Vitrinen im EAF

14.08.2024 |

Eine Vitrine im Archiv ist einem Schaufenster nicht ganz unähnlich: man kann das Ausgestellte über längere Zeit betrachten, es wird Interesse geweckt und grundlegende Informationen werden in Kurzform wiedergegeben. Ein gewichtiger Unterschied ist aber: um die Vitrine in Augenschein zu nehmen, muss man das Archiv bereits betreten haben. Dass sich das beim EAF auf jeden Fall lohnt und welche Arbeit hinter den Glaskästen steckt, erfahren Sie in den nächsten Abschnitten.

Im Eingangsbereich des Erzbischöflichen Archivs sind historische Objekte und Dokumente (in Kopie) ausgestellt sowie ein Miniaturmodell des Gebäudes und Zeitungsausschnitte anlässlich seiner Eröffnung im Jahre 2002. Mit dem Foyer betreten die Besucherinnen und Besucher einen hohen Raum, der fünf weitere Vitrinen zu unterschiedlichen Themen bereithält. Zwei von ihnen befinden sich noch im Umbau und sollen künftig die Themen Kirchenbücher und Ahnenforschung ausführlich darstellen.

Im ersten Kasten liegt die typische Schreibtischausstattung des Archivpersonals aus: man sieht Gegenstände wie einen Aktenstichel, einen Spatel zum Entmetallisieren und diverses Verpackungsmaterial – all das ist für viele sicherlich ein ungewohnter oder kurioser Anblick. Zur Bearbeitung der abgegebenen Unterlagen gehört es, sie von Plastik (Hüllen, Mappen), jeglichem Metall (Heft- und Büroklammern) und Schmutz zu befreien. Anschließend werden sie in alterungsbeständiges Material umverpackt, in einer Datenbank inhaltlich erfasst und verzeichnet. Diese Arbeit braucht Zeit und ist die Voraussetzung dafür, dass Archivalien den Benutzerinnen und Benutzer zugänglich gemacht werden können.
 
Die benachbarte Vitrine veranschaulicht, dass in Archiven nicht nur Papierunterlagen ein Zuhause finden, sondern auch eine Vielzahl anderer analoger und digitaler Datenträger. Als Objekte sind hier zu sehen: Audiokassetten, Disketten, USB Sticks, CD-Rom, Glasplatten und Dias. Die Reihe führt vor Augen, wie rasant sich moderne Informationsträger ablösen, ergänzen oder als zeitgenössische Reproduktion dienen können. Viele Schwierigkeiten lassen sich damit ansprechen, darunter ganz grundsätzlich, dass besonders elektronische Medienträger sehr kurzlebig sind und auf ihnen gespeicherte Daten verloren gehen können – meist, weil der Datenträger selbst beschädigt ist, oder aber weil es keine Geräte mehr gibt, mit denen sich die Informationen extrahieren lassen. Wenn schon moderne Laptops inzwischen ohne USB-Port auskommen, kann man sich vielleicht vorstellen, wie schwierig es ist, eine Diskette auszulesen.
Für Archive gilt: wenn der Inhalt des Datenträgers als archivwürdig bewertet wurde, müssen diese Inhalte dauerhaft konserviert werden und einsehbar sein. Diese Herausforderung gehört, neben vielen weiteren, zum Aufgabenfeld der digitalen Langzeitarchivierung. Man kann hier von einem Wettlauf gegen die Zeit – oder besser: gegen den Datenverlust – sprechen.
 
Vitrine zur Bestandserhaltung: Verpackung, Schädlingsmonitoring und potenzielle Gefahren für das Archivgut
 
Die auf dem Foto abgebildete Vitrine beschäftigt sich eingehend mit Maßnahmen der Bestandserhaltung. Neben den bereits angesprochenen Umverpackungen werden andere potenzielle Gefahren für das Archivgut sowie das Thema Klima- und Schädlingsmonitoring dargestellt. Damit Archivalien jeglicher Art in Jahrhunderten noch nutzbar sind, muss auch ihr dauerhafter Lagerungsort (Magazin) bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu zählt unter anderem, dass der Raum konstant trocken, frei von Schädlingen, nicht zu warm oder kalt sein sollte. Auf Brand- und Havarieschutz ist außerdem zu achten, etwa indem möglichst wenige Strom- und Wasserleitungen durch das Magazin führen. Im EAF werden Temperatur und Luftfeuchtigkeitswerte regelmäßig an Messstationen abgelesen. Anhand von Klebefallen lässt sich herausfinden, ob Schädlinge im Haus sind. Bei Auffälligkeiten muss gehandelt werden, denn sonst droht schlimmstenfalls der Verlust von Kulturgut.
 
Wie viel Arbeit steckt hinter einer Vitrine?
Der Aufwand ist durchaus beachtlich, variiert aber je nach Konzept, Vorwissen und Gestaltung – und sicherlich auch je nach persönlichem Anspruch und Zeitfenster. In der Planungsphase wird das Thema der Vitrine abgesteckt; es werden konkrete Inhalte festgelegt und passende Objekte gesucht. Dahinter kann ein Gesamtkonzept für die Vitrinen stehen, eine Auswahl nach persönlichem Interesse, Aktualitätsbezug (z. B. Jubiläum) oder ein Sammlungsschwerpunkt des Archivs. 
In der Recherche- und Redaktionsphase geht es darum, das inhaltliche Material für die Texte zu sammeln und genauer auszuarbeiten, welches Wissen und Informationen an die Besucherinnen und Besucher vermittelt werden sollen. Die Erklärtexte bringen einem breiten Publikum dann am meisten, wenn sie kurz und sprachlich einfach gehalten sind. Fachbegriffe können in Klammern oder Infoboxen ausgelagert werden. Da die Objekte und ihr thematischer Bezug nicht unbedingt selbsterklärend sind, sollte ihnen eine Beschriftung beigefügt werden. Es kann durchaus vorkommen, dass ein angedachter Gegenstand verworfen werden muss, weil der Zusammenhang zum Thema zu lange Erklärungen oder Vorwissen erfordern würde. Meistens hat man ohnehin zu viel vorbereitet und kann kurzfristig nachbessern.
In der Umsetzungsphase werden die Texte in ein ansprechendes Layout überführt - realistischerweise aber erst nach mehrmaligem Umformulieren und Ausdrucken. Für die Gestaltung der Vitrine kann man kreativ mit unterschiedlichen Materialien arbeiten, Farben einbinden, den Boden auskleiden, die Seitenwände einbeziehen usw. Schließlich werden die fertigen Texte und Objekte so lange an- und umgeordnet bis sich ein zufriedenstellendes Ergebnis darbietet.
 
Lohnt sich die Arbeit?
Aus unserer Sicht schon. Vitrinen sind multifunktional einsetzbar: sie können einen Warte- oder Durchgangsbereich repräsentativer gestalten, über ausgewählte Tätigkeiten und Aufgabenbereiche im Archiv informieren oder auch ganz konkret bei Führungen als Hilfsmittel zur Veranschaulichung von archivischen Themen eingesetzt werden. 
Wir geben uns bei der Konzeption und Umsetzung sehr viel Mühe, denn ist es uns wichtig, den Nutzerinnen und Nutzern Einblick in verschiedene Facetten unserer Arbeit zu gewähren. Im besten Fall können wir nachvollziehbar machen, dass es das Fachpersonal und seine Expertise in Archiven braucht, um das Kulturgut dauerhaft zu erhalten und allen Interessierten den Zugang zu einmaligem Quellenmaterial zu gewähren
Wem der Weg ins EAF zu weit ist, darf sich weiterhin über den Archivblog mit Neuigkeiten versorgen.
 
Anna Zimmermann
und Sarah Mammola