Bad Säckingen: St. Fridolinsmünster
Geschichte
Das Fridolinsmünster ist mit seinen barocken Zwiebeltürmen ein hervorragendes, weithin sichtbares Baudenkmal in der Hochrheinlandschaft. Das heutige Bad Säckingen mit seinen 16.700 Einwohnern war bis zum Jahre 1830 auf einer Insel im Rhein gelegen. Sie war für den iro-schottischen Glaubensboten Fridolin das Ziel, das er im Traum erkannt hat, und hier errichtete Fridolin zu Ehren des heiligen Hilarius ein Kloster. Die genauen Lebensdaten des Heiligen oder die Gründung des Klosters konnten bisher nicht ermittelt werden. Von Fridolins Wirken wissen wir vom Mönch Balther, dem späteren Bischof von Speyer, der um das Jahr 970 die Lebensbeschreibung des Heiligen unter dem Titel "Vita Sancti Fridolini" verfasst hat.
Aus der Klostergründung entwickelte sich ein adeliges Damenstift. Die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahre 878 von Kaiser Karl III. ausgestellt, verleiht der Gemahlin des Kaisers Richardis das Kloster Säckingen und das Kloster Fraumünster in Zürich zum Eigennutz. Die Frauenabtei hatte umfangreiche Güter, die im Südosten von der Insel Ufenau im Zürchersee bis in die Talschaft Glarus reichten. Im Jahre 1307 wurde die Äbtissin Elisabeth von Bussnang in den Reichsfürstenstand erhoben. Bis zur Aufhebung des Stiftes im Jahre 1805 blieb dieser Status erhalten.
Das Damenstift hatte eine große geistig-religiöse Ausstrahlung, die weite Teile des alemannischen Raumes erfasste. Ein Beleg dafür sind die vielen Bildnisse des heiligen Fridolin. Die ganze Sorgfalt der adeligen Frauen galt seiner Verehrung, die in dem Bau eines mächtigen Gotteshauses auf der kleinen Insel gipfelte um sein Andenken würdig zu bewahren. Das Fest des Heiligen wird am 6. März gefeiert. Am Sonntag danach wird in einer Prozession der barocke Schrein durch die Straßen der Stadt getragen und dies seit dem Jahre 1347. Der Festtag des heiligen Fridolin mit Hochamt und Prozession ist bis in die heutige Zeit ein lebendiges Glaubenszeugnis.
Baugeschichte
Bedeutend von den früheren Kirchenbauten ist die Krypta aus dem 10./11. Jahrhundert. Auf der Südseite des Kirchenbaus wurden im Jahr 1973 romanische Bauteile gefunden, die in die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert werden. Ein Stadtbrand im Jahre 1272 vernichtete auch die Kirche, sodass aus dieser Zeit nahezu keine Angaben über Vorgängerbauten möglich sind. Berner Bauleute, die von Königsfelden nach Säckingen kamen, haben in der Zeit von 1343, dem Jahr der Grundsteinlegung, bis 1360, der Weihe des Gotteshauses, an dem jetzt noch in der Grundstruktur erhaltenen Werk gebaut. Der Merianstich von 1643 gibt ein authentisches Bild des Münsters aus der Zeit der Gotik wieder.
Beim äußeren Erscheinungsbild mit Blick auf den geosteten Hochchor und den schlanken, langen Chorfenstern wird der gotische Charakter des Bauwerks am deutlichsten sichtbar. Die gotischen Türme wurden mehrmals erhöht. Die barocken Zwiebeltürme wurden vom Vorarlberger Baumeister Johann Rueff und vom Zimmermeister Jakob Natter in der Zeit von 1725-1727 errichtet. Der durch viele Bauten (Altshausen, Mainau, Lindau) bekannte Deutschordensbaumeister Johann Caspar Bagnato hat die grandiose Portalgestaltung ausgeführt, die in der Zeit des Klassizismus verändert, aber im Jahr 1913 wieder hergestellt wurde. Bis zum Jahr 1678 blieb der gotische Bau erhalten. In Folge des Holländischen Krieges brandschatzen Franzosen die Stadt. Dabei brannte das gotische Gotteshaus aus. Nach 20jähriger provisorischer Sicherung wurde mit Michael Wiedemann aus Elchingen ein Baumeister verpflichtet, der die barocke Umgestaltung des Bauwerks einleitete. Bedeutender baulicher Aspekt sind die achteckigen Kapellen, die er an den langgestreckten Bau angefügt hat. Als Stuckateure wurden die Meister aus Wessobrunn gewonnen. Die Fresken malte der aus dem Tessin stammende Künstler Francesco Antonio Giorgioli. 1701 war die erste Barockisierung abgeschlossen.
Etwa 50 Jahre blieb die barocke Ausstattung erhalten. Aus Unachtsamkeit bei der Reparatur der Orgel entstand ein Brand, der das Langhaus zerstörte. Unter der Äbtissin Maria Josepha Regina von Liebenfels wurde sofort mit dem Wiederaufbau begonnen. Zwei Künstler, die zuvor in Zwiefalten hervorragend zusammengearbeitet hatten, konnten gewonnen werden: Johann Michael Feichtmayr, einer der genialsten Rokoko-Stukkateure, und als Maler Franz Joseph Spiegler. Beiden Künstlern verdanken wir die einzigartige Raumwirkung. Stuck und Malerei verschmelzen zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk.
Im Chor ist in einem Freskenzyklus Maria als Gnadenvermittlerin zu Christus
dargestellt. Das Langhaus und die Seitenschiffe geben das Leben und die Aufnahme des heiligen Fridolin in den Himmel wieder. Im Mittelschiff sind die Apostel abgebildet.
In den beiden Oktogonkapellen ist die Wessobrunner Stuckierung und die Malerei des Francesco Antonio Giorgioli aus der ersten Barockisierung erhalten geblieben und kann mit der Rokoko-Stuckierung des Johann Michael Feichtmayr und der Malerei des Franz Joseph Spiegler verglichen werden.
Hochaltar
Die ganze Höhe des einstmals gotischen Chors mit einem monumentalen Altar zu gestalten war eine große Herausforderung für Johann Michael Pfeiffer. Beim Betreten des Gotteshauses wird der Blick zu einem gelben Oval hingeführt, dass die Dreifaltigkeit symbolisiert. Das Hauptaltargemälde des Tessiner Künstlers Francesco Antonio Giorgioli zeigt Maria mit dem Kinde, die einer Schlange den Kopf zertritt. Der heilige Hilarius reicht dem heiligen Fridolin den Abtsstab, der heilige Andreas erscheint links davon. Flankiert wird das Hochaltarbild in der oberen Hälfte von den Aposteln Petrus und Paulus. Die klare Gliederung, der kontrastierende Wechsel von Malerei zur Plastik verleihen dem Werk eine eindrucksvolle Genialität.
Krypta
Die Krypta ist die älteste erhaltene Bausubstanz der in mehreren Epochen
veränderten Kirchenbauten. Sie wird nach neueren Forschungen in die Zeit des 10./11. Jahrhunderts datiert; als Winkelgangkrypta unter dem Chor gelegen, war sie früher von zwei Seiten zugänglich. In der Mittelachse erweitert sich der Gang zu einem Altarraum. Vermutlich war ein Steinsarg mit den Gebeinen des heiligen Fridolin zur Verehrung, dem Altar gegenüber, aufgestellt. Auch nach der Weihe des gotischen Gotteshauses 1360 wurde die Krypta als sakraler Raum genutzt.
Fridolinsschrein
Nachdem das Münster in herrlichem Glanz des Rokoko vollendet war, ging es darum zu Ehren des heiligen Fridolin einen angemessenen Reliquienschrein herstellen zu lassen. Die Goldschmiede-Werkstatt Rauner in Augsburg wurde mit dem Auftrag betraut. Der Entwurf stammt vermutlich von Johann Michael Feichtmayr, die künstlerische Ausführung lag in den Händen von Gottlieb Emanuel Oernster, der 1764 den Schrein vollendete. Durch einen unsachgemäßen Eingriff im Jahre 1941 wurde die dunkelrote Samtpyramide, die mit dem Haupt des heiligen Fridolin gekrönt war, entfernt und durch eine Kassette ersetzt, in der sich nun die Reliquien befinden. Die Kassette ist mit einem hellroten, gestickten Tuch bedeckt, auf dem eine zu große Krone liegt. Leider ist dieses herrliche Kunstwerk nicht in seiner ursprünglichen Gestaltung zu sehen.
Kanzel
Die Schreinerarbeiten der barocken Kanzel wurden von Joseph Morff ausgeführt.
Die Bildhauerarbeiten gestaltete der aus Rheinfelden stammende Künstler Johann Isaak Freitag. Die alttestamentliche Gestalt des starken Samson als kraftvoller Kanzelträger mit ausgebreiteten Armen den Kanzelkorb tragend gilt als die qualitätsvollste Plastik Freitags. Den Kanzelkorb zieren der heilige Johannes als erster Bußprediger und die vier Evangelisten mit dem auferstandenen Christus. Im Schalldeckel sind die vier abendländischen Kirchenväter mit dem Glaubensboten Fridolin dargestellt. Als Bekrönung des Schalldeckels bläst ein Engel zum letzten Gericht.
Orgel
Der Orgelprospekt stammt aus der Überlinger Werkstatt der Gebrüder Mezger aus dem Jahre 1933 und ist in Anlehnung einer früheren barocken Ausführung gestaltet worden. Freuen konnte sich die Münstergemeinde als nach langem Kampf um die Erneuerung im Jahr 1993 die Orgel geweiht wurde. Die Firma Klais aus Bonn hat das neue Orgelwerk ausgeführt, das über 3 Manuale mit 57 Registern verfügt und durch seine Optik einen harmonischen Abschluss des Mittelschiffs bildet.
Text: Karl Braun
Fotos: Karl Braun und Bild- und Filmstelle der Erzdiözese Freiburg
Kontakt:
Kath. Pfarramt St. Fridolin
Münsterplatz 8
79713 Bad Säckingen
Tel.: 07761 / 56819-0
Fax: 07761 / 56819-9
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Heiliger Fridolin von Säckingen
