Solidarität und Unterstützung in Krisenzeiten: Mit 11,7 Millionen Euro hat das Bonifatiuswerk im vergangenen Jahr Christinnen und Christen in der deutschen, nordeuropäischen und baltischen Diaspora unterstützt. Damit hat sich die Fördersumme im Vergleich zum Vorjahr um rund 1,3 Millionen Euro (+13,2 Prozent) erhöht. Mit dieser Summe wurden 989 Projekte in Regionen gefördert, in denen Katholikinnen und Katholiken ihren Glauben in einer Minderheitensituation leben. Diese Zahlen präsentierte das Bonifatiuswerk am Dienstag bei der Vorstellung des Jahresberichtes gemeinsam mit Bischof Dr. Dominicus Meier OSB in Osnabrück.

Haben den Bonifatiuswerk-Finanzbericht vorgestellt: Osnabrücks Bischof Dr. Dominicus Meier OSB (Dritter von links) mit Bonifatiuswerk-Generalsekretär Msgr. Georg Austen (Zweiter von links) sowie (von links) Personalstelleninhaberin Rebecca Lögers da Silva, Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller, Bonifatiuswerk-Geschäftsführer Ingo Imenkämper, Inga Schmitt, Pastoralreferentin für Glaubenskommunikation im Bistum Osnabrück, Domkapitular Dr. Martin Schomaker, Vorsitzender des diözesanen Bonifatiuswerkes im Bistum Osnabrück, sowie Zsofi Ketz und Anja Breer vom Projekt „Trude lädt ein“, Dr. Martina Kreidler-Kos, Leiterin des Seelsorgeamts im Bistum Osnabrück, und Hajo Klanke vom Projekt „Trude lädt ein“.
„Wir stecken mitten in einer großen Umbruchphase, die auch die Kirchen betreffen“, sagte Bonifatiuswerk-Generalsekretär Monsignore Georg Austen. Hier gelte es Stabilität zu gewährleisten und weiterhin als verlässlicher Partner an der Seite der Diözesen und Gemeinden in den Fördergebieten zu stehen. „In den kommenden Jahren sehen wir einen Schwerpunkt für uns darin, die Transformationssprozesse in den Bistümern und Gemeinden noch intensiver als bislang zu begleiten und zu unterstützen“, kündigte Monsignore Austen an. Trotz der Umbrüche zeige sich in den sozialen und karitativen Initiativen und Projekten, die das Hilfswerk unterstützt, dass Kirche dort lebendig sei, wo sie kreativ und im Geist des Evangeliums auf Menschen zugehe und auskunftsfähig über die Inhalte des christlichen Glaubens sei.
Dafür stehen auch die 227 Projekte, die sich 2025 für den »Bonifatiuspreis für missionarisches Handeln« beworben hatten – ein Rekordwert. „Diese Projekte und Initiativen sind die Kirche von heute für morgen: geistlich, nah, kreativ und voller Hoffnung. Sie erinnern uns daran, dass Kirche nicht nur ein Gebäude aus Stein ist, sondern gelebter Glaube, der sich in Beziehungen, Offenheit und Fürsorge zeigt.“ Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt werde auch künftig auf der Auseinandersetzung mit pastoralen Fragen rund um die Kirchenmitgliedschaft liegen, zu dem das Hilfswerk bereits eine pastorale Arbeitshilfe mit dem Titel „drinnen. draußen. (n)irgendwo?“ veröffentlichte. 2025 fand dazu ein internationaler Studientag statt. Auch beim Katholikentag in Würzburg setze das Bonifatiuswerk zu diesem Thema einen inhaltlichen Schwerpunkt.
Im Erzbistum Freiburg hat das Bonifatiuswerk im vergangenen Jahr Projekte mit einer Gesamtsumme von knapp 39.000 Euro gefördert. Mit dem Geld wurden sieben Projekte unterstützt – zwei im Bereich Kinder- und Jugendhilfe sowie fünf im Bereich Glaubenshilfe. Zu den besonders kreativen Förderprojekten zählte der Song-Contest „Credo·Collab“ – eine gemeinsame Initiative der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Gesucht wurden Pop-Artists, die sich mit dem christlichen Glaubensbekenntnis in eigenen Songs auseinandersetzen. Gefördert wurde das Format mit mehr als 13.000 Euro aus den Mitteln der Bonifatiuswerk-Glaubenshilfe.

Dass nach 2024 erneut mehr Geld für die Projektförderung bereitgestellt werden konnte, liegt unter anderem an den um fast 30 Prozent gestiegenen Mitteln des Diaspora-Kommissariats der deutschen Bischöfe. Die Einnahmen aus Kollekten, die sich auf mehr als 4,5 Millionen Euro belaufen (+5,3 Prozent), sind ebenso gestiegen wie die Einnahmen aus Erbschaften (+3,1 Prozent). „Trotz wirtschaftlich herausfordernder Rahmenbedingungen sind wir mit dem vergangenen Jahr zufrieden. Den Menschen, die unsere Arbeit unterstützen und uns über ihren Tod hinaus ihr Vermögen zur Verfügung stellen, sind wir sehr dankbar“, betonte Bonifatiuswerk-Geschäftsführer Ingo Imenkämper.
Osnabrücks Bischof Dr. Dominicus Meier OSB bedankte sich bei dem Hilfswerk für die Unterstützung. Das Bonifatiuswerk sei für die katholische Kirche im Bistum Osnabrück ein wichtiger und zuverlässiger Partner. In den vergangenen zehn Jahren hat das Hilfswerk dort 102 Projekte mit mehr als 1,6 Millionen Euro gefördert, darunter neun BONI-Busse, die aus dem Gemeindeleben nicht mehr wegzudenken seien. „Das Bonifatiuswerk unterstützt Bistümer und Gemeinden, wenn sich Situationen verändern, wenn es um Innovation geht und wenn wir neue Antworten auf die Fragen der Menschen brauchen“, betonte Bischof Dominicus Meier. Dies betrifft auch den Baubereich: So zum Beispiel aktuell in Emlichheim an der Grenze zu den Niederlanden. In der Pfarrei St. Joseph wurde das bisherige Gemeindehaus in die Pfarrkirche integriert, um Kirche und Gemeindeleben künftig flexibel unter einem Dach zu vereinen. Das vom Bonifatiuswerk mit 90.000 Euro geförderte Projekt reagiert auf sinkende Gottesdienstbesucherzahlen und hohe Unterhaltungskosten mit einem zukunftsweisenden Raumkonzept.
Im Bereich Bauhilfe sind 2025 im gesamten Fördergebiet des Bonifatiuswerkes 69 Projekte mit mehr als drei Millionen Euro vom Bonifatiuswerk unterstützt worden. Ein wichtiges Projekt ist auf den norwegischen Lofoten geplant. Dort muss die 200 Jahre alte Holzkirche dringend saniert werden. Ohne diese Maßnahme, die vom Bonifatiuswerk mit 25.000 Euro gefördert wird, könnte die behördliche Schließung drohen. Die Kirche der Heiligen Familie ist das älteste Gebäude auf der Inselgruppe. Auf einer Fläche von 1.200 Quadratkilometern leben etwa 23.000 Menschen. Die katholische Gemeinde auf den Lofoten ist klein und verstreut. Der Anteil an der Bevölkerung beträgt nur 1,6 Prozent. Manche Gläubige fahren stundenlang, um am Gottesdienst teilzunehmen.

Auf den norwegischen Lofoten muss die 200 Jahre alte Holzkirche dringend saniert werden. Die Kirche der Heiligen Familie ist das älteste Gebäude auf der Inselgruppe. Ohne diese Maßnahme, die vom Bonifatiuswerk mit 25.000 Euro gefördert wird, könnte die behördliche Schließung drohen.
Im Bereich Kinder- und Jugendhilfe wurden im vergangenen Jahr 796 Projekte mit fast 1,7 Millionen Euro unterstützt. 102 Initiativen im Bereich Glaubenshilfe wurden mit rund 750.000 Euro gefördert. Aus dem Budget der Verkehrshilfe stellte das Bonifatiuswerk rund 584.500 Euro für die Anschaffung von 22 BONI-Bussen zur Verfügung. Eine weitere wichtige Fördersäule des Spendenhilfswerks sind missionarische Personalstellen. Sie sind auch auf nichtkirchliche Zielgruppen ausgerichtet, sollen pastorales Neuland betreten oder ehrenamtliches Engagement in Gemeinden fördern. 2025 wurden vier solcher Stellen mit einem Gesamtvolumen von 330.000 Euro bewilligt.
Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller erklärte, dass sich das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität seit jeher als Möglich-Macher, Brückenbauer und Impulsgeber verstehe. „Wir wollen die Kirche in ökumenischer Verbundenheit als einen offenen und einladenden Ort gestalten, Atemräume des Glaubens unterstützen und innovative sowie bewährte Wege gehen“, sagte Müller. Mit Sorge blicken das Bonifatiuswerk und die Kirchen indes auf den Ausgang der Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin. „Es gibt Kräfte, die das Fundament unserer Gesellschaft aushöhlen wollen. Die AfD in Sachsen-Anhalt will etwa bei einer Regierungsübernahme die Zahlung der Staatskirchenleistungen verändern. Derlei Ansinnen unterschlägt, dass die Kirchen mit dem Geld vom Staat viele Schulen, Kindergärten sowie Jugendhilfeeinrichtungen und Bildungshäuser betreiben – Einrichtungen, die auch das Bonifatiuswerk unterstützt. Die Kirchen erfüllen damit eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe. Die AfD will hingegen einen anderen Staat. Wir setzen uns daher mit Herz und Haltung für Demokratie und Nächstenliebe ein.“
Den kompletten Jahresbericht 2025/2026 finden Sie auf der Internetseite des Bonifatiuswerkes unter: www.bonifatiuswerk.de/de/download/
Infokasten
Das Bonifatiuswerk ist das Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität. Es wurde 1849 in Regensburg gegründet und unterstützt katholische Christinnen und Christen dort, wo sie in einer extremen Minderheitensituation, in der Diaspora, ihren Glauben leben. Mit seiner Bau-, Verkehrs-, Kinder- und Glaubenshilfe fördert das Spendenhilfswerk Projekte in Deutschland, Nordeuropa sowie Estland und Lettland.
(Matthias Band/Bonifatiuswerk)