orthodoxe Ostkirchen 19. Januar
Patronat: Bayern; Diözesen Passau, Linz, St. Pölten, Wien; der Leinenweber, Winzer, Weinstöcke und Gefangenen
besonders verehrt in Nieder- und Oberösterreich
Severin wurde vermutlich um 410 in Nordafrika (darauf deutet – wie in den Quellen beschrieben – sein Dialekt hin) als Sohn einer vornehmen Familie geboren und soll mehrere Jahre als Mönch in Vorderasien gelebt haben. Nach dem Tod des Hunnenkönigs Attila 453 ging er in die römische Provinz Noricum (zwischen Donau, Wienerwald, der Ostgrenze der Steiermark, Save, Eisack und Inn) und übernahm in Favianis (heute Mautern bei Krems) die Obhut über die christliche romanische Gemeinde, die zu dieser Zeit schwer unter den durchziehenden Germanenstämmen zu leiden hatte. Die – wie man heute sagen würde – öffentliche Ordnung war völlig zusammengebrochen, es herrschten Hunger und nackte Existenzangst. Angesichts der schwierigen Lage gelang es ihm, den Streit zwischen Katholiken und Arianern zu unterbinden – sehr im Gegensatz zu anderen Regionen des Reiches, vor allem in Gallien.
Severins Hauptanliegen war es, die notleidende Bevölkerung zu versorgen und ihr in diesen chaotischen Zeiten einen festen Halt zu bieten, wozu er durch die Gründung zahlreicher Klöster (Boiotrum/Passau, Favianis/Mautern und andere) beitrug. Um christliche Gefangene von den Barbaren loskaufen zu können, trieb er von den Grundbesitzern einen Zehnt ein, obwohl er als Laie durch nichts legitimiert war. Mit den örtlich herrschenden Rugiern scheint er eine Art Schutzvertrag ausgehandelt zu haben, so dass die christlichen Gemeinden zumindest eine Zeit lang nicht von marodierenden Germanen oder Hunnen behelligt wurden. Eher ins Reich der Legende zu verweisen sind wohl die zahlreichen Berichte, nach denen er Überschwemmungen Einhalt gebot oder das Eis der Donau früh zum Schmelzen brachte, das die Versorgungsschiffe für die hungernden Orte behinderte.
Hervorzuheben ist, dass Severin auch die Integration germanischer Gruppen betrieb, sofern sie sich zum Christentum bekannten. Er starb 482 in Favianis. Sein Werk in der Provinz war nicht von langer Dauer: Als der Söldnerführer Odoaker in Italien die Macht ergriffen hatte (wie es ihm Severin vorhergesagt hatte), rief er die christlichen Bewohner Noricums zurück. In diesem Zusammenhang wurden 488 Severins Gebeine ins Kloster Castrum Lucullanum bei Neapel überführt, wo sein ehemaliger Schüler und Begleiter Eugippius Abt war. Da dieser die kurzweilige und detailgetreue Biographie »Vita Sancti Severini« verfasst hat, wissen wir über Severins Leben recht gut Bescheid. Das Werk spielt in der geschichtlichen Erforschung der Donauländer immer noch eine wichtige Rolle.
2003 brachte man eine Reliquie des Heiligen nach Tulln an der Donau zurück, wo er einst gewirkt hatte.
Darstellung: als Mönch oder Pilger; dem Volk predigend
Attribute: Pilgerstab, Kruzifix, Buch

Quelle: Herder-Verlag