800 Jahre Franz von Assisi

 
Der Todestag des Heiligen Franziskus jährt sich im Oktober zum 800. Mal, und der Mann aus Assisi ist noch immer hochaktuell. Sein Leben entfaltete eine Wirksamkeit, die in seinem Orden weiterlebt – auch in der Erzdiözese Freiburg. Darüber hinaus begeistert Franziskus unzählige Menschen, denen seine zentralen Anliegen ans Herz gewachsen sind: Bewahrung der Schöpfung, Frieden und soziale Gerechtigkeit.
 
Franziskus gilt als der große Friedensheilige, sein Sonnengesang als Hymne einer engen Verbundenheit mit der Natur. Zudem vermag sein eng am Evangelium ausgerichtetes Leben auch jene zu inspirieren, die Antwort suchen auf die großen Fragen des Daseins: Wie finde ich meinen Weg? Was bedeuten Krisen im Leben? Was tun, wenn das Leben oberflächlich und hohl erscheint? Was ist der Sinn? 
 

Franziskanisches Leben in der Erzdiözese - gestern und heute

  
Über das Verhältnis von Amt und Charisma in der Kirche – ein Impuls von Domkapitular Dr. Peter Kohl
Die Anfänge des franziskanischen Lebens in der Erzdiözese Freiburg
Weltweit tätiger Orden kehrt zum Generalkapitel ins Kloster Erlenbad zurück
 

Der Heilige Franz von Assisi

 
 
Giovanni (Johannes) Bernadone wurde um die Jahreswende 1181/82 im mittelitalienischen Assisi geboren. Sein Vater Pietro, ein reicher Tuchhändler, nannte ihn nach der Rückkehr von einer Reise nach Südfrankreich, der Heimat seiner Gattin Pica, Francesco (Französlein). Der Junge erlebte eine sorglose und fröhliche Kindheit und Jugend.
 
Als Sohn eines angesehenen Bürgers konnte er die Pfarrschule besuchen. Danach trat er ins väterliche Geschäft ein. Als 21-Jähriger beteiligte er sich hoch zu Ross an einem Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia. Er wollte sich als Kriegsheld beweisen und auf diesem Weg in den Stadtadel Assisis aufsteigen. Daraus wurde nichts.
 
  
Francesco geriet in Kriegsgefangenschaft und wurde erst nach einjährigen Verhandlungen und Zahlung einer hohen Geldsumme schwer krank freigelassen. Kaum genesen, wollte er auf einem Feldzug durch Süditalien noch einmal sein Glück versuchen, kehrte aber nach einem Traumerlebnis um und begann nach dem eigentlichen Sinn des Lebens zu suchen, den er in der Einsamkeit der Wälder bei Assisi zu finden hoffte.
 
Eines Tages traf er einen Aussätzigen. Einer spontanen Eingebung folgend, gab er ihm nicht nur ein Almosen, sondern überwand seinen Ekel und umarmte den in Lumpen gehüllten Bettler, wobei ihn ein nie erlebtes Glücksgefühl durchströmte. Francesco hatte seine Berufung gefunden: Er wollte künftig Buße tun für seinen Hochmut und sein Leben den Armen und Kranken widmen.
 
Als Francesco jedoch begann, das väterliche Vermögen zu verschleudern, um Bettler zu speisen und das verfallene Kirchlein San Damiano wieder aufzubauen – angeblich auf Geheiß von Jesus Christus –, zog der entsetzte Vater vor Gericht, um seinen offenbar verrückt gewordenen Filius formell enterben zu lassen. Doch Francesco verzichtete freiwillig auf sein Erbe, entledigte sich vor den Augen des Bischofs von Assisi seines prächtigen Gewandes, warf es dem Vater mit den Worten »Weder Geld noch Kleider will ich von dir. Von nun an nenne ich nur einen Vater, den im Himmel!« vor die Füße und verließ die Stadt.
  
Nach monatelangem Einsiedlerleben in selbstgewählter Armut in der Umgebung von Assisi und der eigenhändigen Wiederherstellung der Kapelle Santa Maria degli Angeli, die er »Portiuncula« nannte, mit erbetteltem Baumaterial, begann Francesco im Jahre 1208 – gekleidet in eine grobe, mit einem Strick gegürtete Kutte – nach dem Vorbild Jesu als Wanderprediger durch die Lande zu ziehen und Gutes zu tun.
 
Anfangs erntete er nur Hohn und Spott, doch faszinierte sein tiefer Ernst, seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung, vor allem seine praktizierte Nächstenliebe immer mehr Menschen. Schon bald schlossen sich ihm junge Männer aller Gesellschaftsschichten an, die von ihm beeindruckt waren und ebenso leben wollten wie er. Bereits 1209 war die Schar auf ein Dutzend angewachsen und wurde von Francesco paarweise ausgesandt, um Kranke zu pflegen und den Menschen Mittelitaliens die Buße zu predigen, die Erneuerung des eigenen Lebens und die Erneuerung der Gesellschaft.
 
Um beim Volk und beim Klerus nicht als vagabundierende Sektierer zu gelten, verfasste Francesco für das Zusammenleben der Gemeinschaft eine nur aus einigen Worten des Neuen Testaments bestehende Regel: Nach der Botschaft Jesu »Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen« (Matthäusevangelium 9, 21) verlangte er von seinen Gefährten in erster Linie, allem Besitz zu entsagen und Gutes zu tun.
  
Er reiste nach Rom, um von Papst Innozenz III. (1198–1216) die formelle Anerkennung für den »Ordo Fratrum Minorum« (»Orden der Minderen Brüder«/OFM) zu erwirken. Innozenz ließ sich davon überzeugen, dass die »Fratres Minores« (»Minderbrüder«, »Minoriten«) tatsächlich das lebten, was sie verkündigten, und gab seinen Segen zur Gründung des ersten Bettelordens der katholischen Kirche.
 
Die offizielle Billigung der »Minoriten « (später »Franziskaner«) durch den Papst verbreitete sich schnell. Überall, wo Francesco auftauchte, ließ man die Glocken läuten, und die Gemeinschaft, die ihn in demokratischer Wahl zu ihrem Leiter ernannt hatte, erhielt beträchtlichen Zulauf. Niederlassungen wurden gegründet, zunächst in Italien, bald auch jenseits der Alpen. Stammkloster wurde Portiuncula bei Assisi, wo sich fortan einmal im Jahr alle Ordensbrüder zum »Capitulum «, zur feierlichen Hauptversammlung, trafen.
  
Auch viele Frauen fühlten sich zur radikalen Lebensweise im Sinne des Evangeliums hingezogen. Im Frühjahr 1212 nahm Francesco, längst durch seine Reden und Gesänge als »Troubadour Gottes« weithin bekannt und verehrt, eine Adelige aus Assisi namens Klara Offreduccios (1191–1253) in den Orden auf. Ihre Schwestern Agnes und Beatrix, ihre verwitwete Mutter Hortulana und andere Frauen folgten später. Die Schwestergemeinschaft ließ sich schließlich bei der Kirche San Damiano nieder und gründete den weiblichen Ordenszweig der »Armen Frauen von Assisi« (Klarissinnen; auch Franziskanerinnen).
 
Francesco selbst wirkte weiterhin als wandernder Prediger. Ende 1212 gelangte er nach Dalmatien (heute Kroatien), in den folgenden beiden Jahren bis nach Südfrankreich und Spanien und im Rahmen des 5. Kreuzzugs 1219 sogar bis nach Ägypten und ins Heilige Land. Sein Versuch, den ägyptischen Sultan El-Kamil, einen Neffen Saladins, zu bekehren, schlug allerdings fehl.
 
1220 nach Italien zurückgekehrt, gab er die Ordensleitung an einen Mitbruder ab und zog sich in die Einsamkeit eines kleinen Klosters bei Arezzo in den Albaner Bergen zurück. Dort gründete er für die Männer und Frauen, die in ihrer Familie und ihrem Beruf bleiben, aber nach den Grundsätzen des Evangeliums leben wollten, den weltlichen »Dritten Orden« (Terzianer).
  
Am 17. September 1224 wurde Francesco (gemäß der Überlieferung) auf seine Bitte, am Leiden Jesu Anteil haben zu dürfen, nach 40-tägigem Fasten auf dem Monte Alverno stigmatisiert und trug fortan die fünf Wundmale Christi. (Die Stigmatisation wurde später von Papst Gregor IX. (1227-41) bezeugt und war die erste der Kirchengeschichte.)
 
Das entbehrungsreiche Leben beeinträchtigte zunehmend Francescos Gesundheit. 1225 begab er sich zur Behandlung nach Siena, vor allem, weil ihm der völlige Verlust seines Augenlichts drohte. Doch die Mediziner konnten kaum etwas für ihn tun. Im September 1226 ließ er sich nach Assisi zurückbringen, wo er nach einem mit seinen Gefährten gefeierten Abendmahl am 3. Oktober 1226 starb und bestattet wurde.
 
Francescos Heiligsprechung erfolgte bereits am 15. Juli 1228 durch Papst Gregor IX. (Fest: 4. Oktober), ebenso die Grundsteinlegung zur Basilika »San Francesco« über seinem Grab in Assisi, die mit ihren Wand- und Deckengemälden von Cimabue und Giotto zur Pilgerstätte für Gläubige aus der ganzen Welt wurde. Die Schriften des Franz von Assisi gelten heute als erste dichterische Gestaltung der italienischen Sprache (u. a. »Sonnengesang«).
 

Veranstaltungen zum Franziskusjahr und von franziskanischen Gemeinschaften

  
So. 30.08.2026
16.30-18.00 Uhr >>> Präsenz
Lindenberger Friedensgespräche
Unter den Linden bei der Kirche Maria Lindenberg, St. Peter
Mi. 16.09.2026 -
So. 20.09.2026
Mi. 16.09.2026, 18:00 - So. 20.09.2026, 13:00
„Gelobt seist DU, durch unsere Schwester Mutter Erde“ (Franz von Assisi)
Haus Maria Lindenberg
St. Peter im Schwarzwald
Fr. 25.09.2026 -
So. 27.09.2026
Fr. 25.09.2026, 18:00 - So. 27.09.2026, 14:00
Schöpfungsspiritualität mit Franz von Assisi
Hotel St. Elisabeth
Allensbach-Hegne
Mo. 30.11.2026
19.00 Uhr >>> Präsenz und Online
Was uns das „franziskanische Bethlehem“ heute sagen kann
Erzbischöfliches Priesterseminar / Collegium Borromaeum
Freiburg