Freiburg. Sich einbringen, selbst Initiative ergreifen und diskutieren statt lamentieren: Die neue „Initiative Demokratie“ in der Erzdiözese Freiburg setzt auf vielfältige Beteiligungsformate. Wählerinnen und Wähler haben die Wahl – die Bandbreite reicht von der Schreibmaschinenaktion über „Pizza trifft Politik“ bis zu Austausch-Foren und weiteren Veranstaltungen.
Was treibt die Bürgerinnen und Bürger um? Was wünschen sich die Menschen von der Landesregierung? Wo drückt der Schuh? Antworten darauf sollen auf Postkarten an die zukünftige Landesregierung stehen. Das Bildungswerk der Erzdiözese ist hierzu vor Ort – und das mit einer Schreibmaschine. „Jede Stimme ist wichtig. Deswegen kommen wir vor Ort und schreiben sie auf“, erklärt Barbara Ehrensberger, Fachreferentin für Demokratiebildung im Bildungswerk. „Wir möchten Menschen ermutigen, ihre Ansichten und Wünsche in Bezug auf Politik und Gesellschaft zu äußern. Besonders liegt uns am Herzen, Stimmen in den politischen Prozess einzubringen, die sonst nicht gehört werden.“ Genauso wichtig wie die Postkarten, die dabei entstehen, seien die Gespräche dazu. Denn: Demokratie geschieht in Begegnung und im Gespräch, unterstreicht das Bildungswerk.
Die Anliegen vor Ort
Der Familienbund der Katholiken in der Erzdiözese Freiburg ist als Dachverband eingebunden. Gemeinsam werden alle getippten Postkarten gesichtet und wichtige Themen herausgearbeitet. Zusammen mit dem Bildungswerk werden die Postkarten nach der Landtagswahl an die gewählten Parteien übergeben. Damit sollen die Anliegen der Menschen während der Koalitionsverhandlungen präsent sein. Bei den schon realisierten Terminen wurden laut Lucia Gaschick vom Familienbund Anliegen und Wünsche der Menschen deutlich. „Sie erzählen, wo sie mit der Landespolitik unzufrieden sind, wo sie gerne etwas ändern möchten oder auch einfach, welche Positionen sie zu diesen oder jenen gesellschaftlichen und politischen Themen haben.“
Die Schreibmaschinenaktion findet im Februar öffentlich an folgenden Orten statt: Am 24. Februar im Bildungszentrum Waldshut, am 28. Februar in der Stadtbibliothek Offenburg und am 3. März in der Fußgängerzone Offenburg. Darüber hinaus in einer Reihe nicht öffentlicher Veranstaltungen, zum Beispiel: Stadtteilbüros, Frauentreffs, Neue Arbeit und Berufsbildungswerk. Außerdem befinden sich beim Familienbund noch weitere in Planung.
„Pizza trifft Politik“
An rund einem Dutzend Standorten von Mannheim über Lahr bis nach Konstanz wird das Format „Pizza trifft Politik“ vom Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg unterstützt. Auch hier geht es darum, die Menschen zu beteiligen. Wahlanalysen haben gezeigt, dass Menschen in prekären Lebenslagen angesichts ihrer geringeren Wahlbeteiligung im Wahlergebnis unterrepräsentiert sind, wie die Bertelsmann-Stiftung aufzeigt. Daher sind der Caritas örtliche Beteiligungsformate wichtig. So soll einer Abkehr von der Politik durch ein Fernbleiben von der Wahlurne entgegengewirkt werden. Bei „Pizza trifft Politik“ finden sich kreative Ideen, die über reine Info- und Diskussionsrunden mit Kandidaten hinausgehen – wie ein Filmabend für Erstwähler in Mannheim, ein Info-Stand auf dem Waldshuter Wochenmarkt mit Pizza aus dem eigenen Ofen bis zum Format „Politik in den Tafeln – Wir reden mit“ am Hochrhein.
Weitere Veranstaltungen
Die „Initiative Demokratie“ verweist zudem auf eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen, die vor der Landtagswahl noch anstehen. Der Frage, ob sich die Demokratie überlebt hat, geht Professor Dr. Michael Wehner von der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg am Freitag, 6. März, ab 19.30 Uhr im Bildungshaus Kloster St. Ulrich in Bollschweil-St. Ulrich nach. Unterschiedliche Perspektiven von Stadt und Land sowie von Jung und Alt fließen ein. Veranstalter ist die Katholische Landbewegung.
Einen Wahlcheck mit Landtagswahlkandidaten gibt es am Dienstag, 24. Februar, ab 19.30 Uhr im Pfarrzentrum Freiburg-St. Georg. Um Chancen, Risiken und Veränderungen in der gesellschaftlichen und politischen Kommunikation geht es im Bildungszentrum Waldshut. Zu diesem Talkabend „KI im Wahlkampf“ wird für Dienstag, 24. Februar, ab 19.30 Uhr eingeladen.
Eine ausführliche Veranstaltungsübersicht der Initiative Demokratie gibt es im Internet unter www.ebfr.de/demokratie.
Hintergrund:
Unter dem Dach der Initiative Demokratie engagieren sich gemeinsam das Erzbischöfliche Seelsorgeamt mit dem Referat Kirche in Gesellschaft und Politik, das Bildungswerk der Erzdiözese Freiburg, die Katholische Akademie, der Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, der Bund Deutscher Katholischer Jugend und die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Erwachsenenverbände. Demokratie ist eine Haltung, die aus unserem Glauben erwächst, halten die Aktiven der Initiative fest. Sie beginne mit jedem Wort, jeder Begegnung, jedem offenen Ohr. Daher heiße Demokratie auch, Verantwortung zu übernehmen, sich sichtbar machen, die Gemeinschaft stärken – auf der großen, aber auch auf der kleinen Bühne.
(mf)
