KLASSISMUS

(vom engl. classism) bezeichnet die Strukturelle Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres ökonomischen und/oder sozialen Status, der oft mit dem Begriff Klasse beschrieben wird.
 
Dabei geht es nicht nur (aber auch) darum, wieviel Geld Menschen zur Verfügung haben, sondern auch, welches Ansehen sie gesellschaftlich genießen bzw. welche Position sie innehaben und in welchen Verhältnissen sie aufgewachsen sind. Dies hat Auswirkungen auf Prägungen, Werte und eigene Glaubenssätze. Wohlhabende, Menschen aus einflussreichen Familien und/oder formal und akademisch gebildete Menschen, insbesondere einfluss- und ressourcenreiche Kreise, profitieren von Klassismus, u.a. durch politische Einflussnahme. Klassistisch diskriminiert werden u.a. Arbeiter*innen, erwerbs- und wohnungslose Menschen, Empfänger*innen von Sozialleistungen, Careleaver*innen und einkommensarme Menschen.
Es ist besonders wichtig Klassismus intersektional zu denken, da die Wechselwirkung mit anderen Diskriminierungsformen das Armutsrisiko erhöht. So sind zum Beispiel Frauen überproportional von Altersarmut bedroht.
Klassismus ist mit Abwertungsprozessen auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen (kulturell, individuell, politisch, institutionell, …), der Position in den Produktionsverhältnissen sowie z. B. dem Zugang zu Bildung verbunden. Strukturelle Diskriminierung ist immer ein Zusammenspiel von verschiedenen Ebenen: individuell und zwischenmenschlich, kulturell und institutionell.
 
Vgl. u.a. einen Text von Tanja Abou:
 
sowie zum Hören von Houssam Hamade
 
 
Klassismus äußert sich in Kirche:
-      Kirchliches Engagement (Ehrenamt) setzt zeitliche und oft auch finanzielle Ressourcen voraus.  Menschen, die von Klassismus betroffen sind, sind oft gezwungen ihre Zeit für mehrere Jobs, ggf. Weiterqualifizierung und Caretätigkeiten aufzuwenden. Finanzielle Beteiligung in Form von Übernahme von Fahrtkosten, Vorleistung bei Ausgaben z.B. für Bewirtung, Kuchenspenden oder dem „Feierabendbier“ nach der Gemeinderatssitzung wird oft unhinterfragt vorausgesetzt.
-      Viele Angeboten sind kostspielig, Ermäßigung der Teilnahmebeiträge ist oft mit bürokratischen Hürden oder möglicher Beschämung verbunden.
-      In kirchlichen Räumen wird oft eine bestimmte Sprache und Habitus vorausgesetzt (z.B. Dresscode/Sonntagskleidung, spezielle kirchliche Begriffe), haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende, die Inhalte gestalten, kommen häufig aus besser situierten Milieus und haben andere Klassen und deren Sprachen, Perspektiven und Themen weniger im Blick. Oder nehmen sie eher als „hilfsbedürftige“ wahr.