Heiligsprechung 1313
Patronat: L’Aquila; der Buchbinder
Pietro Angelari, um 1215 in Isérnia in den Abruzzen (heute Provinz Molise) als Sohn eines Bauern geboren, trat als Zwölfjähriger in den Benediktinerorden ein, beschloss aber 1231, ein Leben als Eremit zu führen, und zog sich in die Abruzzen auf den Monte Murrone (bei Sulmona) zurück. Um 1250 gründete Pietro del Murrone, wie man ihn nun nannte, mit Gleichgesinnten einen Eremitenverband unter der Benediktusregel, die späteren Cölestiner. Der straff organisierte, seit Ende des 18. Jahrhunderts nicht mehr existierende Orden, dessen Mönche eine weiße Kutte mit schwarzem Skapulier und Kapuze trugen, wurde 1264 von Papst Urban IV. bestätigt, breitete sich rasch aus und zählte schließlich rund 150 Klöster in Italien und Frankreich. 1276 wurde Pietro Abt im Kloster Faifoli (nahe Benevento), verzichtete aber nach wenigen Jahren auf alle Würden und kehrte wieder in seine Einsiedelei in den Abruzzen zurück.
Nachdem man sich seit dem Tod von Nikolaus IV. im April 1292 über zwei Jahre lang nicht auf einen Nachfolger hatte einigen können, wurde der fast 80-jährige Pietro del Murrone auf Vorschlag König Karls II. von Anjou am . Juli 1294 in Peruggia von einem zwölfköpfigen Kardinalskollegium als Kompromisskandidat gegen seinen Willen zum Papst gewählt und bestieg nach heftigem Sträuben am 28. Juli als Coelestin V. den »Stuhl Petri«. Doch er erkannte schnell, dass er der Aufgabe nicht gewachsen war und dankte – zum Entsetzen des Volks, das ihn liebte und »Engelspapst« nannte – nach nur fünfmonatiger Amtszeit am 13. Dezember ab, um sich wieder als Mönch in die Einsamkeit zurückzuziehen. Sein herrschsüchtiger Nachfolger Bonifatius VIII. (bis 1303) jedoch, der offenbar Coelestins Wiedereinsetzung durch dessen Anhänger befürchtete, ließ ihn gefangen nehmen und hielt ihn bis zu seinem Tod am 19. Mai 1296 im Castello di Fumone bei Anagni (ca. 75 km südöstlich von Rom) in »ehrenvoller Haft«.
Auf Betreiben seiner Mitbrüder wurde Coelestin V. bereits 1313 vom in Avignon (Südfrankreich) residierenden Papst Clemens V. (1305–14) heiliggesprochen. Seine Reliquien werden unweit seines Geburtsortes in L’Aquila (in den Abruzzen östlich von Rom, Provinz Molise) verehrt. Bis heute ist Coelestin V. der einzige Papst, der auf eigenen Entschluss auf das Amt verzichtete.
Darstellung: in päpstlichen Gewändern oder als Ordensstifter in der Kleidung der Cölestiner
Attribute: beiseite gelegte Tiara, Kreuzstab (mit drei Querbalken) und Schlüssel (Abdankung), Ketten (Gefangenschaft), Taube am Ohr (Symbol des Hl. Geistes anlässlich der Ordensgründung)

Quelle: Herder-Verlag