SWR4 Abendgedanken mit Benjamin Vogel aus Freiburg

Brot backen und eine Dimension tiefer denken

Mit Benjamin Vogel. Guten Abend.
 
350°C! Endlich ist es geschafft. So heiß muss es im Holzofen sein, damit die Pizza schön knusprig wird. Zwei Stunden lang haben wir angefeuert. Wir, das sind zwölf zusammengewürfelte Leute aus der Umgebung von Freiburg. Ich bin heute das erste Mal in dieser Backgruppe dabei. Und jetzt kann der Teig endlich reingeschoben werden. Denn der Holzofen ist eben nicht elektrisch. Man kann ihn nicht beliebig an- und ausschalten oder einfach die Wunschtemperatur einstellen. Er muss lange vorher angefeuert werden und dann gibt es eine klare Reihenfolge: Im heißen Ofen mit noch etwas Glut hinten drin backen wir Pizza und Flammkuchen. Wenn es dann nicht mehr ganz so heiß ist, kann man die Formen mit dem Brotteig reinschieben. Und wenn das Brot draußen und der Ofen auf 200 Grad abgekühlt ist, reicht die Wärme noch, um einen Apfelstrudel zu backen. Unser Ofen steht im Familienzentrum in Hochdorf bei Freiburg. Letztes Jahr wurde er gebaut und heute ist mal wieder Backtag.
 
Vom ersten Streichholzstrich bis zum Apfelstrudel vergehen insgesamt sieben Stunden. So ein großer Zeitaufwand und die viele Arbeit dabei muss sich schon lohnen. Und so war es früher bestimmt auch: Dass man sich im Dorf abspricht, wann gebacken wird. Dass man dort zusammenkommt und die Ofenhitze so effektiv wie möglich nutzt. Dass man für die Nachbarn einen Laib mitbackt. Und dass man beim Anfeuern und Warten ins Gespräch kommt.
 
Und zwischen Rauch, leckerer Pizza und frischem Bauernbrot denke ich, dass es einige Parallelen zur Kirche gibt: Auch hier kommen ganz verschiedene Menschen zusammen und erleben Gemeinschaft. Menschen, die sich sonst im Alltag wahrscheinlich gar nicht begegnen würden. Und im besten Fall steht man nach dem Gottesdienst zum Quatschen auf dem Kirchplatz und hört man voneinander, was gerade los ist und die anderen beschäftigt. 
 
Und Brot spielt auch in der Kirche eine große Rolle. Jesus hat damals den Jüngerinnen und Jüngern beim letzten Abendmahl gesagt, dass er immer dann besonders nahe sein wird, wenn sie miteinander Brot brechen. So bringt das Brot in der Kirche doppelte Gemeinschaft: Es schafft Verbundenheit unter den Menschen. Und es schafft Gemeinschaft mit Jesus, der damals aufgetragen hat, immer wieder Brot zu teilen und sich an seine Botschaft zu erinnern.
 
Brot ist mehr als ein Grundnahrungsmittel. Ich mag den Gedanken, dass es die Menschen zueinander bringt: am Abendbrottisch, sonntags im Gottesdienst und beim Backtag am Holzofen.
 
Benjamin Vogel aus Freiburg von der katholischen Kirche.
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