orthodoxe Ostkirchen 10. Januar, 27. Dezember
Patronat: Rom; Erzdiözese Wien und des Wiener Doms; der Pferde, Pferdeknechte, Kutscher, Steinmetze, Maurer, Zimmerleute, Weber, Schneider, Böttcher, Küfer; gegen Steinleiden, Seitenstechen, Kopfschmerzen, Besessenheit; Helfer für einen guten Tod
Stephanus war einer der sieben Diakone der christlichen Urgemeinde in Jerusalem, zuständig für Missionsarbeit, aber auch soziale Angelegenheiten. Seine Redekunst war herausragend, doch eine seiner Predigten erregte bei den hellenistischen Juden Anstoß, so dass man ihn vor den Hohen Rat zitierte (Apostelgeschichte 6, 8–15). Seine Verteidigungsrede, in der er seinen christlichen Glauben rechtfertigte und dessen universellen Anspruch propagierte (Apostelgeschichte 7, 2–53), ließ man ihn gar nicht erst zu Ende führen. Die Richter hielten sich die Ohren zu und verurteilten ihn als Gotteslästerer. Vor der Stadt, am Damaskustor, steinigte ihn die aufgebrachte Menge. Saulus von Tarsus, der spätere Apostel Paulus, war nach eigenem Bekunden Zeuge des Prozesses und der Hinrichtung und bewachte die Kleider der Ausführenden. Eine allgemeine Verfolgung der Christen – die erste belegte überhaupt – folgte auf diese Ereignisse.
Reliquien des Heiligen kamen über Konstantinopel 560 nach Rom in die Kirche San Lorenzo fuori le mura. Die linke Hand ist seit 1141 in der Klosterkirche der ehemaligen Benediktinerabtei Zwiefalten (bei Reutlingen). Am Ort der Hinrichtung wurden 1882 die Grundmauern der Kirche entdeckt, die Kaiserin Eudokia zwischen 455 und 460 für den Heiligen hatte errichten lassen.
Die Verehrung von Stephanus setzte früh ein und erreichte im Hochmittelalter über die Mittelmeerstaaten Zentraleuropa, wo z. B. der Wiener Stephansdom erbaut und der Sohn des Arpadenfürsten Géza auf den Namen des Heiligen getauft wurde (Stephan I. von Ungarn; Heiliger). In der ungarischen Version »István« ist er dort immer noch ein beliebter Vorname.
Stephanus ist Kanonheiliger, d.h. ein Heiliger der katholischen Kirche, dessen Name im Messkanon, dem Hochgebet, genannt wird.
Ein reiches Brauchtum um Stephanus ist heute überwiegend vergessen. Noch im 19. Jahrhundert wechselten an seinem Tag, dem 26. Dezember, die Dienstboten ihre Herren. An Arme wurde das »Stephansbrot« ausgeteilt, so an seine ursprüngliche Funktion in Jerusalem erinnernd. Rotwein wurde gesegnet, indem man einen kleinen Stein (Martyrium) in das Glas warf, danach wurden die Äcker damit besprengt, oder man trank ihn auf ausgelassenen Feiern. Vielerorts in Deutschland, Polen und den skandinavischen Ländern steht Stephan mit Pferdeweihungen oder -umzügen in Zusammenhang, was vielleicht auf eine Verwechslung mit dem Heiligen Stephan I. von Ungarn zurückgeht.
Darstellung: als jugendlicher Diakon
Attribute: Buch (Evangelien); Palmzweig, Steine (Martyrium)

Quelle: Herder-Verlag