Präventionsfachkräfte stellen sich vor

Nach und nach veröffentlicht die Koordinationsstelle Prävention gegen sexualisierte Gewalt im Newsletter die Vorstellung von Personen, die sich im Bereich der Prävention gegen sexualisierte Gewalt im Erzbistum Freiburg engagieren.
 

 
Seit dem 1. April vervollständige ich das Team der Präventionsfachkräfte und bin zuständig für die Kirchengemeinden Im Quellenland, Heilige Dreifaltigkeit Donaueschingen, Bodensee-Hegau, Konstanz und Linzgau-Bodensee.
Ich habe in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft studiert. Über mein ehrenamtliches Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit bin ich dann beruflich bei der Kolpingjugend in der Diözese Rottenburg-Stuttgart gelandet, wo ich die letzten Jahre als Bildungsreferentin tätig war. Das Thema Prävention hat mich im Verband immer wieder begleitet, ob in Schulungen, Einzelgesprächen oder in der Erstellung des Schutzkonzeptes.  
Ich habe immer wieder festgestellt, dass das Thema mit viel Unsicherheit und damit oft auch mit Skepsis verbunden ist. Ziel von Präventionsarbeit sollte sein, genau diese Unsicherheiten zu beseitigen, damit wir verantwortungsvoll damit umgehen können. Ich freue mich darauf, diese neue Aufgabe anzupacken und meine Erfahrungen aus der Verbandsarbeit wirken zu lassen.
Veröffentlicht im April 2026
  
Sarah Messmer
Präventionsfachkraft für die Kirchengemeinden Im Quellenland, Hl. Dreifaltigkeit Donaueschingen, Konstanz, Bodensee-Hegau und Linzgau-Bodensee
 

Lange Zeit haben mich und mein Bild der katholischen Kirche positive Erfahrungen aus der kirchlichen Jugendarbeit, dem Studium der katholischen Theologie und vielfältigen pastoralen Einsatzfeldern in der kirchlichen Jugend- und Gemeindearbeit geprägt. In diesem Bild entstanden durch persönlich grenzwertige Erfahrungen mit der Amtskirche Risse. Zerrissen ist mein Bild mit dem Bekanntwerden des sexuellen Missbrauchs innerhalb der katholischen Kirche. […]
„Zerrissen“ gibt auch wider, was mich bis heute mit Blick auf die katholische Kirche bewegt. Es gibt nach wie vor sehr gute kirchliche Jugend- und Gemeindearbeit. Getragen durch viele sehr engagierte hauptberufliche wie ehrenamtlich wirkende Menschen gibt es in den kirchlichen Einrichtungen viele Angebote, die gute Glaubens- und Gemeinschaftserfahrungen ermöglichen. Es gibt aber auch viele verletzte und betroffene Menschen. Sie mussten in kirchlichen Einrichtungen viel Leid erfahren. Sie mussten erleben, dass Ihnen nicht geglaubt und nicht geholfen wird. 
„Kirchliches Handeln ist unvereinbar mit jeder Form von Gewalt“ heißt es im allgemeinen Teil des Verhaltenskodex der Erzdiözese Freiburg. Dafür möchte ich aktiv Position beziehen (vgl. Allgemeiner Verhaltenskodex, 5.). Aus diesem Grund arbeite ich seit Anfang 2022 als eine von acht regionalen Präventionsfachkräften an der Koordinationsstelle Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Mein Zuständigkeitsbereich sind die vier Dekanate Breisach-Neuenburg, Endigen-Waldkirch, Freiburg und Lahr. 
Aktiv Position beziehen bedeutet manchmal auch, sich für Anforderungen stark zu machen, die in der Umsetzung sehr aufwändig und herausfordernd sind. Spätestens seit der Veröffentlichung der „Ordnung zur Ausführung der von der Deutschen Bischofskonferenz erlassenen Rahmenordnung – Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen“ (AROPräv) für die Erzdiözese Freiburg sind die Anforderungen Ende 2021 im Bereich der Präventionsarbeit deutlich gestiegen. Die Anpassung der Präventionsmaßnahmen gemäß der AROPräv kostet Verantwortliche und Engagierte in den kirchlichen Einrichtungen vor Ort viel Zeit, Kraft und Geduld. Nach der Entwicklung und Implementierung der Schutzkonzepte möchte ich daran mitwirken, den Fokus wieder stärker auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Fragen zum grenzachtenden Umgang sowie den weiteren Interventions- und Handlungsmöglichkeiten der Menschen vor Ort zu lenken.  
Die mit der AROPräv eingeführten bzw. konkretisierten Instrumente und Maßnahmen unterstützen beim Hinschauen. Sie ermöglichen die Ansprache von grenzverletzendem und übergriffigem Verhalten. Unterstützung kann hoffentlich schneller bei Betroffenen ankommen, indem regelmäßig Informationen zu Ansprechpersonen und Hilfsangeboten weitergegeben werden. All diese Präventionsmaßnahmen tragen letztlich dazu bei, aktiv werden zu können und Gewalt in kirchlichen Einrichtungen zukünftig zu vermeiden oder zumindest deutlich zu reduzieren. 
Die Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt wird für mich immer für diese Zerrissenheit stehen. Präventionsarbeit steht aber auch dafür, diese Zerrissenheit zu sehen, anzuerkennen und sich ihr zu stellen, damit wir - aus der Passivität heraus - aktiv werden und bleiben können!
Veröffentlicht im April 2024
  
Verena Scharnberg
Präventionsfachkraft für die Kirchengemeinden An der Elz und Freiburg im Breisgau
 

Ursprünglich stamme ich aus Villingen im Schwarzwald, das teils raue Klima und die Fasnet in der Zähringerstadt haben mich viele Jahre geprägt.
 
Kaum aus der Jugendarbeit entwachsen habe ich das Studium der Praktischen Theologie in der FH Freiburg begonnen, erst nach einer Weile bekam ich mit, dass dieses Studium zum Gemeindereferenten führt, das war nicht so geplant, hat mir aber viele Jahre abwechslungsreiches Berufsleben in Lörrach, Brigachtal, Meersburg und Waldbrunn im Odenwald beschert.
 
Schon vor dem großen Aufschrei des Missbrauchsskandals hat mich das Thema Prävention besucht. Durch das Jugendbüro wurden die ersten Schulungen angeboten was mich zunächst eher Verunsichert hat. Schnell habe ich jedoch bemerkt, wie die Präventionsarbeit den Umgang untereinander und mit sich selbst positiv beeinflussen. Wie hier gefördert wird einander mit größerer Achtsamkeit zu begegnen und dabei einen Schutzschirm für die anvertrauten Menschen aufzuspannen hat mich beeindruckt. Fortan hat mich dieses Thema nicht mehr losgelassen. Ich kann kaum zählen, wie oft ich aus verschiedenen Richtungen angefragt wurde ob ich als Präventionsfachkraft noch intensiver in die Präventionsarbeit einsteigen möchte. 2019 habe ich endlich zugesagt und diese Entscheidung kein einziges Mal bereut. Intensiver noch, als in der Gemeindearbeit kann ich Achtsamkeit im Umgang miteinander fördern und selbst von Betroffenen oder erziehenden Menschen lernen.
 
Spirituell bin ich durch die Mystagogen geprägt wie Rahner, Kleiser und Sokrates. Erfahrungen im Glauben zu machen und zu ermöglichen, Biblische Erzählungen in das Leben deuten und daraus Handlungen ableiten ist es, was mich bewegt und antreibt.
 
Für die Präventionsarbeit finde ich die Inspiration bei Matthäus (Mt. 18). Hier zeigt Jesus wie wichtig ihm Kinder sind, als schwächste der Gesellschaft nimmt er diese als Beispiel für wahre Größe und warnt zugleich jeden mit drastischen Worten keinem Kind etwas zu Leide zu tun. Dieser Umgang von Jesus mit Kindern ist es, der mich für meine Arbeit tief beeindruckt. Er spricht in einer Zeit, da Kinder nichts zu melden hatten, Missbrauch war in der Gesellschaft geduldet und die Schwachen hatten nichts zu melden. Gerade da wird er aktiv. Um so schlimmer ist es, wenn in seinem Namen Menschen klein gehalten werden oder gar übergriffiges Handeln geschieht.
 
Aus dem Süden des Bistums hat es mich letztlich in den Norden getrieben, hier in den Dekanaten Mosbach-Buchen und Tauberbischofsheim bin ich nun Präventionsfachkraft, unterstütze Kitas wie Kirchengemeinden bei der Erstellung der Schutzkonzepte, leite Schulungen und stehe für alle Fragen rund um das Thema Prävention zu Verfügung.
 
An dieser Stelle möchte ich auch meinen Dank an alle Menschen, die sich in ihren Gemeinden oder Kindertagesstätten wie auch Heim-Sonderschulen für das Thema Prävention gegen sexualisierte Gewalt engagieren; Ich arbeite gerne mit Euch und Ihnen zusammen und freue mich, wenn wir weiterhin so gemeinsam für den Schutz von anvertrauten Personen aktiv sein können.
Veröffentlicht im Dezember 2023
  
Gregor Kalla
Präventionsfachkraft für die Kirchengemeinden An Tauber und Main, Bauland-Odenwald, Lauda und St. Maria Mosbach-Neckarelz
 

Mit einem bayerischen rollenden „R“ im „GRÜß GOTT“ bin ich seit April 2020 als Präventionsfachkraft für die Erzdiözese Freiburg unterwegs. Gestartet mit 20 % Stellendeputat für die Dekanate Neustadt und Schwarzwald-Baar unterstütze ich aktuell mit 65 % auch die Präventionsarbeit in den Dekanaten Wiesental und Waldshut. Die meiste Zeit wird man mich jedoch im Homeoffice im schönen Hexental südlich von Freiburg antreffen. Dort bin ich auch gerne mit meiner Familie zusammen und im Garten, beim Lesen, in die Genealogie vertieft oder auf der Tanzfläche zu finden.
 
Beruflich begleitet mich das Thema Kinderschutz und sexualisierte Gewalt seit über 30 Jahren. Durch mein Erststudium der Sozialpädagogik sind mir in der stationären und offenen Jugendhilfe immer wieder betroffene Kinder, Jugendliche und Familien begegnet. Auch die Präventionsarbeit, v.a. mit Mädchen und jungen Frauen, lag mir besonders am Herzen. In dieser Zeit ankert meine bis heute fortgeführte ehrenamtliche Tätigkeit für von Missbrauch betroffene Menschen und v.a. deren Familien. Neben dem sehr direkten, personenbezogenen Blickwinkel auf Prävention und sexualisierte Gewalt sind mir auch immer wieder die systemischen und strukturellen Zusammenhänge aufgefallen. Was trägt dazu bei, was kann verhindern, dass Missbrauch passiert? Mein Aufbaustudium der Erwachsenenbildung mit Schwerpunkt Organisationsentwicklung und Projektmanagement, aber auch die Arbeit als Referentin für Kinder, Jugend und Familie beim Badischen Roten Kreuz mit Qualifizierung zur Kinderschutzfachkraft (IeF) haben mein Wissen in diesen Aspekten vertieft.
 
Bei meiner Tätigkeit in der Erzdiözese Freiburg möchte ich Unterstützerin sein für die Menschen, die Verantwortung tragen für den Schutz der anvertrauten Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen. Auch für diejenigen, die „vor Ort“ den grenzachtenden Umgang aufs Beste umsetzen, ihre Augen, Ohren und Arme offenhalten, bin ich da – mit meiner Expertise, mit Ideen und manchmal auch mit menschlicher Nähe. „Die Menschen dort abholen, wo sie stehen“ ist mir ein Anliegen, ebenso die Förderung der Vernetzung der Akteure untereinander und die Arbeit an konzeptionellen (und umsetzbaren) Grundlagen.
 
Ein Herzensbereich sind mir in den letzten Jahren die Kindertageseinrichtungen geworden. Kinderschutz und die Prävention gegen sexualisierte Gewalt sind dort intern unumgänglich, aber auch von außen können Vermutungen und Vorfälle sexualisierter, körperlicher, psychischer Gewalt und Vernachlässigung in die Einrichtung getragen werden. Da heißt es fachlich richtig und zugleich menschlich zugewandt zu agieren. Hierfür versuche ich die pädagogischen Fachkräfte zu qualifizieren und zu gewinnen, auch um damit die Kinder so früh wie möglich stark zu machen. Schulungen, Handlungsleitfäden, Verhaltenskodizes und Schutzkonzepte können hier unterstützen. Diese Arbeit braucht Engagement und Zeit! Und das ist sicherlich eine der größten Herausforderungen in der Präventionsarbeit. Das Thema mangelnder Ressourcen begegnet mir in den Kindergärten ebenso wie in den Kirchengemeinden. Es lässt sich nicht einfach alles „aus dem Ärmel schütteln“, die inhaltliche und organisatorische Umsetzung und Beschäftigung mit dem Thema ist zentral und unabdingbar. Damit die Prävention gegen sexualisierte Gewalt kein „aufgeblasener“ Verwaltungsakt bleibt, sondern grenzachtender Umgang zur inneren Haltung wird, braucht es die persönliche Auseinandersetzung, die Stärkung und den Mut, Dinge anzusprechen und zu verändern, wenn sie nicht in Ordnung sind.
 
Nicht in den kirchlichen Strukturen sozialisiert zu sein, nicht aus der Pastoral zu kommen, ist immer noch eine Herausforderung für mich und ich lerne hier stetig dazu. Die Vielzahl der Akteure und dass Entscheidungen nach meinem Wunsch-Empfinden manchmal nicht schnell genug vorankommen, weil die Hierarchien und Entscheidungswege eingehalten werden, gehört dazu. Dennoch möchte ich aktuell an keinem anderen Ort meine Arbeit lieber tun. Ich fühle mich am richtigen Platz! Immer wieder wertvoll unterstützt werde ich dabei vom bunten Team meiner tollen Kolleg*innen in der Koordinationsstelle Prävention gegen sexualisierte Gewalt und von Silke Wissert als Präventionsbeauftragte der Erzdiözese Freiburg. Zudem bin ich aus tiefer Überzeugung getragen von dem Gebot der Nächstenliebe, das Jesus mir mit auf den Weg gegeben hat und dem sicheren Glauben, dass ein „Himmelvater“ mit offenen Armen bereitsteht und seine schützende Hand über uns hält.
 
Den schweren Rucksack der Vergangenheit mit viel Leid für die Betroffenen können wir nicht ablegen, aber daraus eine Verantwortung ziehen für die weitere Arbeit, nach vorne schauen und weitergehen. Ein großer Dank geht an dieser Stelle abschließend an die hauptberuflich und vor allem auch ehrenamtlich Tätigen, die allzu oft mit persönlichem Einsatz die Präventionsarbeit vor Ort „übersetzen“, Maßnahmen erklären und aus tiefer Überzeugung umsetzen. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit.
Veröffentlicht im September 2023
  
Petra Guschker
Präventionsfachkraft für die Kirchengemeinden An der Wutach, Breisgau-Markgräflerland, Hochschwarzwald, Hochrhein-Südschwarzwald und Wiesental-Dreiländereck
 

 
Als Präventionsfachkraft an der Koordinationsstelle bin ich seit Januar 2022 für die Dekanate Baden-Baden, Karlsruhe, Pforzheim und Rastatt zuständig. Das Thema Prävention gegen sexualisierte Gewalt begleitet mich aber schon viel länger. Seit 2011 als Jugendreferentin und seit 2014 dann als regionalen Schwerpunkt im Jugendpastoralen Team Mittlerer Oberrhein – Pforzheim. Hier bin ich auch weiterhin Präventionsfachkraft und Ansprechperson.
 
Einer der Gründe, warum mir das Thema so wichtig ist, liegt schon einige Zeit zurück:
Als 2009/2010 das erste Mal viele Missbrauchsfälle bekannt wurden, habe ich mit der Mutter eines Betroffenen zusammengearbeitet. Ihr Kind wurde in den 90ern von einem kirchlichen Mitarbeiter missbraucht. Die Schilderungen ihrer Erfahrungen haben mich nachhaltig geprägt. Sie mussten sich mit den Dynamiken der Täter-Opfer-Umkehr auseinandersetzen, haben viele Anfeindungen ertragen müssen. Aber sie waren mutig, haben den Täter angezeigt und es kam sogar zur Verurteilung. Im Laufe des Verfahrens kam heraus: der Täter war vorher schon einmal verurteilt worden.
Als ich dann meine Stelle als Jugendreferentin bei der katholischen Kirche antrat, war mir wichtig, in meinem Einflussbereich alles dafür zu tun, dass solche Fälle nicht mehr möglich sind.
Eine weitere Grundlage für meinen Einsatz gegen sexualisierte Gewalt ist sicherlich auch der Leitsatz der kirchlichen Jugendarbeit: "Kirchliche Jugendarbeit fordert und fördert junge Menschen in der Begegnung mit sich selbst, mit anderen und mit Gott, ihre unverwechselbare Identität zu finden, um so fähig zu werden, als Christinnen und Christen in Kirche und Gesellschaft zu handeln." In den Grundlagen der Präventionsarbeit ist dieses Ziel etwas kürzer formuliert: Kirche soll ein sicherer Lern- und Lebensraum für alle sein, die sich kirchlichem Handeln anvertrauen. Es soll eine Kultur des achtsamen Miteinanders gelebt werden. Also nichts Anderes, als das für das wir als Christinnen und Christen sowieso schon stehen: Achte deinen Nächsten und dich selbst! Für mich bedeutet das, dass wir uns grundsätzlich wertschätzend, respektvoll und grenzachtend begegnen. Mit meiner Arbeit möchte ich darauf hinwirken.
 
Die größten Herausforderungen in der Präventionsarbeit sehe ich aktuell in den fehlenden zeitlichen und personellen Ressourcen, die es braucht, um Präventionsmaßnahmen vor Ort umsetzen zu können. Wie können wir als Institution Kirche kontrollieren und dokumentieren, dass wir ein möglichst hohes Maß an Sicherheit (z.B. durch die Einsichtnahme in erweiterte Führungszeugnisse) gewähren? Wie können wir möglichst flächendeckend für ein grenzachtendes Miteinander sensibilisieren, indem wir Schulen und den Verhaltenskodex für alle einführen und umsetzen? Wo sind in unserer Arbeit Faktoren, die Missbrauch begünstigen bzw. davor schützen? All dies anzugehen, zu implementieren und zur Selbstverständlichkeit werden zu lassen, ist ein großer Kraftakt.
 
Ich bin dankbar für die vielen engagierten Menschen im Erzbistum, die bereit sind, diesen Kraftakt zu meistern. Das gibt mir wiederum Kraft.
Durch die Umsetzung der Präventionsmaßnahmen (v.a. durch das Schulen und Informieren), erkennen immer mehr Menschen, dass Prävention bei der eigenen Person und mit grenzachtendem Verhalten beginnt. Handlungswege werden immer bekannter, sodass sich immer mehr Menschen trauen, um Hilfe zu bitten. Immer mehr Menschen nehmen Hilferufe ernst und treten aktiv gegen übergriffiges Verhalten ein.
 
Ich habe das Gefühl, dass wir uns gemeinsam in die richtige Richtung bewegen. Nicht alle sind schon gleich weit gegangen und das Ziel ist auch noch nicht erreicht, aber es geht definitiv vorwärts. Und das bestärkt mich in meiner Arbeit.
Veröffentlicht im März 2023
  
Katharina Albrecht
Präventionsfachkraft für die Abteilung Jugendpastoral sowie die Kirchengemeinden Baden-Baden, Murgtal, St. Martin Ettlingen und St. Alexander Rastatt
 

In der Präventionsarbeit sind all die Arbeitsweisen gefragt, die ich beruflich umsetzen möchte: Personen begleiten, Bildungskontexte gestalten sowie Organisationen entwickeln. Die unterschiedlichen Präventionsschulungen, Schutzkonzeptentwicklungsprozesse und die Beratung einzelner sind zentrale Aufgaben von mir als Präventionsfachkraft sowie als Berater nach sexualisierter Gewalt in kirchlichen Institutionen. Daneben gehöre ich dem internen Pool der Supervisoren, Coaches und Organisationsberatern an.
Ein Fachtag im Jahr 2008 mit Ursula Enders (Zartbitter Köln) und Verantwortlichen der Abteilung Jugendpastoral ist Ausgangspunkt meines Engagements im Themenbereich Prävention gegen sexualisierte Gewalt. Dass - statistisch gesehen - in der Zeit, in der ich bis dahin als Jugendreferent gewirkt hatte, in einem der Ferienlager ein heftiger Übergriff stattgefunden haben "müsste", rüttelte mich wach und die darauf folgenden ersten Schritte mit Leiterrunden und Gruppenleiterkursgruppen machten Mut das Thema ausführlicher zu besprechen. Immer wieder entdeckten die Beteiligten, dass sie tatsächlich aus Gewohnheit oder Ignoranz im Handeln nicht gewährleisteten, dass die Kinder, für die sie wirkten, sich wohl fühlen konnten.
In einer ersten Phase als Präventionsfachkraft wirkte ich mit 20% Tätigkeitsumfang für drei Dekanate, seit September 2021 nun mit 75% für fünf Dekanate und es bleibt eine große Herausforderung, mit begrenztem Zeitumfang das zu leisten, was ich da sehe. Es gibt Zeiten, in denen ich feststellen muss, dass meine Arbeitskraft verpufft, weil die Rahmenbedingungen auf höherer Ebene noch nicht geregelt oder nicht umsetzbar sind. Dann hilft es mir, mich daran zu erinnern, warum ich die Arbeit tun will: Ich möchte gemeinsam mit vielen Kirche so gestalten, dass sie entwicklungsfördernd erlebt wird und in der mein Glaube lebendig gelebt und weitergegeben werden kann. Ich bin so froh, darin viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu kennen.
 
Veröffentlicht im September 2022
  
Thomas Auer
Präventionsfachkraft für die Kirchengemeinden Heidelberg, Kraichgau, Mannheim, Mittlere Kurpfalz, Nordbadische Bergstraße und Wiesloch
 

Seit Januar 2020 arbeite ich als Präventionsfachkraft an der Koordinationsstelle Prävention gegen sexualisierte Gewalt, zunächst mit 25 % Stellenumfang für vier Dekanate und seit September 2021 mit 50% Stellenumfang für die Dekanate Acher-Renchtal und Offenburg-Kinzigtal. Ich lebe in Offenburg und arbeite von dort aus.
 
Geprägt bin ich durch die kirchliche Jugendverbandsarbeit, zunächst ehrenamtlich in der KjG, später nach meinem Studium der Sozialarbeit als Bildungsreferentin bei der Kath. Landjugendbewegung in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und an der KjG-Diözesanstelle in Freiburg. Das ist alles schon sehr lang her, aber mein Herz schlägt noch immer höher, wenn die Jugendverbände sich melden, beteiligen, laut werden….
 
Präventionsarbeit ist notwendig. Sie will erreichen, dass Kirche Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen einen sicheren Lern- und Lebensraum bietet. In den Schulungen, die ich mit kirchlichen Mitarbeitenden aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen durchführe, erlebe ich anfangs Zurückhaltung, auch Skepsis, die Frage, welche Notwendigkeit es für die einzelnen hat, sich mit den Fragen von Prävention auseinanderzusetzen. Bei diesen Schulungen werden alle einbezogen in der Suche nach Antworten auf die Frage, wie Kirche zu einem sicheren Ort werden kann, wo aktiv Stellung bezogen wird, wenn Grenzen überschritten werden, wo hingeschaut wird, wo die Rechte und die Würde jeder Person geachtet werden. Und oft weicht während der Schulungen die Skepsis dann der Erkenntnis, dass jede und jeder einzelne gefragt ist, wenn es um den Schutz der uns anvertrauten Personen geht, nicht nur in unserer Kirche.
 
Schon lange bin ich auch als Ehrenamtliche in verschiedenen Bereichen der Gemeindearbeit tätig und weiß, dass all die anstehenden Veränderungen im Rahmen der Kirchenentwicklung 2030 die Menschen beunruhigen und beschäftigen. Und nun soll auch noch die neue Rahmenordnung Prävention gegen sexualisierte Gewalt mit den in unserer Diözese erarbeiteten Ausführungsbestimmungen bearbeitet werden. Ist das nicht zu viel? Darin sehe ich die Herausforderung: die Verantwortlichen in den Räten und Teams zu überzeugen, dass Präventionsarbeit ein wesentlicher Beitrag im Kirchenentwicklungsprozess ist, der hilft, die Zukunft der Kirche zu gestalten hin zu einer Gemeinschaft, die die Kultur der Achtsamkeit lebt.
 
Im Glauben an den zugewandten Gott bin ich verwurzelt.  „Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben“, dieser biblische Satz drückt aus, was mich stärkt. Energie und Unterstützung gibt mir das von hoher Kollegialität geprägte Team der Präventionsfachkräfte, wofür ich sehr dankbar bin.   
 
Veröffentlicht im Mai 2022
  
Gabriele Schmitt-Zimper
Präventionsfachkraft für die Kirchengemeinden Acher-Renchtal, Kinzigtal, Mittlere Ortenau und Südliche Ortenau