1920 aus Warmbach, St. Gallus
Nachmeldeschreiben aus dem Jahr 1912 aus Burladingen, St. Fidelis
 
Zeitungsausschnitte
Zeitungen transportieren nicht nur Neuigkeiten und Informationen, sondern liefern mitunter auch den Kontext zu Einträgen in Kirchenbüchern. Hier ist etwa ein Zeitungsartikel aus der Mitte der 1950er Jahre aus Vilchband, der den dramatischen Tod zweier Personen beschreibt. Er wurde den Sterbeeinträgen in der Pfarrei Busenbach beigefügt.
 
Zeitungsausschnitt über einen Unglücksfall in Vilchband in den 1950er Jahren
 
Vergessene Notizzettel
Da Tauf-, Ehe- und Sterbebücher oft zu Familienforschungszwecken konsultiert werden, verbleiben manchmal Schreiben und Notizzettel in den Büchern. In diesem Fall wurde dieses Angebot der Firma Papier Dettlinger aus Freiburg beispielsweise auf der Rückseite als Notizzettel benutzt.
 
Anschreiben Schreibmaschine der Firma Dettlinger
Druckwerke und Einladungen
Aus manchmal nicht ganz ersichtlichen Gründen finden sich auch alltägliche Schriftstücke in Kirchenbüchern. Ein Beispiel ist dieses Einladungsschreiben aus dem Jahr 1955 für eine Diskussionsveranstaltung im Bühlertal.
 
Einladungsschreiben Bühlertal 1955
 
Auch diese Seite aus dem Magnifikat, einem Katholischen Gebet- und Gesangbuch für die Erzdiözese Freiburg, erstmalig 1892 erschienen und 1929 umfänglich überarbeitet, wurde offenbar entfernt und aus unbekannten Gründen einem der Kirchenbücher aus Bühl, Maria Hilf, hinzugefügt.
 
Ausschnitt aus Magnifikat 1929
 
Was passiert mit den Beilagen in Kirchenbüchern?
Im Erzbischöflichen Archiv Freiburg werden sie bei der Bearbeitung aus konservatorischen Gründen entnommen, bewertet und entweder den Akten des jeweiligen Pfarrarchivs hinzugefügt oder dem Sammelbestand für Kirchenbuchbeilagen zugeordnet. So ist es auch später möglich, vorhandene Informationen abzurufen, Kontexte zu rekonstruieren oder Einzelstücke einzusehen.
 
 
Tony Franzky