80. Wallfahrt der Heimatvertriebenen in Walldürn

21.06.2026 | Weihbischof Birkhofer hebt Engagement für Versöhnung, Vertrauen und Frieden hervor

Walldürn. Zur Feier des 80. Wallfahrtsjubiläums der Heimatvertriebenen in Walldürn am Sonntag (21.06.) sprach Weihbischof Dr. Peter Birkhofer über das damit verbundene Zeichen mit- und untereinander. „Grenzen sind für Christen keine Grenzen. Wir stehen in Verbindung zu Gott und sind Schwestern und Brüder in Jesus Christus.“ 80 Jahre Vertriebenenwallfahrt nach Walldürn lege Zeugnis ab vom Vertrauen auf Gott und einem großen Engagement für Versöhnung, Vertrauen und Frieden, sagte Birkhofer.
 
Vor 80 Jahren, im Jahr 1946, fand die erste Wallfahrt der Heimatvertriebenen in Walldürn statt. Tausende Menschen kamen Anfang Juli 1946 zusammen, die im Krieg alles verloren hatten, in ihrem Glauben jedoch weiterhin verwurzelt waren und Halt fanden. 1946 sei es ein kleines Fest des Wiedersehens, der Familienzusammenführung und der Tröstung gewesen, sagte Weihbischof Birkhofer. „Durch die Heimat im Glauben, die uns niemand nehmen kann, bekräftigte die Wallfahrt damit auch eine Heimat in der Welt: Durch die kirchliche Heimat konnte durch die vielen Begegnungen auch immer ein Stück weltliche, ehemalige Heimat in die neue Umgebung zurückgeholt werden.“
 
Die aktuelle Weltlage sei leider immer noch von Kriegen, Gewalt, Ungerechtigkeiten und extremen Wetterereignissen geprägt. „Sie zwingt die Millionen von Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen und anderswo Zuflucht zu suchen.“

Erinnerung und Dankbarkeit

„Das heutige Wallfahrtsjubiläum ist Anlass zur Erinnerung und Dankbarkeit“, sagte Helmut Hozy, früherer Hauptamtsleiter der Stadt Walldürn in seiner Rede zum Jubiläum. Er hatte über vier Jahrzehnte die Koordination der Wallfahrt zwischen Stadt, Pfarrgemeinde und Ackermann-Gemeinde übernommen. „80 Jahre sind vergangen, als die Heimatvertriebenen zur ersten Wallfahrt 1946 nach Walldürn kamen. Sie hatten Eigentum und Heimat verloren, unermessliches Leid und Entbehrungen zeichneten diese Menschen. Und dennoch gestärkt in ihrem Glauben bauten sie Neues auf, engagierten sich im sozialen, kirchlichen und politischen Leben der Bundesrepublik Deutschland.“
 
„Die Integration der Heimatvertriebenen gilt heute als eine der größten sozialen Leistungen“, betonte Hozy. „Die Ackermann-Gemeinde hat dazu wesentlich beigetragen durch Verständigung und Dialog, ohne das Vergessen der Vergangenheit.“
 
Die Ackermann-Gemeinde ist ein Zusammenschluss katholischer Heimatvertriebener aus dem Sudetenland und wurde 1949 formell gegründet. Sie engagiert sich für Integration, Versöhnung und Dialog mit Tschechien und den Völkern Ostmitteleuropas. Weitere Informationen: www.ackermann-gemeinde-freiburg.de.

Hintergrund 

(Auszüge aus der Festschrift zum Jubiläum 80 Jahre Wallfahrt der Heimatvertriebenen, erstellt von Helmut Hozy):
„Nach dem 2. Weltkrieg wurden 1945/1946 13,8 Mio. Deutsche aus den Ostgebieten des Reiches, aus dem Sudetenland, aus Ungarn und anderen Siedlungsgebieten Südosteuropas vertrieben. 2,3 Mio. Menschen kamen dabei um.  1946 trafen sich am Fest Mariä Heimsuchung (2. Juli) zum ersten Mal tausende von Heimatvertriebenen zur Wallfahrt in Walldürn. Initiatoren waren Pfarrer Heinrich Magnani (Hettingen), Fritz Baier aus dem Egerland und Augustiner Pater  Dr. Paulus Sladek (früher Prag). Pfarrer Magnani war Vorsitzender des Kreis-Caritasverbandes Buchen und hatte die geistliche Betreuung der Heimatvertriebenen im Durchgangslager Klinge Seckach übernommen. Den dort ankommenden Vertriebenen sprach er Trost zu und spendete Zuversicht.“
 
„Die Heimatvertriebenen haben ihr Gelöbnis, das sie 1946 an der Gnadenstätte zum Heiligen Blut in Walldürn ablegten, eingelöst. Die Erlebnis-Generation der Vertriebenen ist weitgehend verstorben. Was jedoch bleibt, ist die Erinnerung der Nachkommen an die alte Heimat ihrer Eltern und Großeltern und der Auftrag, weiterhin an den christlichen Werten festzuhalten.“
 
 
(mf)