
Auch das Lied zum Feiertag „Gott sei gelobet und gebenedeiet“ lädt zu einer Wanderung ein. Starten wir mit einem Orgelstück zum Lied von Heinrich Scheidemann. Da wandern die Füße des Organisten durch den Choral. Man hört das gut, weil es dann immer in den Tiefen, im Pedalwerk der Orgel, laut und kräftig wird. Vielleicht erkennen Sie ja sogar die Melodie!
Musik 1: Heinrich Scheidemann: Choralbearbeitung für Orgel
Gott sei gelobet und gebenedeiet,
der uns selber hat gespeiset
mit seinem Fleische und mit seinem Blute,
das gib uns, Herr Gott, zugute.
Kyrieleison.
Herr, du nahmest menschlichen Leib an,
der von deiner Mutter Maria kam.
Durch dein Fleisch und dein Blut
hilf uns, Herr, aus aller Not.
Kyrieleison.
Von der festlichen Orgelmusik führt uns unsere Fronleichnamswanderung jetzt weit zurück, nämlich ins 13. und 14. Jahrhundert. Aber es wird interessant! Damals war die Liturgie vorwiegend lateinisch, auch am Fronleichnamsfest, das Papst Urban IV. im Jahr 1264 für die gesamte Kirche eingeführt hatte. Das Fest erinnert an das Abendmahl Jesu am Gründonnerstag. Im Mittelpunkt steht aber jetzt, mitten im Sommer, nicht die Leidensgeschichte Jesu, sondern die Freude über das Geschenk von Brot und Wein aus Jesu Händen.
Musik 2: Kanon instrumental
An diesem neuen Feiertag – wir sind immer noch im 14. Jahrhundert - stimmt die Schola gregoriana den vielstrophigen Gesang Lauda Sion salvatorem (Lobe Zion, deinen Hirten) an. Der mittelalterliche Theologe und Kirchenlehrer Thomas von Aquin hat die Worte eigens für das neue Fest gedichtet. Daran gefällt mir, dass der große Theologe nicht nur Bücher mit tausenden von Seiten für die Gelehrten verfasst hat, sondern auch Liedtexte, die bis heute von vielen gesungen werden! Wenn dann noch eine gute Melodie dazukommt, deren Komponist wir leider nicht kennen, dann bringt das die Worte in Schwung, so dass wir mit diesem musikalischen Rückenwind gleich weiterwandern können.
Musik 3: Lauda Sion gregorianisch
Er ist uns im Brot gegeben,
Brot, das lebt und spendet Leben,
Brot, das Ewigkeit verheißt,
Brot, mit dem der Herr im Saale
dort beim österlichen Mahle
die zwölf Jünger hat gespeist.
Auf der nächsten Etappe unserer frühmorgendlichen Wanderung mit Musik zum Fest Fronleichnam kommt es zu einer schönen Begegnung. Jetzt sind wir schon im 15. Jahrhundert bei einer Fronleichnamsprozession im Schwäbischen. Der Chor, der für den liturgisch-lateinischen Gesang zuständig ist, singt das „Lauda Sion“, wie wir es gerade gehört haben. Zwischen diesen Versen aber stimmen die Schulkinder immer wieder deutschsprachige Strophen an. Sie singen „Gott sei gelobet und gebenedeiet“, der Titel unseres Liedes zum heutigen Feiertag. Woher wissen wir das? Es steht sehr genau in einer Schulordnung im schwäbischen Crailsheim. Da ist zu lesen: „Es folgt das lobwürdige Fest Fronleichnam, bei welchem das Lauda Sion gesungen wird, zu dem ein volkstümlicher Gesang hinzutritt: Gott sei gelobet und gebenedeiet.“ Etwa so könnte es geklungen haben:
Musik 4 und 5:
Schola gregorianisch „Lauda Sion“, dann Kinderchor Borken aus www.katholisch.de
Schola gregorianisch „Lauda Sion“, dann Kinderchor Borken aus www.katholisch.de
Lateinisch und deutsch sind hier friedlich vereint! Eine solche Eintracht wünsche ich mir bei manchen kirchlichen Auseinandersetzungen heute. Eine versöhnte Verschiedenheit sollte es auch bei den musikalischen Stilen geben. Ob klassisch oder Gospel oder Lobpreis. Und es sollte sie ökumenisch geben, mit der Gastfreundschaft beim Abendmahl, auch und gerade an Fronleichnam. Jesus hat uns doch verheißen, „dass alle eins sind“. Mich schmerzt es, dass Christen das nicht umsetzen. Aber das Lied zum Feiertag erinnert uns heute daran, dass das anders werden muss.
Musik 6 – instrumental wie Musik 2
Gehen wir noch einen Schritt weiter auf unserer Liederwanderung. Das Lied „Gott sei gelobet und gebenedeiet“ wird bald in allen Konfessionen gesungen. Warum aber ist Fronleichnam bis heute ein typisch katholisches Fest? Dazu müssen wir gedanklich in die Reformationszeit wandern. Da begegnet uns Martin Luther in Wittenberg. Er findet es gut, dass das Fronleichnamsfest abgeschafft wird! Denn ihm gefällt es nicht, dass die geweihte Hostie als Leib des Herrn durch die Straßen getragen wird ohne den Wein, der doch das Blut des Herrn ist.
Aber das Lied „Gott sei gelobet und gebenedeiet“, das will Martin Luther nicht aufgeben. Er nennt es lobend „ein christlich rein und fein Bekenntnis“. Und dann findet der Reformator eine perfekte Lösung für das Lied. Er war ja musikalisch sehr begabt, er konnte singen, die Laute spielen und etwas komponieren. Also formt Martin Luther das alte Fronleichnamslied zu einem neuen Abendmahlslied um, das ganz oft gesungen werden kann. Heute ist das Lied ein musikalischer Baustein für die geeinte Kirche, so wie Jesus sie will. Der Segen Gottes dafür ist schon da!
Musik 7: Jonathan R. Brell: Gott sei gelobet und gebenedeiet; Leitung: Klaus-Martin Bresgott
Gott geb uns allen seiner Gnade Segen,
dass wir gehn auf seinen Wegen
in rechter Lieb und brüderlicher Treue,
dass uns die Speis nicht gereue. Kyrieleison.
Jetzt sind wir auf unserer Lied-Wanderung in der Gegenwart angekommen. Die dritte Strophe ist mein persönliches Motto heute. Da heißt es: „Gott, geb uns allen seiner Gnade Segen, dass wir gehn auf seinen Wegen“. Nachher wird aus dieser fiktiven Wanderung mit unserem Lied zum Feiertag wohl noch eine „echte“ Wanderung. Ich werde an der Fronleichnamsprozession mitlaufen. Und beim Gehen denke ich auch an die vielleicht auch mal schwierigen Wege der nächsten Tage und Wochen. Einen besseren Wunsch als „Gott geb uns allen seiner Gnade Segen“ kann ich mir da kaum vorstellen.
Musik 7 – Fortsetzung Jonathan Brell
Herr, dein heilger Geist uns nicht verlass,
der uns geb zu halten rechte Maß,
dass dein arm Christenheit
leb in Fried und Einigkeit. Kyrieleison.
Einen schönen Feiertag unter Gottes Segen und viel Musik wünscht Ihnen Meinrad Walter aus Freiburg von der katholischen Kirche.
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