SWR3 Gedanken mit Tobias Gutmann, Pastoralreferent aus Freiburg

Schwimmflügel oder meine Mut-Montur.

Der erste Sprung vom Beckenrand ins Wasser kostet Überwindung. Mein vierjähriger Sohn probiert das gerade aus. Er steht in voller Montur am Beckenrand. Schwimmflügel, Taucherbrille und um den Bauch: sein aufblasbares Lama. Ohne das alles, wäre der Sprung ins Wasser für ihn unmöglich. 
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit wagt er es endlich: Er nimmt all seinen Mut zusammen und springt. Kaum ist er im Wasser schaut er mich stolz an und ruft: „Nochmal, Papa!" Mit genügend Luftpolstern kann man eben viel einfacher springen! 
 
Den Sprung ins kalte Wasser gibt’s ja nicht nur im Kinderbecken. Der erste Tag am neuen Arbeitsplatz und ich kenne niemanden. Oder der mutige Rückzieher, wenn jemand merkt, dass ein Studium doch nicht das Richtige ist. Und mir fällt meine Cousine ein, die komplett alleine in den Wanderurlaub geht, ohne zu wissen, wie es ihr damit gehen wird. Das alles kosten echt Überwindung. Da würde so eine Schimmflügel-Montur echt helfen.
 
Und die gibt es! Für mich ist mein Glaube wie Schwimmflügel, Taucherbrille und aufblasbares Lama in einem. Manchmal zieht mich mein Gottvertrauen hoch und hält mich über Wasser. Und Gott hilft mir, manche Dinge klarer zusehen, manches anders einzuordnen. Ich fühl mich gut gepolstert, weil ich glaube, dass Gott mich immer umgibt, wie das aufblasbare Lama meines Sohnes.
 
Natürlich sind die Herausforderungen immer noch da. Mit Gott geht auch nicht immer alles gut aus. Aber: mit Gott springt es sich leichter. Und das nicht nur vom Beckenrand.
 
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