Die Gründung der Erzdiözese Freiburg
200 Jahre „Provida solersque“
Wie aus politischen Umbrüchen, alten Bistümern und langen Verhandlungen die Erzdiözese Freiburg entstand.
Die Geburtsurkunde des Erzbistums
Die Geschichte der Erzdiözese Freiburg beginnt mitten im römischen Hochsommer. Am 16. August 1821 bringt Papst Pius VII. eine Neuordnung der katholischen Kirche in Südwestdeutschland auf den Weg. Dazu erlässt er eine von mehreren sogenannten Zirkumskriptionsbullen, mit denen er zu Beginn des 19. Jahrhunderts die deutschen Bistümer neu ordnet. Ihre lateinischen Anfangsworte – und somit ihr Name – lauten „Provida solersque“.
Die Bulle begründet die Oberrheinische Kirchenprovinz und regelt die kirchlichen Verhältnisse nach den Wirren der Französischen Revolution und der napoleonischen Kriege. „Provida solersque“ gilt als Geburtsurkunde des Erzbistums Freiburg. Freiburg wird Metropolitanbistum des ebenfalls neu geschaffenen Bistums Rottenburg sowie des wiedererrichteten Bistums Mainz. Zugleich löst Pius VII. das traditionsreiche mittelalterliche Bistum Konstanz vollständig auf.


Die ersten drei Seiten einer Abschrift der Bulle „Provida solersque“ (Erzbischöfliches Archiv Freiburg, B1/2)
Aus sechs Bistümern entsteht eine Erzdiözese
Die neu geschaffene Erzdiözese Freiburg konnte auf reiche historische Wurzeln zurückgreifen. Ihr Gebiet setzte sich aus Teilen von sechs alten Bistümern zusammen. Der Süden stammte überwiegend aus dem aufgelösten Bistum Konstanz. Hinzu kamen rechtsrheinische Gebiete der Bistümer Straßburg und Speyer sowie des ebenfalls aufgelösten Bistums Worms. Im Norden flossen Teile des alten Erzbistums Mainz und des Bistums Würzburg ein.
Territorial entsprach die Erzdiözese größtenteils dem 1806 entstandenen Großherzogtum Baden. Hinzu kamen die Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen. Die Landesherren strebten nach einem Landesbistum und hofften, dadurch mehr Einfluss auf die katholische Kirche zu gewinnen, erläutert Dr. Christoph Schmider, Leiter der Diözesanstelle Archive, Bibliotheken und Schriftgutverwaltung.
Die Gläubigen vor Ort waren in diesen Prozess nicht eingebunden. Die Bulle wurde vor allem als Staatsvertrag wahrgenommen – als Endpunkt jahrelanger Verhandlungen zwischen den unter Napoleon neu geschaffenen deutschen Staaten und Rom.
Warum Freiburg Bischofssitz wurde
Dass Freiburg Sitz der neuen Erzdiözese werden sollte, stand zunächst keineswegs fest. Sicher war lediglich, dass Konstanz nicht infrage kam. Auch Bruchsal, die frühere Residenz des Speyerer Bischofs, und Rastatt wurden als mögliche Bischofssitze diskutiert.
Schließlich fiel die Wahl auf Freiburg – trotz der Lage weit im Süden der neuen Erzdiözese. Ausschlaggebend war unter anderem das gotische Münster. Außerdem lebte ein großer Teil der katholischen Bevölkerung des damaligen Großherzogtums Baden im Süden. Damit lag Freiburg im Zentrum des vorwiegend katholisch geprägten Landesteils.

Von 1821 bis zum praktischen Start 1827
Im August 1821 waren die Grenzen der künftigen Erzdiözese festgelegt und Freiburg als Bischofssitz bestimmt. Ein Erzbischof war jedoch noch nicht ernannt. Für viele Menschen änderte sich zunächst wenig. Ihre wichtigsten kirchlichen Bezugspunkte blieben die Pfarreien; auch der Zuschnitt der Dekanate wurde von den Vorgängerbistümern übernommen.
Eine zentrale Herausforderung der ersten Jahre war die innere Integration. In Liturgie und kirchlicher Praxis gab es erhebliche Unterschiede zwischen den früheren Bistümern. Die Angleichungen verliefen weitgehend konfliktfrei. Erst 1839 erschien ein Freiburger Diözesangesangbuch; bis dahin verwendeten die Gemeinden weiterhin die Gesangbücher ihrer früheren Bistümer.
Der praktische Startschuss folgte 1827: Bernhard Boll wurde als erster Erzbischof feierlich in Freiburg inthronisiert. Mehrtägige Feiern mit Banketten, einer Opernaufführung, Festgottesdiensten, Prozessionen und stundenlangem Glockengeläut begleiteten das Ereignis. Bis heute gilt deshalb 1827 als das eigentliche Gründungsjahr der Erzdiözese Freiburg.






