Ordensschwestern haben ein Jahrhundertlang entscheidende Sozialarbeit geleistet, ihre Tätigkeit war richtungsweisend für den modernen Sozialstaat. Ein Konradsblatt-Projekt bringt jetzt Schwestern vor die Kamera, die ihre eigene persönliche Sicht auf diese Arbeit teilen.
Ordensschwestern im Kloster Hegne.
„Ach, ich hab doch gar nicht so viel zu berichten, fragen Sie doch lieber eine andere Schwester“. Dieser Satz fiel in den vergangenen Monaten immer wieder. Carolin Adamski wusste die überzeugende Antwort: „Für das Wachsen eines Baums ist jede Wurzel wichtig – und daher ist auch Ihre Stimme wichtig und Ihre Lebenserfahrung...“ Und auch so ist ein einzigartiges Projekt zustande gekommen, in dem über zwei Dutzend Ordensschwestern aus dem Erzbistum über sich berichten, ihre Berufung, ihren Glauben und ihre Arbeit, professionell festgehalten im Film und damit als lebendiges Zeugnis dokumentiert.
"Die Schwestern gabendem Sozialstaat Gestalt"
„Die Arbeit dieser Schwestern hat dazu beigetragen, dem modernen Baden-Württemberg Gestalt zu geben“, sagt Klaus Gaßner, Chefredakteur des Konradsblatt. Denn fraglos haben die Ordensschwestern, die heute in den Klöstern von Gengenbach, Hegne oder Freiburg ihren Ruhestand genießen, gewaltigen Anteil an der sozialen Ausgestaltung unseres Gemeinwesens. Dafür sorgte die Ordensstruktur, initiiert von klugen Gründern und engagierten Oberinnen, die Schwesternstationen in den Dörfern, Städten und an vielen Kliniken einrichteten. Dafür sorgte aber auch und vor allem das persönliche Engagement vieler einzelner Ordensfrauen, die mit ihren Kenntnissen und Kompetenzen in Kindergärten wirkten und in Krankenstationen, Behinderten assistierten und Sterbende begleiteten. Und allein durch ihre Präsenz bei vielen Menschen bleibenden Eindruck hinterliessen. „Ach, wo, ich habe doch gar nichts besonderes gemacht,“ sagen die Schwestern. Und doch war es gerade diese „nicht besondere“, unaufdringliche Präsenz, die viele Menschen berührte. „Und gerade deshalb galt es, die Erinnerungen, die Lebensberichte dieser Schwestern zu sichern“, ist Klaus Gaßner überzeugt.
Versierte Journalisten drehtenFilme mit den Schwestern
Und freut sich, dass er schnell drei versierte journalistische Kolleginnen und Kollegen gefunden hat, die sich dem Projekt verschrieben. Ein echter Glücksfall stellt das Kloster Gengenbach dar, wo Gaby Scheewe-Pfeil seit vielen Jahren den Klosterladen führt. Vor dieser Tätigkeit – und begleitend dazu - war die gelernte Kamerafrau auch journalistisch tätig, sie drehte etwa einen Film zum 150. Jubiläum der Franziskanerinnen und hat daher eine große Nähe zu den Schwestern, die sie professionell in Szene zu setzen verstehrt. Carolin Adamski wiederum ist Pressesprecherin des Klosters Hegne und auch sie griff das Projekt sofort auf: „Es hat richtig Spaß gemacht“, sagt sie, berichtet von ausführlichen Vorgesprächen, von Überlegungen zu dem Raum, an dem die Videos gedreht werden sollten, wie Kameras aufgebaut und der Bildschnitt organisiert werden kann.
Und schließlich stieß sogar noch ein prominentes Gesicht dazu: Christoph Ebner war viele Jahre Studioleiter des Südwestrundfunks (SWR) in Freiburg. Sein Volontariat hatte er einst beim Konradsblatt absolviert, eine Verbindung, die er während seiner gesamten beruflichen Laufbahn gerne aufrecht erhalten hat. „Hinter den Menschen stecken unglaublich vielfältige Lebenswege“, resümiert Christoph Ebner. Er sprach mit Schwestern, die mit viel Unterstützung ihrer Berufung nachgehen konnten. Aber er traf auch auf Frauen, die sich als junge Mädchen gegen Väter oder Familien wenden mussten, um ihren Wunsch zum Ordenseintritt nachkommen zu können. „Mich fasziniert, dass diese engagierten Menschen vollkommen und glücklich für ihre Idee gelebt haben“, sagt Ebner.
Carolin Adamski freute sich über die große Offenheit, die Neugierde, mit der die Schwestern den neuen Medien gegenübertraten. Freilich, „nicht immer verliefen Wege gradlienig“, sagt Carolin Adamski. Schwestern berichteten auch „von Zeiten des Zweifels“. Aber allen gemeinsam ist: Sie sind bis ins hohe Alter voller Energie. „Die eine arbeitet noch in der Kerzenwerkstatt, die andere im Sekretariat“, erzählt Gaby Scheew-Pfeil – und allen gemein ist „eine unglaubliche innere Zufriedenheit“. Christoph Ebner: „Nirgendwo anders habe ich so viele ältere Menschen getroffen, die nicht über ihr Schicksal geklagt haben.“
Erzbischof Herrmann-Stiftungunterstützte die Arbeit
Das Projekt überzeugte auch die Verantwortlichen der Erzbischof Herrmann-Stiftung, die das Projekt großzügig finanziell unterstützt. Dana Mebus, Vorsitzende Stiftungsvorständin, sagt: „Aus Gesprächen mit Ordensschwestern schöpfe ich ein Leben lang Kraft und Freude.“ Grundlegend dafür war die Vorbereitung auf die Erstkommunion, die Dana Mebus in Rumänien bei einer Ordensschwester gemacht hat. „Schwester Antonina hat uns immer wieder da abgeholt, wo jede und jeder gerade war.“
Videos
Von den Vinzentinerinnen in Freiburg gibt es Einzelinterviews, die Gespräche führte Christoph Ebner. » Hier geht es zu den Videos