Anna Katharina Emmerick (Emmerich)

Namenstage: Anna

Funktion: Selige, Mystikerin, Augustinerin

Gedenktag: 9. Februar

Anna Katharina Emmerick wurde um den 8. September (dies ist der Tag des Taufbucheintrags) 1774 als Tochter von Landarbeitern in Flamske bei Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) geboren. Sie wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, konnte die Schule nur ein paar Monate lang besuchen und musste sich schon in jungen Jahren als Magd und anschließend als Wandernäherin verdingen. Die Sehnsucht nach dem geistlichen Leben einer Ordensfrau äußerte Anna Katharina bereits als Mädchen, doch erst 1802 wurde sie im Augustinerinnenkloster Agnetenberg bei Dülmen (Nordrhein-Westfalen) aufgenommen und konnte 1803 die Profess ablegen.
Das Kloster Agnetenberg wurde 1811/1812 aufgelöst, und Anna Katharina wurde Haushälterin bei einem Pfarrer in Dülmen. Dieser Tätigkeit konnte sie allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht lange nachgehen: Trotz ihrer schwachen Konstitution hatte Anna Katharina seit ihrer Jugend in strenger Askese gelebt. Nun war sie ans Krankenbett gefesselt und aß kaum noch etwas. An ihrem Körper erschienen die Wundmale Christi sowie Kreuze auf dem Brustbein und auf dem Bauch. Zudem hatte Anna Katharina wiederholt Erscheinungen von biblischen Ereignissen, und an jedem Freitag soll sie den Leidensweg Christi in ihren Visionen durchlebt haben. Der Kranken wurde Betrug vorgeworfen, jedoch konnten ihr die medizinischen Gutachter dies nicht nachweisen.
Die Kunde von der stigmatisierten Ordensfrau verbreitete sich, und immer mehr Menschen verehrten sie und suchten die Kranke auf. Unter ihnen war auch der Schriftsteller Clemens von Brentano (1778–1842), ein bedeutender Vertreter der Heidelberger Romantik. Er besuchte Anna Katharina sechs Jahre lang bis zu ihrem Tod regelmäßig und schrieb ihre Visionen nieder. Diese veröffentlichte er in »Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christus«; allerdings ist nicht klar, welche Elemente des Werkes auf die mystischen Erscheinungen der Nonne zurückgehen und welche aus der Feder des Dichters stammen. Eine geplante umfangreiche Biographie Anna Katharinas blieb fragmentarisch.
Am 9. Februar 1824 verstarb Anna Katharina in Dülmen und wurde auf dem Stadtfriedhof beerdigt. 1892 wurde der Prozess der Seligsprechung eingeleitet, 1928 jedoch eingestellt und erst 1973 wieder aufgenommen. 1975 wurden die Gebeine der Augustinerin erhoben und in der Krypta der Heilig-Kreuz-Kirche in Dülmen beigesetzt. Am 3. Oktober 2004 wurde die Augustinerin Anna Katharina durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Darstellung: als Nonne im Krankenbett mit Wundmalen

Attribut: Kruzifix

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010