Lied zum Sonntag (SWR Kultur) mit Olivia Costanzo aus Heidelberg

Es ist Sommer!

Der rockige Beat zieht einen direkt hinein in das Gute-Laune-Stück „Es ist Sommer“ von Eugen Eckert und Alejandro Veciana. Da bekomme ich sofort Lust mitzugrooven und mich dazu zu bewegen. Die Musik hat etwas Leichtes und Beschwingtes und erinnert mich an die Stimmung bei einem Open-Air-Sommer-Festival.
 
„Es ist Sommer und ich atme, atme durch und atme auf,
will genießen, will mich freuen, geb der Sehnsucht freien Lauf.
Es ist Sommer, das beflügelt. Und ich fliege, fliege aus.
Such mir Orte, auszuspannen – mal weit weg und mal zuhaus.“
 
Der Sommer steht hier für Freiheit. Raus aus dem Alltag. Neues entdecken. Oder einfach einmal nichts müssen. Mir gefällt auch die Zeile: „Such mir Orte, auszuspannen – mal weit weg und mal zuhaus.“ Erholung hängt eben nicht davon ab, wie weit ich reise. Manchmal finde ich sie direkt vor meiner Haustür.
 
„Es ist Sommer und ich liebe, lieb das Leben, bin verliebt.
Staune, dass es so viel Schönes um mich her und in mir gibt.
Es ist Sommer und ich denke, denke nach auch über mich.
Werd mir klar, dass dieses Leben halb nur schön wär ohne dich.“
 
Neben der zweiten Stimme in der Strophe kommt nun eine zweite Perspektive dazu.
Ich frage mich beim Hören immer wieder: Wer ist dieses „Du“, ohne das das Leben nur halb so schön wäre? Ein geliebter Mensch? Oder Gott?
Für mich muss ich das gar nicht entscheiden. Das Lied lässt beides zu. Es erzählt davon, dass Leben erst in Beziehung ganz wird – zu den Menschen, die ich liebe und mit denen zusammen es noch mehr Spaß macht, den Sommer zu genießen, und zu Gott. Lebensfreude wächst dort, wo sie geteilt wird.
 
„Es ist Sommer. Gott sei Dank!“
 
Mit dem Refrain wird aus dem Sommerlied auch ein Danklied. Nicht mit großen Worten. Kein großes theologisches Programm. Einfach mit einem Satz: „Gott sei Dank.“ Gott ist mitten in all dem Schönen gegenwärtig. Die Musik unterstützt das Ganze. Der Rhythmus trägt nach vorn, die Melodie wirkt leicht und unbeschwert. Und wenn im Refrain alle einstimmen: „Es ist Sommer. Gott sei Dank!“, dann klingt das nicht wie eine Pflichtübung, sondern wie ein spontaner Ausruf. Als könnte man gar nicht anders, als dankbar zu sein.
In der dritten Strophe bekommt das Lied noch eine überraschende Wendung.
 
„Es ist Sommer und ich sammle, sammle Farben, Töne, Kraft.
Nur ein Vorrat gibt die Aussicht, dass man's durch den Winter schafft.
Es ist Sommer und ich lebe aus dem Koffer in den Tag,
lass die Seele einfach baumeln, heute mach ich was ich mag.“
 
Eugen Eckert erzählt, dass ihn dabei das Bilderbuch Frederick von Leo Lionni inspiriert hat. Während die anderen Mäuse Körner sammeln, sammelt Frederick Sonnenstrahlen, Farben und Geschichten. Erst im Winter zeigt sich, wie kostbar diese Schätze sind.
Vielleicht ist das der eigentliche Gedanke dieses Liedes. Sommer und Winter sind mehr als Jahreszeiten. Sie stehen für die hellen und die dunklen Zeiten unseres Lebens. Niemand bleibt immer im Sommer. Umso wichtiger ist es, die guten Tage bewusst wahrzunehmen. Farben zu sammeln. Klänge. Kraft. Erinnerungen an Menschen, Begegnungen und Augenblicke, von denen wir zehren können, wenn das Leben kälter wird.
Dann wird aus einem fröhlichen Sommerlied eine Einladung, heute schon von dem zu leben, was morgen Hoffnung schenkt.
 
„Es ist Sommer. Gott sei Dank!“
 
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