Wo die Früchte des Gottesreiches reifen

05.10.2026 | Christian Würtz als Bischof von Eichstätt ins Amt eingeführt

Freiburg/Eichstätt. Langer Applaus für Christian Würtz als der neue Bischof von Eichstätt am Sonntag (4.10.) im Eichstätter Dom auf dem Bischofsstuhl Platz nimmt – nach mehr als einem Jahr der Sedisvakanz. Zuvor war ihm in dem Gottesdienst im vollen Dom vom Apostolischen Nuntius in Deutschland, Erzbischof Hubertus van Megen, das päpstliche Ernennungsschreiben überreicht worden. An der Kathedra angekommen, legte ihm sein Vorgänger, Gregor Maria Hanke OSB, das Rationale, ein besonders geschmücktes Schultergewand und bischöfliche Insignie, an. Und Erzbischof Herwig Gössl, Metropolit der Kirchenprovinz Bamberg, reichte ihm den Hirtenstab.
 
In seiner Predigt sagte Christian Würtz, er wolle alle einladen, am Reich Gottes mitzuwirken. Bezogen auf seinen bischöflichen Wahlspruch „Dein Reich komme“ predigte der mit 55 Jahren jüngste Bischof Deutschlands über die „Früchte des Gottesreiches“. Diese reiften dort, wo Wahrheit, Gerechtigkeit, Versöhnung, Liebe und vor allem Frieden gedeihen. Er wolle dabei mitwirken, dass das Reich Gottes weiter wachse im Sinne des biblischen „Schalom“, eines Lebens in gelingenden Beziehungen zu Gott und den Menschen. Wohl an die 330.000 Katholikinnen und Katholiken im Bistum an der Altmühl gerichtet, sagte Würtz: „Ich bin gespannt, in den kommenden Wochen und Monaten die Früchte zu entdecken, die es bereits gibt.“
 

„Feiner Humor, starke Argumentationskraft“

An der Feier nahmen 180 Bischöfe, Priester und Diakone aus dem In- und Ausland teil. Im Namen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gratulierte der stellvertretende Vorsitzende, Bischof Michael Gerber (Fulda), zur neuen Aufgabe. Er würdigte das bisherige Engagement des 83. Bischofs von Eichstätt, der in der Erzdiözese Freiburg sieben Jahre Weihbischof war: „Sein feiner Humor, seine starke theologische Argumentationskraft und sein vielfältiges Engagement in unserer Konferenz zeichnen ihn aus.“ Bisher war Würtz auf DBK-Ebene in der Pastoralkommission tätig und in der für caritative Fragen. Seit der Herbst-Vollversammlung vergangene Woche in Fulda ist er stellvertretender Vorsitzender der Kommission Medien. 
 
Als neues Mitglied der Freisinger Bischofskonferenz wurde Würtz vom Münchner Kardinal Reinhard Marx begrüßt. Der sprach dem neuen Amtsbruder zu: „Das Herz ist offen, du wirst hier Heimat finden.“ Der Kardinal legte Würtz auch die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt ans Herz, die einzige katholische in Deutschland. Für den Freistaat Bayern waren Ministerpräsident Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) gekommen. Söder versprach der Uni weiter staatliche Mittel. In seinem Grußwort machte er deutlich, dass er überzeugt sei, das Wertefundament der christlich-abendländischen Idee gebe allen eine Chance auf Frieden, Freiheit und Demokratie.
 

Erste Personalentscheidungen

Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Eichstätter Dommusik gestaltet. Domchor, Schola Gregoriana, Jugendkantorei, Dombläser, Kantorinnen und Kantoren sowie Domorganist Martin Bernreuther und Domkantorin Deborah Faul wirkten mit. Die Gesamtleitung hatte Domkapellmeister Manfred Faig.
 
Am Ende des Gottesdienstes gab Bischof Würtz seine ersten Personalentscheidungen bekannt. Domkapitular Michael Alberter, der während der Sedisvakanz als Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators tätig war, wurde erneut zum Generalvikar des Bistums Eichstätt ernannt. Dieses Amt hatte er bereits von September 2022 bis Juni 2025 inne. Domdekan Monsignore Stefan Killermann wurde von Würtz im Amt des Offizials, also als Leiter des Bischöflichen Gerichts, bestätigt. Dank ging an Domprobst Alfred Rottler, der über ein Jahr lang als Diözesanadministrator die Geschicke des Bistums leitete. 
 

Würtz‘ Werdegang

Christian Würtz wurde 1971 in Karlsruhe geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Zivildienst studierte er zunächst Rechtswissenschaften und war zwei Jahre als Rechtsreferendar tätig. Von 1998 bis 2004 studierte er in Freiburg und Würzburg Theologie. 2002 wurde er an der Universität Heidelberg zum Dr. iur. utr. (Doktor beider Rechte) promoviert. Am 14. Mai 2006 wurde er zum Priester geweiht. Anschließend war er Vikar in der Seelsorgeeinheit Gammertingen im damaligen Dekanat Sigmaringen. 2008 kehrte Würtz als Wissenschaftlicher Assistent für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte sowie Frömmigkeitsgeschichte an die Universität Freiburg zurück. 2011 wurde er zum Dr. theol. mit einer Arbeit über die Priesterausbildung während der Zeit des Nationalsozialismus in Freiburg promoviert.
 
Würtz verrichtete zunächst seinen Pfarrdienst in Gengenbach im Kinzigtal. 2013 übernahm er zusätzlich die Aufgabe als Diözesanrichter am Erzbischöflichen Offizialat in Freiburg. Im Mai 2018 erfolgte die Ernennung zum Stadtdekan des Dekanats Freiburg und zum Dompfarrer am Freiburger Münster. Am 13. Juli 2018 ernannte Erzbischof Stephan Burger den neuen Dompfarrer zum residierenden Domkapitular an der Metropolitankirche Freiburg im Breisgau.
 
Papst Franziskus ernannte Dr. Dr. Christian Würtz am 26. April 2019 zum Titularbischof von Germania in Dacia und zum Weihbischof in der Erzdiözese Freiburg. Erzbischof Stephan weihte ihn am 30. Juni 2019 zum Bischof. Seit Oktober 2019 war er als Regens für die Priesterausbildung der Erzdiözese verantwortlich. Ebenso wirkte er als Bischofsvikar für Hochschulen im Erzbistum. Im Ehrenamt war Christian Würtz Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtcaritasverbands Freiburg. Erzbischof Burger verabschiedete Würtz in einem Pontifikalgottesdienst an Mariä Himmelfahrt (15. August) im Freiburger Münster. 
 
(asc)