Klosterbestände im EAF

18.06.2025 |

Ende April war Freiburg der Ausrichtungsort für die 27. Jahrestagung der AGOA, der Arbeitsgemeinschaft der Ordensarchive. Das EAF hat sich einerseits in Form eines Vortrags und andererseits mit Führungen an dieser Zusammenkunft beteiligt. Das Treffen bot einen Anlass, um einen näheren Blick in die Bestände zu Klöstern im EAF sowie in Archivalien klösterlicher Provenienz  zu werfen.

Das Schriftgut aus Ordenshäusern und exemten Klöstern wird nicht systematisch an das EAF gegeben – im Gegenteil. Es kommt in der Regel zu ihren jeweiligen Zentralarchiven. Dennoch hat die ein oder andere spannende Überlieferung ihren Weg nach Freiburg gefunden. Ein paar Ablieferungen warten noch auf ihre Erschließung und Verzeichnung.
Der umfangreichste Bestand stammt vom 2001 aufgelösten Kloster der Frauen zum Heiligen Grab in Baden-Baden (1670-2001). Er hat das Kürzel O1 als Signatur erhalten und umfasst  547 Verzeichnungseinheiten. Eine Nutzung ist möglich, jedoch sind einige Archivalien wegen der Schutzfrist von 40 Jahren noch nicht freigegeben; bei persönlichem Schriftgut können die Fristen länger sein.  Allerdings besteht die Möglichkeit, eine Verkürzung der Fristen zu beantragen, etwa bei Vorliegen eines wissenschaftlichen Forschungsinteresses.
Zum Klosterbestand O1
Ausschnitt aus der Verzeichnung von O1.
 
Die meisten Archivalien betreffen die religiöse Gemeinschaft und geben Auskunft über ihren Gebäude- sowie Besitzkomplex. Erwartungsgemäß finden sich Listen der Klostermitglieder, einige Rechnungsbücher oder auch Pläne zur Erweiterung der Baulichkeiten im Bestand. Zu nennen wären außerdem Akten zum Pensionat und zur Schule, die interessanten Veränderungen unterlag (Mädchenvolksschule, am Ende des 19. Jahrhunderts zeitweise Verbindung zur Gemeindeschule, Schließung in der NS-Zeit, Wiedereröffnung 1945 usw.).
 
Datenbanktreffer zu Chroniken im Bestand O1.
Im Bereich der chronikalischen Überlieferung hält der Bestand einige Zeitzeugnisse bereit. Anhand der Klosterchroniken lässt sich nicht nur rekonstruieren, wer im Kloster lebte und was sich dort ereignete, sondern sie stellen darüber hinaus authentische Quellen für das Kriegsgeschehen im 20. Jahrhundert dar. Es mag auf den ersten Blick ungewöhnlich scheinen, in einem Klosterbestand zu suchen, wenn man sich für die lokalen Auswirkungen der Weltkriege interessiert – die Frauen zum Heiligen Grab wussten jedoch Einiges zu berichten und geben eine Perspektive wieder, die nicht bereits in aller Ausführlichkeit in der Forschungsliteratur beleuchtet worden ist.
 
Aus: EAF, O1-472.
Aktenüberlieferung
Eine überschaubare Anzahl von Akten zu Klöstern ist im Erzbischöflichen Ordinariat entstanden oder, vor Errichtung des Erzbistums Freiburg, in den Vorgängerbistümern. Unsere Beständeübersicht ermöglicht es derzeit, in den Beständen der Alten Bistümer zu recherchieren. Unter Konstanz (A4), Speyer (A34) und Augsburg (A74) gibt es eigene Unterbestände zu den Klostergemeinschaften.
Nach Gründung des Erzbistums Freiburg wurden die Unterlagen zu Klöstern im Unterbestand B5 (Specialia Klöster) und seinem Nachfolgebestand B5-1945 abgelegt. 
In einem Unterbestand der Finanzkammer (B23) gibt es noch aufschlussreiche Unterlagen, die vorwiegend Einblicke in das 18. und 19. Jahrhundert geben. Teils erhellen sie die finanzielle Situation der religiösen Gemeinschaften um den Zeitraum ihrer Aufhebung. In Kürze wird dazu ein Repertorium auf der Homepage vorliegen.
Handschriften
Bei bibliophilen und kodikologisch Interessierten dürften die Klosterhandschriften im EAF eher Begeisterung auslösen. In Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Freiburg konnten einige Exemplare digitalisiert werden und stehen nun online zur Verfügung. Hier gelangen Sie zur Übersicht, inklusive Links zu den Digitalisaten bei der UB Freiburg. Der Bestand HS bietet etwa Psalter aus dem 14. Jahrhundert, Gebets- und Stundenbücher sowie Obsequiale. Darüber hinaus zählen noch ein paar nicht digitalisierte Handschriftenfragmente und historische Einbände hinzu. 
Urkunden
Zu vielen Klostergemeinschaften, insbesondere des vormaligen Bistums Konstanz, sind vormoderne Urkunden erhalten. Dank Fördermittel wurden einige Quellenzeugnisse digitalisiert. Auf der Rechercheplattform Monasterium.net können sie eingesehen werden. Im EAF befinden sich noch Urkunden aus den Klöstern der Augustiner-Eremiten in Freiburg (Bestand U1) und Breisach (U2), weiterhin aus dem Kollegiatsstift Baden-Baden (U3) und dem Kloster Neuburg (UN).
Aus den Sammlungen
Von den Unterbeständen der Sammlungen dürften die Bildmaterialien im Foto- sowie im Glasplattenbestand von großem Interesse sein. Darin gibt es (meist schwarz/weiß) Abbildungen von Klosterkirchen und -gebäuden, genauso Detailaufnahmen von Deckenmalereien, Kapellen, Altären oder Statuen. Die Bildquellen sind von einem besonderen historischen Wert, denn in vielen Fällen zeigen sie den Zustand vor einer Kriegszerstörung, einer Umbau- oder Restaurierungsmaßnahme, an deren Anschluss das ‚Objekt‘ eine signifikante Veränderung erfuhr.
Es ist wohl der Anweisung vom 23. November 1934 zur Einrichtung eines Lichtbilderarchivs zu verdanken, dass dieses umfangreiche Bildmaterial angefertigt worden ist. Im entsprechenden Amtsblatt der Erzdiözese ist nachzulesen: „Wir beabsichtigen im Ordinariatsgebäude ein Lichtbilderarchiv einzurichten, das die Lichtbilder aller Kirchen und Kapellen der Erzdiözese und außerdem die wertvollsten Stücke der Malerei, Bildhauerkunst und des kirchlichen Kunstgewerbes, und zwar auch solche der neueren Zeit, umfassen soll.“ 
 
Insgesamt gibt es im EAF vergleichsweise wenige Bestände klösterlicher Provenienz. Dafür liegen umso mehr Archivalien zu religiösen Gemeinschaften vor, die sich auf unterschiedliche Bestände verteilen. Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich mit der Recherche zu befassen, eine Anfrage an das EAF zu schicken und, bestenfalls, viele Erkenntnisse aus den klösterlichen Quellen zu gewinnen.
 
 
Sarah Mammola