
Das brasilianische Ehepaar, das den weiten Weg nach Rom genommen hatte, gehörte dem Laienzweig der Salvatorianer an. Die Mutter hatte ihren Ordensgründer, Pater Jordan, um Fürsprache angerufen, und am 8. September – dem Todestag Pater Jordans – wurde das Mädchen wider alle Erwartung gesund geboren. Ein Wunder war demnach geschehen, einer Seligsprechung Pater Jordans stand nichts mehr im Wege.
Gern stille Orte aufgesucht
Der Seligsprechungsprozess war bereits 1942 eingeleitet worden, 24 Jahre nach dem Tod des Priesters. Unter Papst Franziskus wurde die Heilung des noch ungeborenen Kindes als ein auf Pater Jordan zurückzuführendes Wunder anerkannt und am 15. Mai 2021, genau vor fünf Jahren, wurde der Ordensgründer Franziskus Maria vom Kreuz Jordan SDS aus Gurtweil im Südschwarzwald, Erzdiözese Freiburg, von Kardinal Angelo De Donatis, Generalvikar der Diözese Rom, seliggesprochen.
Die Erstkommunion des Knaben Johann Baptist sei mit einer außergewöhnlichen geistlichen Erfahrung verbunden gewesen, wurde berichtet. Danach sei Jordan wie verwandelt gewesen, habe gerne stille Orte aufgesucht und den Ruf verspürt, Priester zu werden. Nach dem Gymnasium in Konstanz schrieb sich der sprachbegabte junge Mann 1874 an der Universität Freiburg in den Fächern Philologie und Theologie ein. Auch in dieser Zeit, im Sommer 1875, machte er eine tiefe Gotteserfahrung. Fortan drängt es ihn, eine Gemeinschaft ins Leben zu rufen.
Die Nähe zum Papst
Zwei Jahre später – mitten im Kulturkampf zwischen dem preußischen Staat und der römisch-katholischen Kirche – trat er ins Priesterseminar St. Peter im Schwarzwald ein, wo ihn schon die Frage beschäftigte, ob Gott ihn dazu berufen habe, eine apostolische Gemeinschaft zu gründen. Ein Jahr später wurde er zum Priester geweiht. Kurz darauf wurde er zum Studium nach Rom geschickt, wo er sich mit Sprachen des Alten Orients befasste. Eine Reise führte ihn unter anderem in den Libanon und ins Heilige Land.
Von Tag eins an suchte Jordan in Rom die Nähe zu Leo XIII. Der neue Papst war im Februar 1878 gewählt worden, wenige Monate nachdem der damals 29-jährige Jordan in St. Peter ins Priesterseminar eingetreten war. Mehrfach war er in den Folgejahren zur Audienz beim Heiligen Vater. Er verfolgte den Plan, eine neue Gemeinschaft zu gründen, mit dem Ziel, sich dem wachsenden Unglauben, der sich in Europa zeigte, entgegenzustellen. So notiert er eines Tages endlich in sein Geistliches Tagebuch: „Am 6. September 1880 war ich allein in Privataudienz bei Seiner Heiligkeit Papst Leo XIII. wegen der zu gründenden Gesellschaft.“ Er erhielt dessen Segen.
Trotz seiner deutlich spürbaren Berufung durchlitt der junge Jordan immer wieder Phasen der Gottesferne. Vor allem in der Anfangszeit der Ordensgründung plagten ihn Zweifel: Die Versuchung war groß, alles hinzuschmeißen.
Heute gehören den Salvatorianern weltweit rund 2000 Männer und Frauen an. Sie arbeiten in 50 Ländern als Seelsorger, Erzieher, Lehrer und Missionare. In Gurtweil, wo Jordan 30 Jahre seines Lebens verbracht hat, gibt es ein neu gebautes Kloster. Dort sollen Salvatorianer und Salvatorianerinnen sowie salvatorianische Laien Inspiration und Motivation für ihr apostolisches Leben finden.
Johann Baptist Jordan
- 16. Juni 1848: geboren in Gurtweil bei Waldshut
- 1874: Studium der Philologie und Theologie in Freiburg i. Br.
- 1875: tiefe Gotteserfahrung als Student; beginnt sein Geistliches Tagebuch zu schreiben
- 1877: Eintritt ins Priesterseminar St. Peter
- 21. Juli 1878: Priesterweihe
- 2. Dezember 1878: Studienbeginn in Rom
- 1878 bis 1880: mehrere Audienzen bei Papst Leo XIII.
- 1880: Rückkehr von einer Reise ins Heilige Land
- 6. September 1880: Vorstellung seiner Ordenspläne bei Papst Leo XIII. in Rom
- 8. Dezember 1881: Gründungstag des männlichen Zweiges der Salvatorianer (Societas Divini Salvatoris (Gesellschaft des Göttlichen Erlösers))
- 1884: Gründung des „Schutzengelbündnisses“ für Kinder
- Seit 1890: Ausdehnung des Ordens zunächst nach Assam, dann in mehreren Ländern Europas und Nord- und Südamerikas
- 1915: Verlegung des Hauptsitzes des Ordens nach Fribourg/Schweiz, Rücktritt von der Leitung der Gesellschaft
- 8. September 1918: Tod in Tafers bei Fribourg
- 1942: Beginn des Seligsprechungsprozesses
- 1981: Geistliches Tagebuch erscheint in deutscher Sprache (2006 in neuer Fassung)
- 19. März 1999: Papst Johannes Paul II. betet am Grab Pater Jordans
- Januar 2011: Papst Benedikt XVI. anerkennt Jordan als verehrungswürdigen Diener Gottes
- 19. Juni 2020: Papst Franziskus erkennt ein auf Pater Jordan zurückgeführtes Wunder an
- 15. Mai 2021: Seligsprechung in Rom; das Fest des Seligen ist am 21. Juli
(asc)