
Eine biblische Geschichte, die das für mich eindrücklich beschreibt, ist die Geschichte von Zachäus. Er ist der oberste Zöllner von Jericho und bei den meisten Leuten unbeliebt. Zum einen weil er mit der römischen Besatzungsmacht kollaboriert. Zum anderen nimmt er mehr Zoll ein als gefordert und bereichert sich auf Kosten der anderen. Als der Zöllner erfährt, dass Jesus in die Stadt kommt, will er ihn unbedingt sehen. Weil er klein ist, steigt er auf einen Baum. Als Jesus ihn dort oben sieht, spricht er ihn an, und sagt: „Zachäus, ich möchte heute dein Gast sein.“ Die Leute drumherum sind empört, dass Jesus sich ausgerechnet so einem Menschen zuwendet. Sie können es nicht verstehen. Aber nachdem Jesus ihn angesprochen hat, verspricht Zachäus, die Hälfte seines großen Vermögens den Armen zu geben und allen, denen er zu viel Zoll abgenommen hat, das Vierfache zurückzugeben.
Ich verstehe die Geschichte so: Keine moralische Belehrung, kein Vorwurf führt dazu, dass Zachäus sein Verhalten ändert. Die Veränderung geschieht, weil er sich durch Jesus gesehen und wertgeschätzt fühlt. Diese Erfahrung verändert sein Leben zum Besseren. Für ihn selbst und für sein Umfeld.
Gemeinsam mit Virgina Satir glaube ich, dass so etwas tatsächlich passieren kann, und dass wir wie Jesus etwas dazu beitragen können. So schnell wie in der biblischen Geschichte geht es vermutlich selten, es braucht Zeit. Aber ich bin überzeugt: wenn wir Menschen wertschätzend begegnen und ihre Bedürfnisse und Gefühle ernstnehmen, dann verändert sich etwas. Vielleicht können wir dann gemeinsam das Lied hören, das immer gesungen wird: „I just wanna be loved.“
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