
„Wir richten unseren Blick auf die Menschen, die anderen in größter Not beistehen. Ich danke den vielen ehren- und hauptamtlichen Helferinnen und Helfern in den katholischen und allen anderen Hilfsorganisationen, die mit Mut und großer Menschlichkeit oft unter schwierigsten Bedingungen Leben retten und Schäden beheben. Viele von ihnen sind oft selbst von den Krisen betroffen, das hindert sie aber nicht daran, an der Seite der Notleidenden zu stehen. Sie versorgen Verletzte und Hungernde, schaffen sichere Unterkünfte und schenken Hoffnung, auch wenn die öffentliche Aufmerksamkeit längst weitergezogen ist“, erklärt Erzbischof Burger und erinnert in diesem Zusammenhang an die Ahrtal-Flut, die sich im Juli zum fünften Mal jährte: „Ohne die vielen Menschen, die sofort bereitstanden, obwohl sie selbst von der Flut betroffen waren, wären die Folgen noch viel schlimmer gewesen.“
Angesichts zahlreicher Kriege, Naturkatastrophen und anhaltender humanitärer Krisen ruft er dazu auf, die internationale Hilfe verlässlich zu finanzieren und den Schutz der Helfenden zu gewährleisten. „Erst vor wenigen Wochen habe ich bei einer Reise in Peru erlebt, wie eine Naturkatastrophe die Lebensgrundlage vieler Menschen innerhalb weniger Augenblicke zerstören kann. Doch inmitten von Trauer und Zerstörung war auch eine große Hilfsbereitschaft spürbar. Menschen teilen Lebensmittel, räumen gemeinsam Trümmer weg und kümmern sich um betroffene Familien.
Möglich ist das auch durch die Hilfe vieler kirchlicher Hilfsorganisationen, deren caritative Strukturen über Jahre weltweit gewachsen sind, wie ich auch bei meiner Reise nach Armenien im Juni feststellen konnte. Die Hilfsorganisationen werden von Tausenden freiwilligen Helferinnen und Helfern getragen und bilden ein dichtes Netzwerk, das auch einsatzbereit ist, bevor eine Katastrophe eintritt. Deshalb müssen sie langfristig aufgebaut, gepflegt und verlässlich unterstützt werden“, so Erzbischof Burger.
Weltweit seien Millionen Menschen dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, betont er. „Ich denke an die Opfer des Erdbebens in Venezuela, an die vom Krieg gezeichneten Menschen in der Ukraine oder im Nahen Osten und an die vielen Geflüchteten im Südsudan oder in Bangladesch, die unter Gewalt, Hunger und Krankheit leiden. Ihre Not darf uns nicht gleichgültig werden. Humanitäre Hilfe ist tätige Nächstenliebe – und diese gilt jedem Menschen, unabhängig von Herkunft, Religion oder politischer Zugehörigkeit. Doch auch denjenigen, die Hilfe leisten, muss unsere Aufmerksamkeit gelten: Helferinnen und Helfer müssen geschützt, humanitäre Zugänge gewährleistet und das Völkerrecht muss geachtet werden. Wie wichtig und drängend diese Faktoren sind, hat nicht zuletzt der beklagenswerte Tod einer Mitarbeiterin von Caritas international Ende Juli 2026 durch einen russischen Raketenangriff in Charkiw verdeutlicht. Um all das möglich zu machen, braucht humanitäre Hilfe eine verlässliche Finanzierung. Es ist besorgniserregend, wenn Hilfsorganisationen ihre Unterstützung gerade in einer Zeit einschränken müssen, in der die weltweite Not wächst. Humanitäre Hilfe darf weder von kurzfristigen Haushaltsentscheidungen noch davon abhängig sein, welche Katastrophe gerade die Schlagzeilen bestimmt.“
(DBK)






