FAMILIENBUND WARNT VOR DOMINOEFFEKT

29.07.2026 |

Der Familienbund der Katholiken kritisiert, dass die geplante Wohngeldreform Familien mit niedrigen Einkommen empfindlich treffen könnte. Nach Angaben der Bundesregierung soll rund ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte aus dem Wohngeldbezug fallen.

Berlin, 29. Juli 2026. „Einkommensschwachen Familien droht ein fataler Dominoeffekt: Bei Familien, die ihren Bedarf nur unter Einbeziehung des Wohngeldes und des Kinderzuschlags decken können, kann der Wegfall des Wohngeldes auch den Anspruch auf Kinderzuschlag gefährden“, erklärt Ulrich Hoffmann. „Insbesondere Familien mit mehreren Kindern könnten dadurch mehrere hundert Euro im Monat verlieren und auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen sein. Unter den derzeit geplanten Leistungskürzungen wiegt dieser Einschnitt für Familien mit kleinen Einkommen besonders schwer.“
 
Das Bundeskabinett hat diesen Monat einen Gesetzentwurf beschlossen, der die Berechnungsformel des Wohngeldes zuungunsten der Leistungsberechtigten ändert, die Heizkostenkomponente halbiert und die zum   1. Januar 2027 vorgesehene Erhöhung einmalig aussetzt. Damit sollen die jährlichen Wohngeldausgaben von rund 5 Milliarden Euro auf etwa 3 Milliarden Euro sinken.
 
Ulrich Hoffmann erklärt: „Die Kürzung sendet ein verheerendes Signal an Familien, die trotz Erwerbstätigkeit nur knapp oberhalb der Grundsicherungsschwelle leben. Eine Regierung, die Erwerbsarbeit belohnen will, müsste gerade diese Familien besonders im Blick haben. Es ist eine Fehlentwicklung, dass Erwerbstätigkeit im unteren Einkommensbereich häufig nur mithilfe ergänzender Sozialleistungen vor Armut schützt. Wohngeld und Kinderzuschlag haben deshalb eine zentrale Funktion: Sie tragen dazu bei, dass erwerbstätige Familien finanziell besser dastehen als im Grundsicherungsbezug. Wird dieser Abstand immer kleiner, werden zentrale Gerechtigkeitsmaßstäbe verletzt und das Vertrauen in den Sozialstaat geschwächt.“
 
Der Familienbund fordert, das Wohngeld als Brücke aus der Grundsicherung in die wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken. Die geplanten Kürzungen sind zurückzunehmen. Stattdessen sollten die mit der Sozialstaatsreform verfolgten Ziele der Vereinfachung, Digitalisierung und besseren Abstimmung von Wohngeld und Kinderzuschlag konsequent umgesetzt werden. Dabei muss sichergestellt werden, dass sich Erwerbsarbeit finanziell lohnt und Familien durch die Reform nicht strukturell schlechtergestellt werden.
 
Das Wohngeld ist ein zentraler Baustein zur Sicherung bezahlbaren Wohnraums für Familien. Es unterstützt Haushalte mit niedrigen Einkommen unmittelbar und zielgenau bei ihren Wohnkosten. Zwar kann es die strukturellen Ursachen der Wohnungskrise nicht lösen. Neuer bezahlbarer Wohnraum steht jedoch nicht kurzfristig zur Verfügung, und die politischen Wohnungsbauziele werden seit Jahren verfehlt. In vielen angespannten Wohnungsmärkten ist daher auf absehbare Zeit nicht mit einer deutlichen Entlastung bei den Mieten zu rechnen.
 
Ulrich Hoffmann abschließend: „Wenn Wohnen die neue soziale Frage ist, dann ist ein gestärktes und reformiertes Wohngeld eine notwendige Antwort des Sozialstaats.“
 
 
 
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