Power auf zwei Rädern - Kirchengemeinde Baden-Baden setzt auf E-Bikes

Hundertfüßer-Projekt der Seelsorgeeinheit Baden-Baden

Der neueste Zuwachs im Fuhrpark der Katholischen Kirchengemeinde Baden-Baden hat vier Räder, die sich allerdings auf zwei Fahrzeuge verteilen: Seit einem halben Jahr sorgen zwei E-Bikes, gefördert aus dem Hundertfüßer-Programm, für mehr Mobilität und Flexibilität bei den Verwaltungsaufgaben.

"Wir haben bei uns im städtischen Bereich die glückliche Situation, dass Entfernungen überschaubar sind", erklärt Verwaltungsleiter der Kirchengemeinde Johannes Laub, wie es zu der Anschaffung kam. "Überschaubar" heißt konkret: Maximal 7 km Fahrtstrecke vom Zentralen Pfarrbüro St. Bernhard zu den insgesamt sieben Pfarreien im innenstädtischen und westlichen Teil von Baden-Baden. Kurze Distanzen, die das Team bisher mit zwei VW-Bussen zurückgelegt hatte.
 
Auch Verwaltungsleiter Johannes Laub nutzt das kleinere Modell für Dienstfahrten.
Doch für viele Fahrten sind die deutlich "overpowert". Bestes Beispiel sind die täglichen Wegstrecken zur Drei-Eichen-Kapelle und zur Bernharduskapelle am Alten Schloss. Jeden Morgen schließt der Mesner von St. Bernhard beide Gotteshäuser auf und bei Sonnenuntergang wieder zu. Bis auf die Schlüssel braucht er dabei kein Gepäck und mit dem E-Bike kann er sogar kleinere, direktere Wege nutzen, was den Zeitaufwand deutlich verringert.
 
Flott unterwegs: nahe gelegene Ziele der Kirchengemeinde sind per E-Bike schneller erreichbar.
Diese Erfahrung hat der erste weltliche Verwaltungsleiter der Erzdiözese Freiburg auch schon selbst gemacht: "Als ich es eilig hatte, weil ich schnell auf Termine musste, hab‘ ich es dank E-Bike noch pünktlich geschafft", berichtet er. Seit 2020 managt der 35-jährige Personal, Gebäude und Finanzen in der katholischen Kirchengemeinde Baden-Baden. Wichtig ist ihm dabei zu betonen, dass die neuen Fahrzeuge die bisherigen nicht ersetzen, sondern ergänzen: "Niemandem wird etwas weggenommen. Es geht darum, ein passenderes Gefährt zu haben, wenn ich den Platz im großen Bus mal nicht brauche."
 
Geduldig wartet der motorisierte "Drahtesel", bis Mesner Christoph Zeich fertig ist.
Für eine möglichst bedarfsgerechte Mobilität hat die Kirchengemeinde ganz bewusst zwei unterschiedliche Modelle angeschafft: Ein "klassisches" Lastenfahrrad mit großer Ladefläche vorne vor dem Lenker und ein kleineres Modell, das hinter dem Sattel die Möglichkeit bietet, eine größere Ladung zu transportieren. Letzteres hat auch den Vorteil, dass die Umgewöhnung vom normalen Fahrrad nicht ganz so groß und damit die Einstiegshürde viel niedriger ist. "Das Rad mit der Ladefläche vorne fährt sich schon sehr anders, als man es gewohnt ist", berichtet Christoph Zeich, der 38 Jahre lang hautamtlich als Mesner in St. Bernhard war und nach dem Renteneintritt als Minijobber dabeigeblieben ist. Für ihn selbst ist die Fahrt mit dem großen Lastenrad längst Routine, selbst wenn er großes, sperriges Arbeitsgerät wie Laubbläser und Hochdruckreiniger geladen hat.
 
Je nach Nutzer:in und Bedarf individuell einstellbar – das war ein wichtiges Kriterium.
Für das kleinere E-Bike-Modell soll es bald noch einen Aufbau geben. Den bietet der Hersteller theoretisch als Zusatzmodul, praktisch war dieses allerdings nicht lieferbar. "Wir mussten ohnehin ab der Bestellung noch ein halbes Jahr auf die Räder warten", berichtet Matthias Dorsner von der Verrechnungsstelle Bühl, der sich um die Anschaffung gekümmert hat. Wartzeiten seien aufgrund der hohen Nachfrage nach Lastenrädern und E-Bikes völlig normal. Das Nachrüsten nimmt die Kirchengemeinde nun selbst in die Hand: Einer der Mesner ist ausgebildeter Zimmermann und soll eine zusätzliche Ladefläche für Werkzeug etc. konstruieren, die je nach Bedarf aufgesetzt und abgenommen werden kann. "Damit niemand unnötig Gewicht durch die Gegend fahren muss", erklärt Dorsner.
 
Voll beladen: das große Modell bietet Platz für größeres Werkzeug oder Gerät.
Wie viele Autokilometer die beiden Lastenfahrräder im ersten halben Jahr eingespart haben, ist noch unklar. Sicher ist, dass sie – vor allem durch die beiden hauptamtlich beschäftigten Mesner – sehr regelmäßig in Gebrauch sind. Und dass diese Form der Mobilität für die Kirchengemeinde zukunftsweisend sein könnte, wie der Verwaltungsleiter weiß: "Ab 2026 werden wir uns nach der Umstrukturierung als noch größere Kirchengemeinde ganz neu aufstellen müssen, was die Gebäudeunterhaltung und auch den Fuhrpark angeht. Da wird die E-Mobilität, auch mit den E-Lastenfahrrädern, ein wichtiger Baustein im Gesamtmix sein."
 
Gut, dass es hier in Baden-Baden bis dahin ganz konkrete praktische Erfahrungswerte geben wird, die in die Entscheidungen einfließen können. Wir wünschen eine sichere und gute Fahrt!
 
von Juliane Langer