Görwihl. Die Kirche St. Bartholomäus in Görwihl wurde kürzlich mit der renommierten Hugo-Häring-Auszeichnung gewürdigt. Diese Auszeichnung gilt als eine der wichtigsten im Bereich des Bauens in Baden-Württemberg und wird an herausragende Architekturprojekte verliehen, die durch Innovation, nachhaltiges Bauen und gesellschaftliches Engagement überzeugen.
Die im vergangenen Jahr vollendete Innenrenovierung der Kirche ist ein beeindruckendes Beispiel für eine mutige und respektvolle Neugestaltung eines Sakralbaus im ländlichen Raum. Die Jury hebt besonders hervor, dass die Neukonzeption zeige, wie weniger so viel mehr sein könne. Das zentrale Element im Kirchenraum ist ein großes Labyrinth im Boden, das als spirituelles Symbol für den Lebens- und Glaubensweg dient. Es lädt die Besucher zum Stillwerden und Nachdenken ein.
Das Labyrinth war schon zuvor durch die Kirchengemeinde mit einem Provisorium erprobt worden und hat sich schnell zu einem zentralen Element des Gemeindelebens entwickelt. Die Planung des Erzbischöflichen Bauamts sah vor, diesem Element nun die erforderliche Wertigkeit zu geben und den Entwurf zentral daran auszurichten. Die Umsetzung erfolgte 2025 und wurde örtlich durch das Architekturbüro Martin Lauber aus Rickenbach betreut.
Die Umgestaltung macht den Kirchenraum offener und einladender. Altar, Ambo und Taufstein sind frei im Raum platziert und werden zu Inseln in einer Liturgie in Bewegung. Das Lichtkonzept ist ebenfalls spirituell gedacht: Ein Möbiusband, das Symbol für Unendlichkeit, wird als Gestaltungselement genutzt und dient als Pendant zum Labyrinth.
Besondere Sorgfalt wurde beim Erhalt alter Elemente angewandt: Die alten Kirchenbänke wurden wiederverwendet und in die neue Gestaltung integriert. Durch den Verzicht auf Überfrachtung wirken die wenigen Gestaltungselemente umso deutlicher. Das Labyrinth hat sich schon zu einem spirituellen Ankerpunkt in der neu geschaffenen Kirchengemeinde Hochrhein-Südschwarzwald entwickelt und zieht inzwischen auch überregionale Besucher an.
Bernhard Stahlberger, heutiger Kooperator und als damals leitender Pfarrer in Görwihl Mitinitiator der Idee, freut sich über so viel Resonanz. Dies zeige, dass es richtig war, die Idee so engagiert und konsequent umzusetzen. Auch Architekt Holger Schwartz vom Erzbischöflichen Bauamt Freiburg betont, dass dieses Projekt veranschauliche, welches Potenzial in Kirchenräumen steckt, wenn sich die Gemeinde aktiv einbringt. Dieses Engagement vor Ort hat die Kirche zu einem lebendigen Ort der Gemeinschaft, des Glaubens und der Begegnung gemacht.
Mit der Auszeichnung würdigt die Jury die kreative, sensible Umsetzung und das innovative Denken, das in diesem Projekt steckt. Die Kirche St. Bartholomäus ist ein Beispiel dafür, wie Tradition und Moderne zusammenfinden, um neue Räume für Gemeinschaft und Glauben zu schaffen.
Weitere Informationen zur Auszeichnung finden Sie hier.
(Holger Schwartz)
