Freiburg (pef). Damit heimische Priester in den Sommermonaten zur Ruhe kommen und Erholung genießen können, gibt es in der Erzdiözese Freiburg Urlaubsvertretungen. Geistliche rund um den Globus springen für ihre deutschen Kollegen ein. Aus den Urlaubsvertretungen entstehen im Laufe der Jahre auch Freundschaften, und es gibt Impulse in beide Richtungen. Viele Ferienvertreter lernen Familien kennen, erleben das Gemeindeleben und bringen zugleich Erfahrungen und Perspektiven aus ihren Heimatkirchen mit. „Daraus entstehen Begegnungen, die den Blick über die eigenen Grenzen hinaus weiten und den Gedanken der Weltkirche mit Leben füllen“, berichtet Bernhard Eiermann, Leiter des Referats Priester im Freiburger Ordinariat.
Jedes Jahr organisiert die Verwaltung zahlreiche Ferienvertretungseinsätze – in diesem Jahr wieder rund 60 an der Zahl. Dabei übernehmen einige Priester mehrere Einsätze in unterschiedlichen Pfarreien, sodass die Zahl der Ferienvertreter etwas geringer ist. Sie kommen unter anderem aus verschiedenen afrikanischen Staaten wie Uganda, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria, Ghana, Kamerun, Namibia oder auch Burundi, einem der ärmsten Länder der Welt. Doch auch Urlaubsvertreter aus Indien, Polen, Bosnien und Herzegowina sowie Deutschland gibt es. Einige sind derzeit in anderen europäischen Ländern tätig und reisen von dort zu ihren Einsätzen in die Erzdiözese Freiburg an. Viele von ihnen ziehe es seit Jahren in dieselben Gemeinden zurück, blickt Referatsleiter Eiermann zurück. „Dadurch entstehen Vertrauen, persönliche Beziehungen und nicht selten langjährige Freundschaften.“
Aus dem Besucher aus dem Kongo wird in Au am Rhein ein Gemeindemitglied

Pfarrer Dr. Pascal Tshombokongo Otshumbe war in den vergangenen Sommerwochen wieder in Au am Rhein (in der ehemaligen Seelsorgeeinheit Durmersheim-Au am Rhein, die heute zur Kirchengemeinde St. Alexander Rastatt gehört), wo er von vielen Gemeindemitgliedern längst nicht mehr als Besucher oder Gast, sondern als Gemeindemitglied wahrgenommen wird. Seit vielen Jahren übernimmt der Priester und Theologe aus der Demokratischen Republik Kongo regelmäßig Ferienvertretungen in der Erzdiözese Freiburg. Früher sechs Wochen lang, mittlerweile aufgrund anderer Verpflichtungen über vier Wochen hinweg, erfährt er seit seinem Theologie-Studium mit Promotion in Innsbruck, der Diakonweihe und der Rückkehr nach Afrika viel über Kirche und Kultur in Europa. „Ich habe Momente der Stille bei der Liturgie nach Kongo gebracht“, erzählt der 54-jährige Pfarrer, „und ein lebendiges Feiern in die Gemeinde am Rhein“. Für ihn, der am Priesterseminar Saint Jean-Paul II in Lodja im Kongo lehrt, sei es wie Urlaub. „Ich komme zu anderen Orten, treffe andere Leute und feiere Gottesdienste.“
Über die Jahre hinweg bemerkt er zugleich einen Rückgang der Gottesdienstbesucherzahl in Deutschland, es gebe auch weniger Ministranten. „Bei uns im Kongo ist es ganz anders. Es ist traurig, dass in Deutschland in so großen Kirchen so wenige Gläubige zusammenkommen“, gleichzeitig schöpft er besondere Energie aus gemeinsamen Zusammenkünften mit Gemeindemitgliedern in der Erzdiözese Freiburg außerhalb der Gottesdienstzeiten. „Es ist wie eine Familie, in die ich komme.“
Aus diesen Begegnungen entstand sogar weit mehr als eine regelmäßige Urlaubsvertretung: Mit dem Förderverein „Loseno“ unterstützen engagierte Gemeindemitglieder die pastoralen und sozialen Projekte des Priesters in seiner Heimat. Schulen, Gesundheitsversorgung und zahlreiche weitere Hilfsmaßnahmen werden dadurch verwirklicht. Die Ferienvertretung als Ausgangspunkt einer lebendigen weltkirchlichen Partnerschaft.
Vorbereitung über Monate hinweg
Der eigentliche Vertretungseinsatz dauert wie bei Pfarrer Dr. Pascal Tshombokongo Otshumbe meist nur wenige Wochen – die Vorbereitung beginnt jedoch bereits viele Monate zuvor. Die Pfarreien melden ihren Bedarf für eine Ferienvertretung an. Eiermann: „Häufig steht der gewünschte Ferienvertreter bereits fest, weil sich über Jahre eine enge Zusammenarbeit entwickelt hat.“ Ist dies nicht der Fall, vermittelt die Erzdiözese geeignete Priester aus ihrem Bewerberpool. Anschließend müssen zahlreiche organisatorische Schritte koordiniert werden: Abstimmungen mit den Heimatdiözesen oder Ordensgemeinschaften, die Prüfung der erforderlichen Unterlagen, Visaangelegenheiten, Präventionsnachweise, Einsatzunterlagen und schließlich die spätere Abrechnung.
Von Nigeria ins Münstertal

So organisatorisch unterstützt, kann auch Pfarrer Dr. Daniel Ogochukwu Onuorah in diesen Wochen in der Erzdiözese wirken, konkret im Kloster St. Trudpert und in der dortigen Pfarrgemeinde (ehemals Staufen-Münstertal, jetzt Teil der Gliederung Ost in der neuen Kirchengemeinde Breisgau-Markgräflerland). Im Jahr 2008 in Nigeria zum Priester geweiht, ist er dort derzeit als Dozent und Ausbilder am „Blessed Iwene Tansi Major Seminary“ in Onitsha tätig – doch seit dem Jahr 2018 im Münstertal auch als Urlaubsvertreter im Einsatz. Während im Kloster St. Trudpert eine klare Agenda ansteht, die vom Morgengebet über die Eucharistiefeier bis zum abendlichen Rosenkranzgebet und der Meditation reicht, ist in den Gemeinden eine andere Vielfalt an Angeboten und Treffen geboten. „Die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, sind durchweg positiv“, erzählt der 47-jährige Priester. Die Abwechslung zwischen dem familiär geprägten Klosterleben in St. Trudpert und der Begegnung und dem Austausch mit den Gemeindemitgliedern weiß er zu schätzen.
Aufgrund der größeren Pfarreigrößen in der Erzdiözese Freiburg im Vergleich zum nigerianischen Zuschnitt bemerkt er, dass die persönlichen Beziehungen nicht so stark sein können wie im kleinräumigeren Umfeld. Die kulturellen Unterschiede und der anders geartete Rhythmus stellen für ihn hingegen eine nicht allzu große Herausforderung dar: „Wenn man die Kultur verinnerlicht, versteht man die Beziehungen.“ Die Urlaubsvertretungen bezeichnet er daher als „ein Erlebnis, das ich schätze“.
Passende Organisation unerlässlich
Dass die Abläufe bei der Urlaubsvertretungs-Organisation keineswegs selbstverständlich sind, zeigte sich besonders in den vergangenen Jahren. Während der Corona-Pandemie bestimmten wechselnde Einreisebestimmungen die Planungen. In diesem Jahr stellte die veränderte Vergabepraxis einzelner Botschaften bei Visa für Priester aus afrikanischen Ländern alle Beteiligten vor neue Herausforderungen, stellten die Verantwortlichen im Ordinariat und in den Kirchengemeinden fest. Teilweise blieb bis kurz vor Reisebeginn ungewiss, ob ein Visum rechtzeitig erteilt werden würde und der Einsatz wie geplant stattfinden. „Trotz solcher Unwägbarkeiten gelingt es aber jedes Jahr, den allergrößten Teil der geplanten Ferienvertretungen erfolgreich umzusetzen“, sagt Eiermann und setzt auch weiterhin auf die bewährten Formen mit Mehrwert für viele Länder und Menschen.
(mf)