200 Jahre Erzdiözese Freiburg

Die Geschichte der Erzdiözese Freiburg

Vom frühen Christentum über die Gründung des Erzbistums bis in die Gegenwart – eine Zeitreise durch prägende Ereignisse, Menschen und Aufbrüche.

6. bis 13. Jahrhundert

Früh- und Hochmittelalter

Mittelalterliche Bistumsgrenzen (gelb: das heutige Erzbistum Freiburg)
Mittelalterliche Bistumsgrenzen (gelb: das heutige Erzbistum Freiburg) · Quelle: Erzdiözese Freiburg

Als erste Glaubensboten kamen bereits im 6. Jahrhundert die Mönche Fridolin, Landolin, Trudpert und Gallus zu den Alemannen an Rhein und Bodensee. Säckingen am Hochrhein und Schuttern in der Ortenau sind wohl die frühesten Klostergründungen auf dem Gebiet der heutigen Erzdiözese Freiburg. Dazu zählt auch das Kloster auf der Bodenseeinsel Reichenau, das um 724 der Wanderbischof Pirmin gegründet hat. Weitere Klöster, die nicht zuletzt durch ihre Schulen sehr bald zu Zentren christlichen Lebens wurden, entstanden in Gengenbach, Schwarzach, Mosbach und Ettenheimmünster.

Ebenfalls im 7./8. Jahrhundert kam das Christentum in die mainfränkischen Gebiete des heutigen Erzbistums Freiburg. Dort waren es insbesondere der heilige Kilian und der heilige Bonifatius mit ihren Helfern, die den Boden für die Kirche bereiteten. Eine große Ausstrahlung gewann in dieser Zeit das Benediktinerinnenkloster in Tauberbischofsheim durch die heilige Lioba, die es seit etwa 735 als Äbtissin leitete.

Alemannenbistum

Um die Alemannen zu missionieren, war bereits im 6. Jahrhundert das Bistum Konstanz gegründet worden. Es erstreckte sich vom St. Gotthard bis zum mittleren Neckar, vom Rhein bis an die Iller. Hier wirkte von 934 bis zu seinem Tod 975 der "Alemannenbischof" Konrad. Als im 11. Jahrhundert die Abtei Cluny in Burgund zum Ausgangs- und Mittelpunkt einer radikalen Reform des Klosterlebens wurde, breitete sich die Erneuerungsbewegung der "Cluniazenser" vom Kloster Hirsau aus auch im südwestdeutschen Raum aus und führte unter anderem zur Gründung des Klosters St. Peter im Schwarzwald, in dem heute das Geistliche Zentrum der Erzdiözese Freiburg untergebracht ist. Im Gefolge der zweiten, noch radikaleren Reformbewegung der Zisterzienser im 12. Jahrhundert entstanden außerdem weitere Klöster in Salem am Bodensee, in Tennenbach und in Lichtenthal bei Baden-Baden.

Stadtgründung von Freiburg

In dieser Zeit einer kirchlichen Neuorientierung im 11. und 12. Jahrhundert gründeten Zähringer und andere Landesfürsten eine ganze Anzahl größerer und kleinerer Städte wie etwa Freiburg oder Villingen. In vielen dieser Städte, die sehr bald vom aufblühenden Handel und Handwerk geprägt waren, ließen sich im Lauf des 13. Jahrhunderts die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner nieder. In den städtischen Bürger- und Stiftskirchen wirkten so bedeutende Künstler wie Martin Schongauer, Matthias Grünewald, Riemenschneider, Veit Stoß, Baldung Grien und Hans Holbein der Jüngere.

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14. bis frühes 19. Jahrhundert

Vom Spätmittelalter zur Neuzeit

Das Freiburger Münster
Das Freiburger Münster · Quelle: Erzdiözese Freiburg

Ins Zentrum des kirchlich-politischen Geschehens rückte Anfang des 15. Jahrhunderts die damalige Bischofsstadt Konstanz, als dort von 1414 bis 1418 das nach ihr benannte Konzil tagte. Es war von Kaiser Sigismund einberufen worden, um nach der Rückkehr der Päpste aus Avignon die umstrittene Frage nach dem rechtmäßigen Papst zu klären. Die Wahl fiel auf Kardinal Colonna, der sich als Papst dann Martin V. nannte.

Jesuiten und Kapuziner

Die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit Martin Luther anbrechende Reformation breitete sich sehr schnell auch im südwestdeutschen Raum aus. Der Markgraf von Baden-Durlach und der in Heidelberg residierende Kurfürst der Pfalz gehörten zu den bedeutendsten Regenten, die die Reformation in ihren Gebieten einführten. Für die bald darauf einsetzende Gegenreformation, die insbesondere von den Jesuiten und den Kapuzinern gefördert und vorangetrieben wurde, ist die "Jesuitenkirche" in Mannheim bis heute ein bleibendes Zeugnis, nicht zuletzt für die mit der Gegenreformation verbundende Barockkultur.

Die rationalistische Geistesströmung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und der vor allem durch Kaiser Joseph II. geförderte aufgeklärte Absolutismus wirkten über das zu Vorderösterreich gehörende Freiburg in den südwestdeutschen Raum hinein. Ein Ausdruck für die klassizistische Kunst dieser Zeit ist der Dom in St. Blasien, die mächtigste Kuppelkirche in Deutschland.

Säkularisation und Neuordnung

Einen sich bis heute auswirkenden grundlegenden Umbruch brachten dann die Napoleonischen Kriege und die Säkularisation von 1803. Die politische Neuordnung im Südwesten Deutschlands hatte auch eine Neuordnung der kirchlichen Gebiete zur Folge. Das traditionsreiche Bistum Konstanz wurde aufgelöst. Nach zähen Verhandlungen mit der Regierung des 1806 neu gegründeten Großherzogtums Baden wurde 1821 mit der päpstlichen Bulle "Provida Solersque" die Oberrheinische Kirchenprovinz aus der Taufe gehoben. Sie bestand aus dem Erzbistum Freiburg und den Suffraganbistümern Fulda, Mainz, Limburg und Rottenburg (heute zählen nur noch Mainz und Rottenburg-Stuttgart dazu).

Die neue Diözese war zunächst ein künstliches Gebilde: Der Hauptteil stammte aus dem ehemaligen Bistum Konstanz, der Rest kam aus den angrenzenden Diözesen Speyer, Mainz, Straßburg, Worms und Würzburg. Die eigentliche Gründung des Erzbistums Freiburg erfolgte dann nach wiederum sehr langwierigen Verhandlungen 1827 mit der Einsetzung des ersten Erzbischofs, des Münsterpfarrers Bernhard Boll, durch die päpstliche Bulle "Ad dominici gregis custodiam". Das im 13. Jahrhundert als Bürgerkirche errichtete Freiburger Münster wurde Bischofskirche der Diözese.

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Aufbruch und Konflikte

Das 19. Jahrhundert

Oberrheinische Bischofskonferenz im Jahre 1853
Oberrheinische Bischofskonferenz im Jahre 1853 · Quelle: Erzdiözese Freiburg

Das Verhältnis von Staat und Kirche war von Anfang an belastet durch den Anspruch des Großherzogtums auf eine Kirchenhoheit im Sinne des "Staatskirchentums". Während Erzbischof Boll und sein Nachfolger Ignaz Demeter in einem latenten Konflikt mit der Regierung in Karlsruhe lebten, kam es dann unter Erzbischof Hermann Vicari (1842 bis 1868) zur offenen Auseinandersetzung, die sich zum ersten Mal im sogenannten "badischen Kirchenstreit" 1852 bis 1854 zuspitzte. Begleitet waren diese Auseinandersetzungen von einem bedeutenden gesellschaftlichen und politischen Aufschwung der Katholiken. Der Freiburger Staatsrechtler Franz Joseph von Buß kann als Symbolfigur dieser Entwicklung bezeichnet werden, in der sich der Einsatz für soziale Gerechtigkeit mit einer entschiedenen Absage an den liberalistischen Staat verband. Buß war es, der 1837 in Karlsruhe die erste sozialpolitische Rede in einem deutschen Parlament hielt.

Kulturkampf bringt neue Konflikte

Neue Schulgesetze im Jahre 1860 führten zum sogenannten "Schulkampf", der bald darauf 1867 in den "Kulturkampf" mündete. Erst in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts begann sich das Verhältnis von Staat und Kirche zu entspannen, ohne dass der Konflikt grundsätzlich gelöst worden wäre. Zwar wurde das Verbot der kirchlichen Konvikte gelockert, aber die Anti-Ordensgesetze blieben weiterhin in Kraft.

Mit dem Beginn der Industrialisierung begannen sich im Lauf des 19. Jahrhunderts auch zahlreiche katholische Vereine und Verbände im Erzbistum Freiburg zu bilden. Gestützt von diesen Verbänden und einer immer einflussreicher werdenden katholischen Presse versuchte der politische Katholizismus, der sich inzwischen in der Zentrumspartei organisierte, das staatliche Leben mitzugestalten. Die volle Freiheit als öffentlich-rechtliche Körperschaft erhielt die Kirche allerdings erst nach dem Ersten Weltkrieg durch die Weimarer Verfassung. Jetzt konnte sie "ihre Angelegenheiten selbständig regeln".

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Wandel und Erneuerung

Das 20. Jahrhundert

Erzbischof Oskar Saier
Erzbischof Oskar Saier · Quelle: Erzdiözese Freiburg
Erzbischof Groeber
Erzbischof Gröber

Das Badische Konkordat

Eine Neubelebung des kirchlichen Vereinslebens, das während des Krieges sehr gelitten hatte, war das Ziel einer Diözesansynode, die Erzbischof Carl Fritz (1920 bis 1931) im Jahre 1921 einberief. Nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen, die vom Nuntius Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., geführt wurden, unterschrieb die badische Regierung 1933 das "Badische Konkordat": Der Austausch der Ratifizierungsurkunden war die letzte Amtshandlung der frei gewählten Regierung in Baden. Am selben Tag übernahmen die Nationalsozialisten die Macht. Während der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden 17 Priester aus dem Erzbistum Freiburg in Konzentrationslagern interniert, zehn von ihnen starben oder wurden hingerichtet. Auch viele Laien wurden ihrer Freiheit beraubt und wegen ihres Glaubens in Konzentrationslager gebracht.

Zukunft und Hoffnung

Nach anfänglichen Sympathien für die neue Bewegung wurde Erzbischof Conrad Gröber ab 1935 zu einem Gegner der Nazi-Diktatur, wofür seine Silvesterpredigten und Fastenhirtenbriefe Zeugnis geben. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg bemühten sich die Erzbischöfe Wendelin Rauch (1948 bis 1954) und Eugen Seiterich (1954 bis 1958), den materiellen Wiederaufbau mit einem Wiederaufbau des kirchlichen Lebens in der Gesellschaft zu verbinden. In die Amtszeit von Erzbischof Hermann Schäufele (1958 bis 1977) fiel das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965), an dem er zusammen mit Weihbischof Karl Gnädinger als Konzilsvater teilnahm. Die von diesem Konzil ausgehenden Anstöße und Wegweisungen zur Erneuerung sind für das Erzbistum ebenso wie für die gesamte Weltkirche Anruf und Auftrag für die Zukunft von Kirche und Welt.

Einen wesentlichen Anstoß für die Umsetzung der Konzilsbeschlüsse gab die Gemeinsame Synode der deutschen Bistümer in Würzburg, 1971 bis 1975, an der auch der 2008 verstorbene Erzbischof von Freiburg, Dr. Oskar Saier, als Weihbischof teilnahm.

Als die Erzdiözese Freiburg 1977 auf ihr 150-jähriges Bestehen zurückblicken konnte, stellte sie die Feierlichkeiten unter das programmatische Motto "Damit sie auch morgen glauben können". Damit wurde eine evangelisierende Pastoral in die Wege geleitet, die in den folgenden Jahren und Jahrzehnten eine immer konkretere Gestalt annahm und in der von Erzbischof Oskar Saier 1989 angestossenen pastoralen Initiative "Miteinander Kirche sein - für die Welt von heute" nochmals einen nachhaltigen Impuls bekam.

Oskar Saier wird Erzbischof

Nach dem Tod von Erzbischof Hermann Schäufele im Jubiläumsjahr 1977 ernannte Papst Paul VI. am 15. März 1978 Weihbischof Dr. Oskar Saier zum neuen Oberhirten von Freiburg. Damit war Saier auch Bischof der gastgebenden Diözese für den Freiburger Katholikentag 1978, der mit seinem Motto "Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben" ganz auf der diözesanen Linie einer zukunftsverheißenden Glaubensweitergabe lag und nicht zuletzt dadurch, dass er entscheidend von der Jugend geprägt war, tatsächlich zu einem Hoffnungszeichen wurde. Ein wichtiges Signal des Aufbruches setzte auch der Katholikentag 1992 in Karlsruhe. Unter dem Motto "Eine neue Stadt ersteht " ermutigte das Karlsruher Treffen die Christen aus nah und fern, mit der befreienden Botschaft ihres Glaubens tatkräftig am gemeinsamen Haus Europa mitzubauen.

Erzbischof Dr. Saier trat im Juli 2002 aus gesundheitlichen Gründen zurück. Von Juli 2003 bis Juni 2014 leitete Dr. Robert Zollitsch als 14. Erzbischof die Erzdiözese Freiburg. Seitdem ist Stephan Burger der 15. Erzbischof von Freiburg.

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Aus dem Erzbistum Freiburg

Märtyrer des 20. Jahrhunderts

Wir bewahren die Erinnerung an 39 Frauen und Männer aus dem Erzbistum Freiburg, die im 20. Jahrhundert das Martyrium erlitten haben.

B

  • Baumann, CäciliaS. 1245
  • Beichert, Alois (Priester)S. 243
  • Bernhard, Adolf (Priester)S. 246
  • Bing, Albert FelixS. 288
  • Bing, Dr. Fritz (Siegfried)S. 288
  • Bing, Heinz WolfgangS. 288
  • Bing, MargaretheS. 288
  • Brugger, Alois (Priester)S. 250
  • Brümmer, Br. Wunibald (Franz Josef) FMMS. 878

E

  • Einzmann, Sr. Annetta (Anna) SSpSS. 1527

F

  • Fackler, Br. Arbogast (Heinrich) SVDS. 1815
  • Feurstein, Dr. Heinrich (Priester)S. 253
  • Frank, ReinholdS. 292
  • Fränznick, Franz Anton (Priester)S. 257

G

  • Gaisert, Michael (Priester)S. 260
  • Gelb, Br. Berthwin Philibert (Hermann Joseph) FSCS. 1620
  • Gerster, P. Athanasius OSBS. 888
  • Graf, Max (Priester)S. 264

H

  • Haas, P. Richard SVDS. 1464
  • Hättig, P. August SVDS. 1456
  • Helde, P. Titus (Josef) SDSS. 1378
  • Hörth, Sr. Franciscetta (Sophie) SSpSS. 1603
  • Huth, EwaldS. 296

K

  • König, Josef (Priester)S. 267
  • Kraus, Br. Remigius (Franz) OCRS. 1238
  • Kreitner, Br. Hartmann Hubert (Lorenz) FSCS. 1623
  • Kremer, P. Johannes Leodegar SACS. 1010
  • Kuenzer, Dr. RichardS. 299
  • Kuntz, Br. Friedebert-Johannes (Johannes) FSCS. 1624

L

  • Leuthner, P. Franziskus (Karl) OSBS. 1410

M

  • Meckler, Otto (Priester)S. 271
  • Metzger, Dr. Max Josef (Priester)S. 274

R

  • Rapp, P. Konrad (Friedrich) OSBS. 1438
  • Reitsamer, RichardS. 303
  • Ruf, August (Priester)S. 278

S

  • Schmitt, Sr. Sophia, Hiltruper MissionarinS. 1391
  • Spies, Anton (Priester)S. 281
  • Strohmeyer, Willibald (Priester)S. 284

W

  • Wehinger, Sr. Annacrescenz (Mechthilde) SSpSS. 1525

Seitenangaben: 8. Auflage.

Die Gründung der Erzdiözese Freiburg

200 Jahre „Provida solersque“

Wie aus politischen Umbrüchen, alten Bistümern und langen Verhandlungen die Erzdiözese Freiburg entstand.

Die Geburtsurkunde des Erzbistums

Die Geschichte der Erzdiözese Freiburg beginnt mitten im römischen Hochsommer. Am 16. August 1821 bringt Papst Pius VII. eine Neuordnung der katholischen Kirche in Südwestdeutschland auf den Weg. Dazu erlässt er eine von mehreren sogenannten Zirkumskriptionsbullen, mit denen er zu Beginn des 19. Jahrhunderts die deutschen Bistümer neu ordnet. Ihre lateinischen Anfangsworte – und somit ihr Name – lauten „Provida solersque“.

Die Bulle begründet die Oberrheinische Kirchenprovinz und regelt die kirchlichen Verhältnisse nach den Wirren der Französischen Revolution und der napoleonischen Kriege. „Provida solersque“ gilt als Geburtsurkunde des Erzbistums Freiburg. Freiburg wird Metropolitanbistum des ebenfalls neu geschaffenen Bistums Rottenburg sowie des wiedererrichteten Bistums Mainz. Zugleich löst Pius VII. das traditionsreiche mittelalterliche Bistum Konstanz vollständig auf.

Erste Seite einer Abschrift der Bulle Provida solersqueZweite Seite einer Abschrift der Bulle Provida solersqueDritte Seite einer Abschrift der Bulle Provida solersque

Die ersten drei Seiten einer Abschrift der Bulle „Provida solersque“ (Erzbischöfliches Archiv Freiburg, B1/2)

Aus sechs Bistümern entsteht eine Erzdiözese

Die neu geschaffene Erzdiözese Freiburg konnte auf reiche historische Wurzeln zurückgreifen. Ihr Gebiet setzte sich aus Teilen von sechs alten Bistümern zusammen. Der Süden stammte überwiegend aus dem aufgelösten Bistum Konstanz. Hinzu kamen rechtsrheinische Gebiete der Bistümer Straßburg und Speyer sowie des ebenfalls aufgelösten Bistums Worms. Im Norden flossen Teile des alten Erzbistums Mainz und des Bistums Würzburg ein.

Territorial entsprach die Erzdiözese größtenteils dem 1806 entstandenen Großherzogtum Baden. Hinzu kamen die Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen. Die Landesherren strebten nach einem Landesbistum und hofften, dadurch mehr Einfluss auf die katholische Kirche zu gewinnen, erläutert Dr. Christoph Schmider, Leiter der Diözesanstelle Archive, Bibliotheken und Schriftgutverwaltung.

Die Gläubigen vor Ort waren in diesen Prozess nicht eingebunden. Die Bulle wurde vor allem als Staatsvertrag wahrgenommen – als Endpunkt jahrelanger Verhandlungen zwischen den unter Napoleon neu geschaffenen deutschen Staaten und Rom.

Warum Freiburg Bischofssitz wurde

Dass Freiburg Sitz der neuen Erzdiözese werden sollte, stand zunächst keineswegs fest. Sicher war lediglich, dass Konstanz nicht infrage kam. Auch Bruchsal, die frühere Residenz des Speyerer Bischofs, und Rastatt wurden als mögliche Bischofssitze diskutiert.

„Das Münster galt schon damals als ‚bischofstauglich‘, auch wenn es ‚nur‘ eine Stadt- und Bürgerkirche war.“

Schließlich fiel die Wahl auf Freiburg – trotz der Lage weit im Süden der neuen Erzdiözese. Ausschlaggebend war unter anderem das gotische Münster. Außerdem lebte ein großer Teil der katholischen Bevölkerung des damaligen Großherzogtums Baden im Süden. Damit lag Freiburg im Zentrum des vorwiegend katholisch geprägten Landesteils.

Freiburger Münster

Von 1821 bis zum praktischen Start 1827

Im August 1821 waren die Grenzen der künftigen Erzdiözese festgelegt und Freiburg als Bischofssitz bestimmt. Ein Erzbischof war jedoch noch nicht ernannt. Für viele Menschen änderte sich zunächst wenig. Ihre wichtigsten kirchlichen Bezugspunkte blieben die Pfarreien; auch der Zuschnitt der Dekanate wurde von den Vorgängerbistümern übernommen.

Eine zentrale Herausforderung der ersten Jahre war die innere Integration. In Liturgie und kirchlicher Praxis gab es erhebliche Unterschiede zwischen den früheren Bistümern. Die Angleichungen verliefen weitgehend konfliktfrei. Erst 1839 erschien ein Freiburger Diözesangesangbuch; bis dahin verwendeten die Gemeinden weiterhin die Gesangbücher ihrer früheren Bistümer.

Der praktische Startschuss folgte 1827: Bernhard Boll wurde als erster Erzbischof feierlich in Freiburg inthronisiert. Mehrtägige Feiern mit Banketten, einer Opernaufführung, Festgottesdiensten, Prozessionen und stundenlangem Glockengeläut begleiteten das Ereignis. Bis heute gilt deshalb 1827 als das eigentliche Gründungsjahr der Erzdiözese Freiburg.

Dr. Christoph Schmider
Dr. Christoph Schmider, Leiter der Diözesanstelle Archive, Bibliotheken und Schriftgutverwaltung
Erzbischof Bernhard Boll
Freiburgs erster Erzbischof Bernhard Boll

Autor des ursprünglichen Beitrags: Dr. Marc Mudrak