Archivnutzungsordnung - Der Soundtrack

17.04.2024 | Erfahrungen mit Künstlicher Intelligenz im Archiv - Teil 2

Künstliche Intelligenz (KI) und spezieller generative KI dringt in immer mehr Bereiche vor, die eigentlich ein hohes Maß an Kreativität erfordern. Entsprechend gibt es gerade einen breiten gesellschaftlichen Diskurs zum Verhältnis von KI und Kunst.

Illustration eines Roboters der Geige spielt.
So wandten sich kürzlich erst 200 Musiker:innen in einem offenen Brief an die großen Techunternehmen und forderten einen verantwortungsvolleren Umgang im Einsatz von KI in der Musikbranche, speziell auch im Bereich Training und finanzieller Beteiligung bei der Nutzung von Daten. Auch gibt es eine Reihe von Sammelklagen, gegen OpenAI wegen möglicher Copyrightverletzungen, etwa im Bereich Literatur oder Printmedien. Allem voran steht die Frage, wie das zukünftige Verhältnis von Kreativbranche und technischen Entwicklungen aussehen wird. Wenn man den Blick etwas weitet, reiht sich dies in die Frage ein, was der Mensch generell im Verhältnis zu Maschinen sein kann und will - gerade, wenn genuin menschliche Tätigkeiten und Bereiche wie (kreatives) Schreiben, Musizieren oder Malerei mittlerweile immer stärker durch Algorithmen in Frage gestellt werden.
 
Doch was hat das eigentlich mit Archiven zu tun? Natürlich kann man hier argumentieren, dass Archivar:innen ja eher nicht dafür eingestellt werden, dass sie "kreativ" bei ihrer Arbeit sind oder sein sollen (Stichwort: kreative Aktenführung und kreative Magazinraumgestaltung). Jedoch gibt es viele Aspekte der modernen Archivarbeit, wie etwa Öffentlichkeitsarbeit, Gestaltung von Vorträgen oder Wissensvermittlung und Bildungsarbeit, bei denen kreative Umsetzungsstrategien die Ergebnisse massiv verbessern können. 
 
Gleichzeitig finden derartige disruptive Prozesse wie Digitalisierung, digitale Transformation und 'KI-sierung' natürlich in Zukunft auch ihren Spiegel in Archiven. Nicht zuletzt, weil zukünftig zu erwarten ist, dass mehr und mehr immaterielle Stücke ihren Weg in Archive finden werden und dass auch zunehmend (vollständig oder in Teilen) "künstlich" generiertes Material Eingang in Überlieferungen haben wird. Archive werden sich spätestens dann die Frage stellen müssen, ob derartiges Material archivwürdig ist, in das dokumentarische Sammlungsprofil hineinpasst oder worin ein historischer, kultureller oder gesellschaftlicher Beweiswert von genuin KI-erzeugten Stücken liegen kann. 
 
Ein weiterer Aspekt ist der zunehmende Einsatz von KI oder Machine Learning für Aufgaben wie Entscheidungsfindung, Kategorisierung oder Klassifikation. Diese werden ebenfalls vermehrt in Verwaltungen (z. B. automatisiertes Sortieren von Anfragen, Ordnen von unstrukturierten Datenmengen, Q&A-Systeme, ...) eingesetzt und wären (etwa zur späteren Nachvollziehbarkeit von Entscheidungsfindungen) im strengen Sinne ebenfalls relevant zu archivieren.  
 
Illustration eines möglichen Musikalbum Covers.
Ein mögliches KI generiertes Albumcover für die musikalische Version der Benutzungsordnung.
 
Um dieser Diskussion in ihrer Breite ein praktisches Element hinzuzufügen, bietet das Erzbischöfliche Archiv eine inoffizielle musikalische Version der aktuell geltenden Benutzungsordnung in 15 verschiedenen Musikstilen. Dies soll vor allem zu Anschauungszwecken dienen, die aktuelle Leistungsfähigkeit von derzeitigen generativen KI zeigen und damit auch den Blick schärfen, um welche Form und Inhalte es sich (später) möglicherweise handeln kann. Alle Musikstile wurden von einer künstlichen Intelligenz kreiert. Als Textvorlage diente die Benutzungsordnung des Erzbischöflichen Archivs Freiburg.
 
Nun bleibt nur noch die Frage: Ist diese nun archivwürdig oder archivwürdiger als die gedruckte Version?
 
Tony Franzky
 
 

Teil 1 (Vorwort bis § 3 Nutzungsform) 
Gangsterrap, Country, Happy Hardcore, College Rock, Schlager

Quelle: EAF / KI generiert

Teil 2 (§ 4 Nutzungsbedingungen)
Motown, RnB, Reggae, Klassik

Quelle: EAF / KI generiert

Teil 3 (§ 5 Reproduktionen und Veröffentlichungen bis §8 Inkrafttreten, Außerkrafttreten)
Disco, HeavyMetal 80s, Jazz, Melodic Dance Electro, Bavarian Traditional, Französischer Chanson 

Quelle: EAF / KI generiert

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