Wo Gemeinschaft wächst

24.07.2026 | Der Pfarrgarten als Kirchort

Freiburg. Mit stimmungsvoller Musik, berührender Lyrik und einer besonderen Atmosphäre lockte die Veranstaltung „Poesie im Pfarrgarten“ am 17. Juli rund 50 Kultur- und Musikbegeisterte jeden Alters in den Pfarrgarten von St. Konrad und Elisabeth. Eingeladen hatte das Team um Gemeindereferentin Annette Woschek-Ham, das damit einmal mehr zeigte, wie lebendig und vielfältig Kirche im Stadtteil sein kann.
 
Für die literarische und musikalische Gestaltung sorgten Marie Lemor mit eigenen Texten, die Nachwuchspoetin Emily Donner sowie das Duo Zuhause mit Gesang und Gitarre. Ihre Beiträge bewegten sich zwischen den kleinen Wundern und Herausforderungen des Familienalltags, dem Erwachsenwerden und gesellschaftlichen Fragestellungen, etwa rund um das Thema psychische Gesundheit. Die Mischung aus nachdenklichen, humorvollen und poetischen Momenten traf den Nerv des Publikums und schuf Raum für persönliche Begegnungen und Gespräche.
 
 
Eine junge Besucherin beschrieb den Abend als „inspirierend und energievoll“. Wie sehr die besondere Stimmung die Anwesenden berührte, zeigte sich auch darin, dass sich eine ältere Besucherin spontan dazu ermutigt fühlte, aus Schillers Bürgschaft zu zitieren – ein eindrucksvoller Moment gelebter Kultur und Gemeinschaft.
 
Die Veranstaltung war zugleich Ausdruck eines größeren Anliegens: Der Pfarrgarten von St. Konrad und Elisabeth hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wertvollen Begegnungsort im Stadtteil entwickelt. In einem Quartier, das über vergleichsweise wenige Grün- und Aufenthaltsflächen verfügt, bietet das Gartenprojekt Familien, Kindern, Seniorinnen und Senioren sowie Nachbarinnen und Nachbarn ein Ort für alle. Unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten ermöglicht er so Teilhabe, Begegnung und intergenerationales Lernen.
 
 
Hier entstehen niedrigschwellig Bildungsangebote, gemeinschaftliche Aktionen und Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebensgeschichten. Viele der Besucherinnen und Besucher haben sonst nur wenige oder gar keine Berührungspunkte mit Kirche. 
 
Besonders deutlich wird dies auch beim regelmäßigen Angebot „Morgenglück“, bei dem Seniorinnen und Senioren zusammenkommen, Gemeinschaft erleben und den Garten als Ort des Austauschs und der Lebensfreude nutzen. So wird der Pfarrgarten zu einem Stück gelebter Nachbarschaft.
 
 
„Poesie im Pfarrgarten“ zeigte eindrucksvoll, dass Kirche nicht nur innerhalb von Gebäuden stattfindet. Wo Menschen zusammenkommen, einander zuhören, Hoffnung teilen und gemeinsam die Schönheit des Augenblicks entdecken, geschieht auf besondere Weise auch Gottesdienst. Der Pfarrgarten von St. Konrad und Elisabeth ist damit weit mehr als eine Grünfläche – er ist ein Ort der Begegnung, der Bildung, der Kultur und des gelebten Glaubens mitten im Stadtteil.
 
(Mareike Lauer)