Heiligsprechung 1606
Zwischen 1020 und 1025 wurde Hildebrand, der als Papst den Namen Gregor annehmen sollte, in Sovana in der Toscana geboren. Seine Ausbildung erfolgte im Marienkloster auf dem römischen Aventinhügel. 1046 folgte er seinemVerwandten, Papst Gregor VI., nach dessen Absetzung durch den deutschen Kaiser Heinrich III. in die Verbannung nach Köln. Er wurde Benediktinermönch und später Abt in Cluny (Burgund, Ostfrankreich, nördlich von Lyon) und blieb dort, bis ihn Papst Leo IX. (1049– 54; hl.) wieder nach Rom rief. Ihm und seinen fünf Nachfolgern (Victor II., Stephan IX., Benedikt X., Nikolaus II., Alexander II.) diente er als Berater und stieg in hohe Ämter auf, wobei er sich vor allem innerkirchlichen Reformen widmete, zu denen er wohl in Cluny den Anstoß bekommen hatte. Er betrieb den Kampf gegen Simonie und Priesterehe (wie es in älteren Quellen heißt: das »Concubinat«) und für die Einhaltung des Zölibats. Einen Tag nach dem Tod Alexanders II. wurde Hildebrand – gegen seinen Willen, aber vom Volk gedrängt – am 22. April 1073 zum Papst geweiht.
Gregor VII. veröffentlichte 1075 den 27-Punkte-Katalog »Dictatus Gregorii Papae«, in dem er Bezug nahm auf Augustinus’ »Gottesstaat« und die Werke Gregors I. des Großen (590–604; hl.): Der Papst wird darin als unumschränkter Herrscher der Universalkirche gesehen, dem alle anderen kirchlichen Würdenträger untertan sind, auch ist er der weltliche Herr und deshalb zum Tragen der kaiserlichen Insignien berechtigt. Die Politik Gregors VII. im Gefolge der Reformen von Cluny war konsequent streng. Anhänger für seinen Anspruch auf Freiheit der Kirche von den weltlichen Gewalten fanden sich in ganz Europa. 1074 wurde endgültig die strikte Einhaltung des Zölibats durchgesetzt, und auf einer 1075 einberufenen Synode die Simonie erneut verurteilt. Entscheidend war ein weiterer Beschluss der Synode, nach dem weltlichen Fürsten die Einsetzung von Laien ins Bischofsamt untersagt wurde, eine bislang gängige Praxis, durch die die Herrscher jeweils ihnen genehme Bischöfe ernennen konnten. Damit war der Zusammenstoß mit dem deutschen König Heinrich IV. unausweichlich.
Heinrich missachtete die Weisung und erklärte Gregor sogar für abgesetzt. In einem von den deutschen Bischöfen aufgesetzten Brief heißt es am Anfang: »Heinrich, nicht durch Anmaßung, sondern durch Gottes gnädige Anordnung König, an Hildebrand, nicht den Papst, sondern den falschen Mönch.« Gregor konterte mit der Exkommunikation. Als Heinrich zunehmend die Rückendeckung der deutschen Fürsten verlor, lenkte er ein und unternahm im Januar 1077 seinen bekannten Bußgang nach Canossa, wo ihn Gregor zwar drei Tage frierend warten ließ, am Ende den Kirchenbann aber aufhob.
Heinrichs Ansehen war schwer erschüttert. Seine Gegner wählten Rudolf von Schwaben zum Gegenkönig, und erst nach drei Jahren Krieg konnte Heinrich in der Schlacht von Hohenmölsen 1080, in der sein Gegenspieler fiel, seinen Anspruch auf den Thron durchsetzen. Es folgte die zweite Exkommunizierung. Heinrich erklärte den Papst erneut für abgesetzt und berief in Brixen (Südtirol) eine Synode ein, die den Erzbischof Wibert von Ravenna zum Gegenpapst Clemens III. erhob. Rom wurde von den kaiserlichen Truppen belagert und 1084 erobert, woraufhin Heinrich sich zum Kaiser krönen ließ. Gregor harrte in der Engelsburg aus, bis die Stadt durch den Normannenfürsten Robert Guiscard befreit, allerdings auch geplündert wurde, wobei Tausende in die Sklaverei gerieten. Die Kaiserlichen zogen sich nach Norden zurück. Die erzürnten Römer vertrieben Gregor VII. aus der Stadt, und er musste nach Salerno ins Exil gehen, wo er bald darauf, am 25. Mai 1085, starb. 1606 sprach man ihn heilig. Die These von der Trennung von weltlicher und kirchlicher Macht und der Unterordnung der ersteren unter die letztere markierte eine entscheidende Wende in der Entwicklung des Papsttums. Gregor VII. war einer der politisch geschicktesten und erfolgreichsten Päpste. Seit ihm ist die klare Vorrangstellung Roms in der katholischen Kirche unbestritten.
Die Quellenlage zum Leben des Gregor ist recht gut, haben sich doch über 350 seiner Briefe und diejenigen seines langjährigen Mitkämpfers und Freundes Petrus Damiani (hl.) erhalten.
Heinrichs »Gang nach Canossa« wurde sprichwörtlich für ein schwieriges, Bereitschaft zur Unterordnung signalisierendes Gespräch.
Darstellung: im Papstgewand
Attribute: Tiara, Kreuzstab (mit drei Querbalken); von Engeln getragenes Marienbild mit der Inschrift »Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, deswegen starb ich in Verbannung « (sollen seine letztenWorte gewesen sein)

Quelle: Herder-Verlag