Maria in der Erzdiözese Freiburg

14.08.2025 | Warum der 15. August im Südwesten ein ganz besonderer Tag ist

Freiburg. Nur wenige wissen, was die Spitze des Freiburger Münsterturms mit dem 15. August zu tun hat: Eine achtstrahlige Sonne verweist symbolisch auf Christus, das „Licht der Welt“. Daneben aber sitzt eine goldene Mondsichel – sie steht nicht für die Nacht, sondern ist Sinnbild der Gottesmutter Maria, die dieses Licht empfängt und widerspiegelt. Das Freiburger Münster ist nämlich Maria, „Unserer lieben Frau“, geweiht und verweist so auf die besondere Bedeutung der Gottesmutter für die Erzdiözese Freiburg.

Die lange Tradition des Hochfestes

Und diese bereitet sich jedes Jahr im August auf das Hochfest Mariä Himmelfahrt (15.8.) vor – einen Tag, an dem sich die lange, vielgestaltige Marienfrömmigkeit des Südwestens verdichtet. Mariä Himmelfahrt ist zugleich das älteste Marienfest der Kirche; es wird bereits seit Mitte des 5. Jahrhunderts schriftlich bezeugt und hat damit eine über 1500-jährige Tradition.

Volksbrauchtum und Kräuterweihe

Seit der Verkündigung des Dogmas von der leiblichen Aufnahme Marias in den Himmel durch Papst Pius XII. im Jahr 1950 ist dieser Termin weltkirchlich von hohem Rang; zugleich hat er im Badischen und an Hoch- und Oberrhein tief verwurzelte volkstümliche Ausprägungen. So werden im Schwarzwald und am Kaiserstuhl nach wie vor duftende „Kräuterbüschel“ gebunden und im Festgottesdienst gesegnet – ein Brauch, der sich urkundlich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und in Orten wie Ettenheim oder Gengenbach jährlich Tausende anzieht. Und natürlich wird dieser Brauch am 15. August auch im Freiburger Münster wieder zu erleben sein.

Vielfältige Wallfahrtsorte im Erzbistum

Räumlich spannt sich über das Erzbistum ein dichtes Netz von Marienwallfahrtsorten, das von den Höhen des Schwarzwalds bis an den Bodensee reicht. Der Lindenberg bei St. Peter etwa, dessen Wallfahrt 1497 begann und der bis heute von einer ununterbrochenen Männer-Gebetswache geprägt ist, bildet einen geistlichen Fixpunkt für viele Menschen in der Region rund um Freiburg.

Am südlichen Schwarzwaldrand liegt Maria Bronnen: Das 1975 gegründete Augustinerkloster feiert in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen und begrüßt zum Pontifikalamt Pilgergruppen aus der ganzen Region. Am Hochrhein erhebt sich die barocke Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt über Tiengen; ihre Geschichte reicht ins frühe Mittelalter zurück und macht sie zu einem sichtbaren Zeichen marianischer Stadtfrömmigkeit. 

Moderne Kunst trifft Marienverehrung

Ein ganz anderes, modernes Gesicht der Marienverehrung zeigt die Pfarrkirche „Maria, Hilfe der Christen“ im Dorf Goldscheuer bei Kehl: 2011 verwandelte ein Street-Art-Projekt das gesamte Kirchenschiff in eine begehbare Graffiti-Galerie, deren Blickfang eine monumentale „Madonna aus der Spraydose“ ist – ein Anziehungspunkt für Kunstfreunde wie Pilgerinnen und Pilger gleichermaßen.

 

 

Ausgewählte Festorte und ihre Besonderheiten

 
  • Todtmoos (Schwarzwald) – In der Wallfahrtskirche „Unserer Lieben Frau“ wird um 20 Uhr ein festlicher Gottesdienst mit Kräuterweihe gefeiert; anschließend zieht eine stimmungsvolle Lichterprozession um das Pauliner-Kloster.
  • Insel Reichenau (Bodensee) – Mariä Himmelfahrt ist einer der drei Inselfeiertage, an denen das öffentliche Leben ruht. Der Tag beginnt mit der Parade der historischen Bürgerwehr, gefolgt von einem Pontifikalamt im Münster St. Maria und Markus (in diesem Jahr mit Festzelebrant Erzbischof em. Ludwig Schick) und einer großen Prozession, begleitet von Bürgermusik und Trachtengruppe.
  • Umkirch (Breisgau) – Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, älteste Pfarrkirche des Breisgaus, begeht ihr Patrozinium mit einem festlichen Hochamt und Gemeindefest.
  • Tiengen (Hochrhein) - Die barocke Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt steht auf den Fundamenten eines frühmittelalterlichen Gotteshauses und prägt bis heute das Stadtbild. Der Festtag wird hier mit Chormusik, Bläserklängen und einer feierlichen Eucharistie begangen – ein Höhepunkt im Kirchenjahr der Gemeinde.
  • Kaiserstuhl & Umgebung - In vielen Pfarreien – etwa in Ettenheim, Riegel oder Vogtsburg – werden Kräuterbüschel gebunden und im Gottesdienst gesegnet. Der Brauch, der hier besonders liebevoll gepflegt wird, reicht bis ins 9. Jahrhundert zurück und wird oft schon am Vorabend mit geselligen Bindetreffen vorbereitet.
  • Gengenbach (Ortenau) – In der Stadtkirche findet eine große Kräuterbüschelweihe mit anschließender Prämierung vor dem Rathaus statt; die kunstvoll gebundenen Sträuße bleiben danach in der Kirche ausgestellt.
  • Zell am Harmersbach – Zur Wallfahrtskirche „Maria zu den Ketten“ pilgern am 15. August traditionell weit über 3000 Gläubige; die Kirche liegt am Kinzigtäler Jakobsweg und ist beliebtes Etappenziel für Wandernde.
  • Madonnenland (Hardheim-Höpfingen, Odenwald) – Nach dem Gottesdienst mit Kräuterweihe in der Kapelle am Schlempertshof klingt der Feiertag mit einem offenen Grillfest für die ganze Gemeinde aus.
  •  Leutershausen - Traditionsreich und festlich ist die Wallfahrt zur Schwarzen Madonna – seit über 250 Jahren pilgern am Mariä-Himmelfahrtstag zahlreiche Gläubige zur Wallfahrtskirche St. Johannes Baptist. Der Tag beginnt mit Beichte, Rosenkranzgebet, Wallfahrtsmesse und endet mit einem Festgottesdienst mit Kräutersegnung. In diesem Jahr steht Weihbischof Dr. Christian Würtz dieser besonderen Feier vor. Auch eine stimmungsvolle Lichterprozession durch den gräflichen Schlosspark ist wie jedes Jahr geplant.
 
 
Spirituelle Impulse und Jubiläumsablässe
Wie an allen Wallfahrtsorten in der Erzdiözese eröffnet sich an traditionsreichen Pilgerzielen wie Durmersheim-Bickesheim, Bodman-Frauenberg oder dem Wallfahrtsort zur schmerzhaften Muttergottes von Bad Rippoldsau während des Heiligen Jahres 2025 zudem die Möglichkeit, einen Jubiläumsablass zu empfangen.
 

Tradition und Gegenwart in der Liturgie

All diese Orte sind keine Inseln, sondern Ausdruck lebendiger Seelsorge. Fußwallfahrten, Rosenkranz-Nächte, Familientage und Jugendangebote verweben sich zu einem Jahreszyklus, der mit Lichtmess im Februar beginnt, über die Fatimatage des Sommers führt und im Advent mit dem Fest der Unbefleckten Empfängnis ausklingt. Gerade die Liturgie von Mariä Himmelfahrt verbindet dabei Tradition und Gegenwart: In sehr vielen Seelsorgeeinheiten werden Kräuter geweiht, während im Freiburger Münster ein festliches Pontifikalamt unter Leitung von Erzbischof Stephan Burger gefeiert und per Livestream übertragen wird.
 
 
Maria als Hoffnungsbild
Die Feiertage im Jahreskreis zeigen die große theologische und pastorale Bedeutung der „Gottesmutter“ Maria für die katholische Kirche. Sie wird als „Ersterlöste“ bezeichnet und nimmt – so das Dogma – bereits teil an der Auferstehungsgestalt Christi. Damit eröffnet sie den Gläubigen eine Perspektive der Hoffnung über Tod und Vergänglichkeit hinaus. Im Glauben der Kirche ist sie Urbild und Mutter des pilgernden Gottesvolkes; nach der Himmelfahrt ihres Sohnes begleitet sie die Anfänge der Kirche durch ihr Gebet und setzt diese Fürsprache bis heute fort. Jede Form der Marienverehrung verweist stets auf Christus, ermutigt zur Solidarität mit den Leidenden und bewegt Gläubige zu geistlichen wie caritativen Werken.
 
So steht das Erzbistum Freiburg an Mariä Himmelfahrt einmal mehr in einer lebendigen Tradition, die sich in Prozessionen, Gebetsnächten, Pilgerwegen und sozialem Engagement ausdrückt – und gleichzeitig in den theologischen Grundvollzügen der Kirche verankert ist. Wer sich am 15. August den Feiern anschließt, tritt damit in einen geistlichen Strom, der seit Jahrhunderten die Identität der Region prägt und auch heute zukunftsweisend bleibt.
 
(mh)