Andris Feisal Khodeda schreibt über seine Ankunft in Freiburg und wie er andere Menschen bei der Ankunft in Freiburg unterstützt
Mein Name ist Andris Feisal Khodeda, ich bin 18 Jahre alt und lebe heute in Freiburg. Ich bin Jeside und komme ursprünglich aus Shingal im Irak.
Als Kind erlebte ich den Genozid an den Jesiden im Jahr 2014. Meine Familie und ich mussten unsere Heimat verlassen. Nach einer langen Flucht führte mein Weg schließlich nach Deutschland und nach Freiburg. Hier begann für mich ein völlig neues Leben.
Das Ankommen in Deutschland war nicht immer einfach. Ich musste eine neue Sprache lernen, mich in einem unbekannten Schulsystem zurechtfinden und meinen Platz in einer neuen Gesellschaft suchen. In meiner Schulzeit habe ich auch Ausgrenzung und schwierige Momente erlebt. Gleichzeitig begegnete ich Menschen, die mich unterstützt, an mich geglaubt und mir neue Möglichkeiten eröffnet haben.
Heute möchte ich meine Erfahrungen weitergeben. Ich besuche Schulen und spreche mit jungen Menschen über den Genozid an den Jesiden, Flucht und Migration, aber vor allem auch über Integration, Bildung, Hoffnung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mir ist wichtig, dass hinter Begriffen wie „Flüchtling“ oder „Migration“ wieder die einzelnen Menschen und ihre Geschichten gesehen werden.
Auch öffentlich durfte ich meine Geschichte bereits erzählen. Unter anderem wurde über mich und meinen Weg in der Badischen Zeitung berichtet. Außerdem war meine Geschichte bereits beim SWR Thema. Im Perspective Magazin wurde zudem ein mehrseitiger Auszug aus meinem Buchprojekt veröffentlicht.
Derzeit arbeite ich an meinem autobiografischen Buch „Wunderkind – Von Shingal nach Freiburg“. Darin erzähle ich ausführlicher von meiner Kindheit in Shingal, dem Verlust meiner Heimat, der Flucht und meinem Neuanfang in Deutschland – aber auch davon, was es bedeutet, sich ein neues Zuhause und eine neue Zukunft aufzubauen.
Meine Geschichte handelt von schweren Erfahrungen, aber ich möchte nicht, dass sie nur als Geschichte über Flucht und Leid verstanden wird. Für mich ist sie ebenso eine Geschichte darüber, was Integration möglich machen kann: Menschen, die zuhören, Chancen geben und jemanden nicht auf seine Herkunft reduzieren.
Heute ist Freiburg für mich ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Mit meinem Buch und meiner Arbeit an Schulen möchte ich etwas von dem weitergeben, was ich selbst erfahren habe: dass Begegnung Vorurteile verändern kann und dass Integration keine Einbahnstraße ist. Sie entsteht dort, wo Menschen bereit sind, aufeinander zuzugehen.
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wir einander nicht zuerst danach beurteilen, woher wir kommen, sondern danach fragen, wer der Mensch hinter seiner Geschichte ist.