Rheinstetten und Palca - die älteste Partnerschaft der Erzdiözese Freiburg
11.06.2026 |
Fast ein halbes Jahrhundert gelebter Freundschaft und Solidarität
Wenn im März der Palca-Sonntag gefeiert wird, spürt man in Rheinstetten wie in Palca dasselbe: das Herz schlägt für die Gemeinschaft, der Glaube verbindet Menschen über Kontinente hinweg. Lieder werden gesungen, Gebete gesprochen, Geschichten ausgetauscht – und mittendrin der Gedanke: Wir gehören zusammen, trotz tausender Kilometer und unterschiedlicher Lebenswelten.
Die Partnerschaft zwischen der Pfarrgemeinde Rheinstetten und Palca in Peru ist die älteste der Erzdiözese Freiburg. Sie begann 1978, lange bevor Freiburg offiziell eine Partnerschaft mit der Kirche Perus einging – Rheinstetten war damit seiner Zeit voraus.
Palca liegt auf fast 3000 m Höhe in den Anden bei Tarma und doch fühlt sich die Verbindung zu Rheinstetten ganz nah an. Die rund 15 Dörfer der Gemeinde erstrecken sich bis auf 4500 m, und jede Begegnung, jeder Besuch ist ein Abenteuer, das zugleich Brücken zwischen den Menschen baut – im wahrsten Sinne des Wortes.
Seit 1997 wird die kirchliche Partnerschaft auch durch eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen Rheinstetten und Palca flankiert. Die Initiative für eine Partnerschaft entstand damals im Pfarrgemeinderat , dem damals Gerd Waidner vorstand. 1978 reiste er selbst und seine Frau Fridhild Waidner nach Peru, um eine mögliche Partnerschaft mit Peru auszuloten und stieß dabei über einen ehemaligen Internatsfreund auf das Dorf Palca in den Anden bei Tarma, das damals noch ohne Strom, Wasser und Abwasseranschluss auskommen musste. Doch schon von Beginn an war klar: Partnerschaft bedeutet mehr als materielle Hilfe.
1980 folgte die erste Delegationsreise mit Pfarrer Kohler, bei der symbolisch der Schlüssel des Dorfes übergeben wurde. Seitdem lebt die Verbindung durch regelmäßige Besuche, regen Austausch und gemeinsame Projekte, die von der Dorfgemeinschaft selbst getragen werden – von Bewässerungsanlagen, Brückenbau, ökologischem Landbau und Schulerweiterungen. Über einen speziellen Fond wird Hilfe bei Krankheit und sonstigen Notfällen geleistet sowie besonders bedürftigen Jugendlichen zu einer Ausbildung verholfen – als Start in ein würdiges Leben.
Die Verbesserung der gesundheitlichen Situation in Palca war ein besonderes Anliegen in der Partnerschaftsarbeit, vor allem auch vor dem Hintergrund eines defizitären Gesundheitssystems, welches in abgelegenen Gegenden kaum. Zunächst ging es um die Anwendung und die Wertschätzung einheimischer Pflanzentherapien. So sollte zum Beispiel Uña de gato (Katzenkralle) stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden. Inzwischen hat sich eine gibt es eine Gruppe von Menschen aus verschiedenen Dörfern gebildet, die mit homöopathischen Mitteln behandeln kann. Sie trifft sich regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen und ihr Wissen zu vertiefen. Die Mittel können mittlerweile sogar in Lima erworben werden. Da eines der zur Pfarrei Palca gehörenden Dörfer in der Selva liegt, spielt auch der Schutz vor dem Dengue-Fieber eine wichtige Rolle. Hierfür werden ebenfalls homöopathische Mittel eingesetzt, deren Anwendung vor Ort positive Resonanz findet. Die Verteilung übernimmt das Comité de Amistad y Solidaridad in Palca.
Doch es sind nicht nur Projekte, die die Partnerschaft ausmachen. Es ist das Miteinander:
Die Menschen in Palca zeigen z.B., wie wichtig „Faena“ ist – gemeinschaftliche Arbeit, bei der jeder anpackt und Verantwortung übernimmt. Die Rheinstettener Geschwister werden in die vielfältigen Aktivitäten einbezogen, Ideen werden vorab diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht.
Die Partnerschaft wird sichtbar und erfahrbar bei Palca-Sonntagen, Stadtfesten und verschiedenen Aktivitäten in Rheinstetten. Dabei spielt auch bei uns das gemeinsame „Anpacken“ eine wichtige Rolle – etwa beim Zubereiten und Teilen von Empanadas (Teigtaschen mit Käse), die inzwischen in der ganzen Gemeinde heiß begehrt sind. Doch diese stehen stellvertretend für weit mehr: für gelebten Austausch und die Verbundenheit zwischen den Menschen in Palca und Rheinstetten – ein Beispiel dafür, wie gegenseitige Unterstützung und persönlicher Kontakt Menschen über Kontinente hinweg verbinden – und das seit fast 50 Jahren.