Ringsheim. Beim Festgottesdienst zum Ortsjubiläum „800 Jahre Ringsheim“ hat Erzbischof Stephan Burger am Samstagabend (27. Juni) den Menschen Mut für die Zukunft zugesprochen. Auf die Bergbau-Geschichte des Ortes bezogen, rief er dazu auf, im Herzen nach Gott zu graben und zu suchen. „Lass dich durch nichts beirren und du wirst jenes Erz in dir zu Tage fördern, das allen Aufwand lohnt, nämlich jene Liebe, die aus Gott kommt und die dich befähigt, selbst zum Sakrament der Liebe für andere zu werden.“
Für den Festgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist hatten die örtliche Musikkapelle und der Kirchenchor gemeinsam mit dem Organisten die musikalische Gestaltung lange vorbereitet, auch die Einladung des Erzbischofs durch Bürgermeister Pascal Weber liegt schon zwei Jahre zurück. Weber trug am Samstagabend die Lesung vor, Vertreter von Gemeinderat und Kirche sprachen Fürbitten. Das Datum des Festgottesdienstes fällt auf das Wochenende nach dem „Johannitag“ – somit wurde das Ringsheimer Patrozinium (St. Johannes) mitgefeiert.
Unabhängig davon, was historisch über die Gründungsgeschichte der Gemeinde belegbar ist, sei die Botschaft des Evangeliums im Ort angekommen, habe sich hier verstetigt und das Leben der Menschen nachhaltig geprägt, sagte Burger in seiner Predigt. Doch würden die Gedanken noch die gegenwärtige Zeit und das gesellschaftliche Miteinander prägen, dass Gott seinen Sohn als Erlöser gesandt hat?, fragte er. Vielmehr kämen zunehmend Verzweiflung und Pessimismus auf, führte der Erzbischof aus. Als Beispiele listete er verschiedene aktuelle Konflikte und Kriege, Umweltkatastrophen oder auch ein verstärktes völkisch nationales Gedankengut auf.
Auch das Vertrauen in die Kirche sei durch verschiedene Skandale erschüttert und ein Erosionsprozess beschleunigt worden. Dennoch gibt sich der Erzbischof nicht pessimistisch: „Weil vor über 2000 Jahren sich einer daran gemacht hat, gerade in diese zerrissene und zerrüttete Welt zu kommen, um ihr einen Ausweg aus der gesamten Welt-Misere zu verschaffen. Weil sich uns in Jesus Christus ein Gott geoffenbart hat, der zu uns Menschen sagt: Ich stehe zu Euch, trotz allem, was Euch an Leid und Not widerfährt.“
Und die Geschichte der Kirche habe in unzähligen Gläubigen und Heiligen vor Augen geführt, dass wir Menschen im Stande sind, dieser Botschaft zu folgen, sie zu leben und diese Welt zum Guten zu verändern, sagte Burger. „Die Geschichte von Ringsheim und der Menschen, die hier lebten und leben, hat doch gezeigt und unter Beweis gestellt, was es heißt, den Dingen auf den Grund zu gehen.“ Zeichenhaft stehe der Bergbau, der den Ort in der Vergangenheit geprägt hat. Bergleute könnten sich aufeinander verlassen. „Das Miteinander als Lebensversicherung, das Vertrauen ineinander als Überlebenskunst, das Einstehen füreinander als Garant für das Leben selbst. Kurzum, diese Haltung liefert das beste Verständnis, wie christliches Leben sich versteht.“ Es gelte zugleich, sich die christliche Grundhaltung neu anzueignen. So sollten sich die Menschen von Gott leiten lassen: „Gib dich selbst nicht auf und auch nicht den anderen, der dir täglich zum Nächsten wird.“
(mf)