Die SWR4 Abendgedanken mit Pastoralreferentin Milena Bayer aus Lauda.

05.10.2026 | Wie man zur „Servicekraft Gottes“ wird.

Quelle: Milena Bayer

Seit Januar verkauft Ordensschwester Birgit Zigaretten und Coffee To Go in einem Kiosk in Gelsenkirchen. Wer hier das erste Mal vorbei kommt, ist vielleicht erstaunt, auf eine Nonne zu treffen. Viele haben nichts mit Kirche am Hut. Sie freuen sich aber trotzdem, weil Schwester Birgit sich gerne Zeit nimmt und sich mit ihrer Kundschaft unterhält. Manche erzählen von ihren Schwierigkeiten und Sorgen, andere berichten von schönen Erlebnissen. Und manchmal geht es einfach um das Wetter oder die Benzinpreise. So bekommt die Seelsorgerin mit, was die Menschen in ihrem Quartier bewegt. Auch die, die nicht in die Kirche zum Gottesdienst kommen.
 
Schwester Birgit sagt: „Für mich ist der Dienst im Kiosk Gottesdienst. Denn Gottesdienst heißt für mich „Dienst am Menschen“. Dienst heißt auch Service. Und mein Service besteht darin, hinter dem Verkaufstresen zu stehen als Servicekraft.“
 
Sie ist also eine echte Servicekraft Gottes. Sie kann die Menschen fragen: „Was brauchst du?“. Und damit kann sie zwei ganz verschiedene Dinge meinen. Bist du hungrig und brauchst ein belegtes Brötchen? Oder: Sehnst du dich danach, einfach mal Frust abzulassen oder mal anders auf dein Leben zu schauen?
 
Schwester Birgit nutzt den Kiosk, um Menschen zu begegnen. Und sie begegnet vielen Menschen, weil der Kiosk so beliebt ist. Und das wiederum ist er vielleicht deshalb, weil Schwester Birgit so offen auf die Leute zugeht.
 
Wenn ich eine Servicekraft Gottes sein möchte, muss ich nicht unbedingt hinter einem Verkaufstresen stehen. Ich muss nur wissen, was ich gut kann und wie ich meine Fähigkeiten und Ideen auch für andere einsetzen kann.
 
Ich zum Beispiel kann ganz gut zuhören und Menschen ermutigen. Andere können gut organisieren, sind kreativ oder handwerklich begabt, sind musikalisch oder können wunderbar mit Kindern umgehen.
 
Mir fällt da Rosi ein, die an andere denkt und für sie Geburtstagskarten bastelt. Oder Anika, die sich als Tischtennis-Trainerin engagiert. Oder Herbert, der die fußkranke Frau mit den vielen Einkäufen spontan nach Hause fährt.
 
Servicekraft Gottes sein - eine ehrenvolle Aufgabe, und eigentlich gar nicht mal so schwer.