Zwischen Klettersteig und Apfelmus

Bergexerzitien auf dem 5-Hütten-Panoramaweg in den Urner Alpen

Wer neue Aussichten gewinnen möchte, muss manchmal den ersten Schritt aus der Komfortzone wagen. In den Bergen wurde dieser Gedanke ganz konkret: Auf ausgesetzten Wegen, am Klettersteig, auf der Salbitbrücke und in den vielen kleinen Herausforderungen und Abenteuern auf dem Weg. Die Bergexerzitien luden dazu ein, Mut zu fassen, Veränderungen anzunehmen, Entscheidungen bewusst zu treffen und den eigenen «Geländern» im Leben nachzuspüren.

Jeder Tag begann mit Morgensport und einer Runde Armkreisen auf den Helikopterplätzen der Hütten. Das Wetter meinte es die ganze Woche hervorragend mit uns und schenkte uns beste Bedingungen, um die beeindruckende Bergwelt zu geniessen: Gletscher, Blockgestein, rauschende Flussläufe, bunte Blumenwiesen und Bergseen wechselten sich ab. Natürlich durfte auch die eine oder andere erfrischende Abkühlung im Wasser nicht fehlen.
Die Tour bot viele Abenteuer und Herausforderungen. Die Klettersteige und die Überquerung der 90 Meter langen Salbitbrücke verlangten Mut und Vertrauen – und passten damit wunderbar zu unserem Wochenthema. 
Neben den spektakulären Erlebnissen waren es oft die kleinen Momente, die in Erinnerung bleiben. Nach einer langen Etappe durch das Blockgelände überraschte ein Teilnehmer die Gruppe mit frisch geschnittenen Apfelschnitzen. Selten hat ein Apfel so gut geschmeckt.
Auch kulinarisch hielt die Woche einige Überraschungen bereit. Die legendären «Nudeln mit Apfelmus» sorgten zunächst für Staunen, wurden aber schnell zu einem besonderen Hüttenmoment und bleiben als humorvolle Erinnerung an diese gemeinsame Zeit erhalten.
Der krönende Abschluss wartete in der Dammahütte, der kleinsten Hütte der Schweiz. Der herzliche Hüttenwart, ein gemütlicher Grillabend, die Erfrischung am «Damma-Beach» (ein Naturpool mit angestauten Flusswasser) und das einfache Matratzenlager machten den Aufenthalt zu etwas Besonderem. Gemeinsam feierten wir einen Berggottesdienst vor einem überwältigenden Panorama aus Gletschern und schroffen Berggipfeln. In dieser einzigartigen Atmosphäre fanden die Impulse der Woche ihren stimmungsvollen Abschluss.
Am letzten Morgen wurden wir nochmals reich beschenkt: Früh aufzustehen und den Sonnenaufgang über den Bergen zu erleben, war ein besonderer Moment. Während die ersten Sonnenstrahlen die Gipfel in warmes Licht tauchten, wurde die Schönheit der Natur nochmals ganz bewusst spürbar. Mit diesem eindrücklichen Bild im Herzen machten wir uns auf den Rückweg ins Tal.
  

Die Bergexerzitien waren weit mehr als eine Wanderung. Sie schenkten intensive Naturerlebnisse, wertvolle Gemeinschaft, persönliche Gespräche und neue Perspektiven. Mit vielen unvergesslichen Eindrücken, gestärktem Vertrauen und grosser Dankbarkeit kehrten wir ins Tal zurück – mit der Erfahrung, dass sich der mutige Schritt aus der Komfortzone lohnt und oft zu den schönsten Aussichten führt.
Annalena Herter