Stockach. Erzbischof Stephan Burger hat bei der 675-Jahrfeier des Stockacher Narrengerichts das Verhältnis des Narren zur biblischen Botschaft bestimmt. Seine Predigt am Sonntag (25.1.) stand unter dem Thema „Der Narr als Prophet“. Er zeigte auf, was einen Propheten ausmacht. Dieser sei einer, der mit verrückten, überspannten kaum verständlichen Zeichen und Botschaften Gottes Wirklichkeit vor Augen führe. Einer, der zeige: „Gott vermag immer noch in ausweglosen Situationen, in nicht vorhergesehenen Ereignissen Lösungen und Alternativen aufzuzeigen, die unsere Erfahrungshorizonte sprengen.“
Anknüpfend an die Stockacher Tradition erinnerte der Erzbischof an den Hofnarren Hans Kuony. Dieser hatte im 14. Jahrhundert Erzherzog Leopold I. von Habsburg vor der Schlacht am Morgarten gegen die Einwohner des Dorfes Steinen gewarnt. Mit Augenmaß und Weitblick habe der Mahner die Verhältnisse analysiert – eine Grundvoraussetzung für prophetisches und politisch kluges Handeln – und dem siegessicheren Habsburger geantwortet: „Da haben sie Dir alle geraten, wie Ihr in das Land hineinkommt, aber keiner hat geraten, wie Ihr da wieder herauskommt.“
„Es geht um unser Heil“
Diese Klarsicht, dieser Realitätssinn lasse sich auf den Glauben übertragen: „Wir mögen zwar biologisch wissen, wie wir in dieses irdische Leben hineingekommen sind. Wir mögen auch wissen, dass es biologisch für uns einmal zu Ende geht. Aber auch hier die Frage des Hofnarren an uns: Wissen wir aber, wie wir aus diesem irdischen Leben wirklich herauskommen? Als Gewinner, als Verlierer?“
Der Erzbischof machte deutlich, was auf dem Spiel steht: „Es geht um unser Heil, um unser Leben mit Gott. Es geht um unser bewusstes Ja zu einem Leben in seiner Gemeinschaft. Sind es noch Glaube, Hoffnung und Liebe, die unser Miteinander in unserer Gesellschaft, in unseren Gemeinden tragen?“ Wie bereits in vorausgegangenen Predigten sagte Burger in prophetischer Tradition die Zeit an: „Dort, wo Ausgrenzung und Abschottung stattfindet und gar dem Wahn einer völkisch nationalen Ideologie und eines wachsenden Antisemitismus der Vorzug gegeben wird, dort ist die Zukunft bereits verspielt.“
In einem spezifischen Sinn zeigte der Erzbischof eine innere Nähe zum Narrentum: „Mögen uns manche auch für Narren halten, weil wir noch an Gott glauben, der sich in seinem Sohn Jesus Christus offenbart hat, so bezeugen wir damit, dass wir immer noch mit der Gegenwart und dem Wirken Gottes in dieser Welt rechnen! In diesem Sinne will ich gerne ein Narr sein.“ Denn Gott handle und agiere nach anderen Maßstäben.
(asc)