SWR Kultur Wort zum Tag mit Alexander Foitzik von der Katholischen Akademie Freiburg

09.05.2026 | Der Europatag – ein Tag der Hoffnung

Der heutige Tag wird als „Europatag“ begangen. Er erinnert an die so genannte „Schuman-Erklärung“ am 9. Mai 1950. Der damalige französische Außenminister Robert Schuman hat an diesem Tag vor 76 Jahren seinen Plan vorgestellt: für die so genannte „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“. Damit war der Grundstein gelegt für die Europäische Union, wie wir sie heute kennen.
 
Ich finde das immer wieder zutiefst beeindruckend: Welche
unbeschreibliche Hoffnung, welche Zuversicht Politiker wie Robert Schumann damals getragen haben muss - gerade einmal fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.
 
Niemand konnte wissen, wie dieses europäische Projekt ausgeht. Ob es möglich sein wird, Erbfeindschaften und den unheilvollen Nationalismus zu überwinden. Blauäugig optimistisch aber war diese Gründergeneration sicherlich nicht.
 
„Was ist los mit Dir, Europa?“ hat Papst Franziskus laut und vernehmlich gerufen.
Vor zehn Jahren hat er den „Karlspreis“ der Stadt Aachen erhalten; eine besondere Auszeichnung für diejenigen, die sich um ein friedliches und geeintes Europa besonders verdient gemacht haben.
 
In seiner Dankesrede hat Franziskus dazu aufgefordert, sich an die Gründerväter und deren Ideale zu erinnern.
 
Eindringlich hat Papst Franziskus gefragt, angesichts des häufigen Abgesangs auf ein friedliches und geeintes Europa: „Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit?“
 
Auch in diesem Jahr steht der Europatag wieder unter zum Teil bedrückenden Vorzeichen: Da tobt ein Krieg auf europäischem Boden, im „humanistischen Europa“ suchen Menschen wieder in nationalistischen, autoritären und freiheitsfeindlichen Gedanken-Konstrukten Zuflucht und Heil. Und auch unter Christinnen und Christen gibt es durchaus Europaskeptiker und Europagegner. 
 
Ermutigen wir uns heute doch gegenseitig: In dem wir uns erinnern, wie Papst Franziskus es gesagt hat:
„Die Kreativität, der Geist, die Fähigkeit, sich wieder aufzurichten und aus den eigenen Grenzen hinauszugehen, gehören zur Seele Europas“.
 
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