St. Märgen im Schwarzwald, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt
Geschichtlicher Überblick
Im Jahre 1118 gründete Dompropst Bruno von Straßburg das Augustiner-Chorherrenstift St. Märgen in der Nachbarschaft des einige Jahre zuvor errichteten Benediktinerklosters St. Peter (heute Priesterseminar der Erzdiözese). Aufgrund des romanischen Gnadenbildes aus dem Jahre 1100 wurde St. Märgen zu einem viel besuchten Marienwallfahrtsort. Dennoch konnte sich das Augustiner-Kloster im Laufe der Jahrhunderte nur mäßig entfalten. Insbesondere vier verheerende Brände (in den Jahren 1284, 1430, 1560, 1704) brachte schlimme Not über das Kloster.
Die heutige Pfarr- und Wallfahrtskirche wurde in den Jahren 1716 bis 1718 erbaut. Es folgt eine Blütezeit des Klosters, die mit der Säkularisierung im Jahre 1806 abrupt endet. Die Klostergebäude wurden aufgeteilt und teilweise zu Privatwohnungen umgestaltet. Der ältere Teil des Prälatenhauses wurde Pfarrhaus, der neuere Teil beherbergte über viele Jahre das Bürgermeisteramt und die Tourist-Information. Heute befindet sich hier das Klostermuseum. St. Märgen ist nach wie vor ein blühender Marienwallfahrtsort - der erste in der 1827 errichteten Erzdiözese Freiburg.
Von 1995 bis 2011 übernahm der Paulinerorden, der die Marienwallfahrt in Tschenstochau (Polen) betreut, die Gemeinde- und Wallfahrtsseelsorge in St. Märgen und ließ die Klostertradition nochmals aufleben.
Die Baugestalt der Kirche
Dem einem Bergrücken in 887 m Höhe setzt die barocke Kirche mit ihren elegant geschwungenen Turmhauben einen weithin sichtbaren Akzent. Die neungeschossigen Türme zeigen einen eindrucksvollen farblichen Kontrast zwischen dem gelben Außenanstrich und dem Ochsenblutrot der senkrechten Lisenen und der Gesimse. Ein schönes Säulenportal mit Gesims und Segmentbogen darüber führt in die Kirche.
Beim Eintritt in das Innere gelangt man in einen hellen, lichtdurchfluteten Saal. Die im Stile des 18. Jahrhunderts ausgearbeiteten Stuckaturenen wie auch die neubarocken Wand- und Deckengemälde entstanden nach einem durch Blitzschlag ausgelösten Brand im Jahre 1907.
Blick- und Höhepunkt für den Kirchenbesucher sind die drei Altäre des Langhauses. Im Unterschied zu den Aufbauten und Gemälden konnten die Figuren 1907 vor dem Feuer gerettet werden.
Der heutige Hochaltar aus dem Jahre 1909/10 ist dem früheren des Kunstschreibers J.M. Hermann (1744/45) nachgebildet. Die vier lebensgroßen Figuren aus dem 18. Jahrhundert, Hauptwerke des Bildhauers M. Faller, zeigen links außen den Hl. Augustinus, Patron des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts; rechts außen den 1730 selig gesprochenen Augustiner-Pater Petrus Forerius. Innen sind Johannes der Täufer (links) und ihm gegenüber der Apostel Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, zu sehen. Das Altargemälde zeigt die Aufname Mariens in den Himmel, die der Kirche Mariä Himmelfahrt den Namen gab.
Das Gnadenbild
Das auf einem Seitenaltar aufgestellte romanische Gnadenbild aus dem Jahre 1100 ist das bedeutendste Kunstwerk der Kirche und Ziel der bedeutenden Marienwallfahrt. Die Figur der Gottesmutter mit dem Jesuskind, das die Gründermönche im Jahre 1118 mitgebracht hatten, konnte im Laufe der Jahrhunderte aus alle Bränden gerettet werden.
Die 53 cm hohe Figur zeigt die sitzende Madonna. Sie bietet auf ihrem Knie das Kind den Betenden dar. Zu verschiedenen Zeiten im Kirchenjahr wird die Marienfigur mit verschiedenen roten und weißen Gewändern geschmückt. Eine besondere Kostbarkeit sind die Kronen, die originale Barock-Arbeiten darstellen.
Fest Mariä Himmelfahrt
Das Fest lenkt unseren Blick auf das Ziel unseres Lebens: dass wir einmal bei Gott leben und seine Herrlichkeit schauen dürfen. Maria, die Mutter Jesu und unsere Schwester im Glauben, glaubte an und vertraute auf Gott in all ihren Lebenssituationen und „empfing als erste von Christus die Herrlichkeit“ (Präfation des Hochfestes). Während Maria sozusagen das Lebensziel schon erreicht hat, sind wir auf dem Weg dorthin: „Gib, dass wir auf dieses Zeichen der Hoffnung und des Trostes schauen und auf dem Weg bleiben, der hinführt zu deiner Herrlichkeit“ (Tagesgebet des Hochfestes).
Es ist üblich, am Hochfest der Aufnahme Marias in den Himmel, Kräuter zu weihen. „Die Heilkraft der Kräuter soll durch die Fürbitte der Kirche dem ganzen Menschen zum Heil dienen. Dieses Heil ist an Maria besonders deutlich geworden.“ (vgl. Benediktionale, S. 63). Auf die Fürsprache Mariens soll uns Gott dieses ganzheitliche Heil schenken.
Norbert Kebekus
