Als Sohn eines normannischen Kaufmanns wurde Thomas Becket am 21. Dezember 1118 in London geboren. Sein wohlhabender Vater ließ ihn in Paris Theologie und Philosophie studieren, 1141 ging er an die junge Universität von Bologna und belegte Kirchenrecht. In Auxerre in Burgund schloss er seine Studien ab und kehrte nach London zurück. Von Erzbischof Theobald von Canterbury wurde er 1154 zum Diakon geweiht und zum Erzdiakon von Canterbury ernannt. Im Jahr darauf empfahl ihn Theobald dem jüngst gekrönten König Heinrich II. von England, dessen Berater, Lordkanzler und Freund er wurde. Die Beziehung zwischen dem Monarchen und Thomas wurde von vielen Zeitgenossen als sehr außergewöhnlich angesehen. Sie sagten, dass beide ein Herz und einen Verstand teilen würden. Thomas begleitete Heinrich auf seinen Kriegszügen in Frankreich, wie dieser lernte er den Luxus schätzen.
1162 machte Heinrich Thomas zum Erzbischof von Canterbury, in der Hoffnung, über seinen Freund größeren Einfluss auf die Kirche in England gewinnen zu können. Thomas weigerte sich zunächst – ihm war klar, dass sein gutes Verhältnis zum König leiden würde –, akzeptierte aber schließlich. Bald gab er den Posten des Kanzlers auf, sehr zu Heinrichs Verärgerung, und ließ sich ganz auf die neue Stellung ein, in der er zunehmend die Rechte der Kirche gegenüber der Monarchie verteidigte. Auch seine privaten Lebensumstände änderten sich in dieser Zeit radikal: Er kleidete sich in ein schlichtes Benediktinerhabit, lebte asketisch und gab seine Einkünfte für Arme und Bedürftige aus.
Schon bald kam es zum Bruch mit dem König. Dieser überzog Thomas mit Prozessen und Geldforderungen. Der Streit kulminierte in der Auseinandersetzung um die geistliche Gerichtsbarkeit (Constitution of Clarendon 1164). Als ihm sogar die Haft drohte, floh Thomas 1164 nach Frankreich und bat Papst Alexander III. um seine Entlassung aus dem Amt, was dieser ablehnte. Mehrere Jahre lebte Thomas in einem französischen Kloster und führte seine Geschäfte von dort aus weiter. Als sich die Lage beruhigt hatte und Heinrich dem Erzbischof ein Friedensangebot machte, kehrte dieser 1170 nach England zurück, wurde dort aber am 29. Dezember in der Kathedrale von Canterbury von vier Adligen erstochen. Ob Heinrich hinter diesem Mord stand, ist bis heute nicht abschließend geklärt, immerhin wird er öfter mit dem Ausspruch »Wer erlöst mich von diesem störenden Priester?« zitiert. Die Mörder hatten ihn jedenfalls beim Wort genommen.
Sofort nach dem Tod setzte die Verehrung Thomas Beckets ein, mehrere Wunder sollen sich an seinem Grab ereignet haben. Papst Alexander III. sprach den Erzbischof schon im Jahr 1173 heilig, ein Jahr später tat König Heinrich II. am Grab seines ehemaligen Freundes und Widersachers öffentlich Buße. Canterbury wurde als Wallfahrtsort fast ebenso bedeutend wie Santiago de Compostela in Spanien. Der kostbare Schrein mit den Gebeinen des Heiligen wurde jedoch 1538 im Zuge der Loslösung der anglikanischen Kirche von Rom auf Befehl König Heinrichs VIII. zerstört.
Darstellung: als Bischof im Ornat; meist in der Szene seiner Ermordung
Attribute: Mitra, Stab, Buch; Kirchenmodell; Palmzweig, Schwert oder Beil (Martyrium)

Quelle: Herder-Verlag