orthodoxe Ostkirchen 14. März
auf dem Monte Cassino 21. März
Patronat: Europa (seit 1964); der Benediktiner und Benediktinerinnen, Schüler und Lehrer; der Bergleute, Höhlenforscher (seit 1957), Kupferschmiede und der Sterbenden; gegen Pest, Fieber, Entzündungen, Nieren- und Gallensteine, Vergiftung und Zauberei
Benedikt oder Benedetto, so der italienische Name, wurde um 480 in Nursia (heute Norcia in Umbrien) geboren. Er und seine Zwillingsschwester Scholastika stammten aus adligem Haus. Sein Studium in Rom brach Benedetto vorzeitig ab, die sittenlose und von Verfall gekennzeichnete Gesellschaft in der Stadt stießen ihn ab. Benedetto zog sich in eine einsame Gegend zurück und führte für drei Jahre ein asketisches Leben in einer Höhle (diese wurde später »Heilige Grotte« genannt). Ein befreundeter Mönch ließ ihm jeden Tag einen Laib Brot an einem Seil herab. Schon hier soll sich Benedetto erfolgreich gegen die Versuchungen des Bösen zur Wehr gesetzt haben. Mönche des Klosters Vicovaro in Norditalien luden den als weisen Mann bekannt gewordenen Benedetto ein und wählten ihn zum Abt ihres Klosters. Doch seine Vorstellungen, wie ein Mönch zu leben habe, stimmten nicht mit denen der Klosterbrüder überein, so dass ihn diese laut Legende zu vergiften versuchten. Nachdem Benedetto das Kreuzzeichen über dem Becher geschlagen hatte, zerbrach dieser und der Verrat wurde offensichtlich. Der fromme Mann kehrte in die Gegend des Aniotals zurück und gründete für seine rasch wachsende Schülerzahl zwölf kleine Klöster mit jeweils zwölf Mönchen. Diese gibt es teilweise heute noch (Monasteri di San Benedetto und Monasteri di Santa Scholastika). Immer wieder soll Benedetto dabei mit seinen Regeln für das Leben eines Mönches auf Ablehnung gestoßen sein.
Um das Jahr 529 gründete er mit den Mönchen des Aniotals auf dem Monte Cassino in der Nähe von Neapel ein Kloster. Hier verfasste er sein berühmtes Regelwerk »Regula Benedicti«, das als Grundlage für alle Benediktinerklöster gelten sollte. Nach dem Leitspruch »Ora et labora« (Bete und arbeite) sollten das Gebet, die Arbeit und das Studium die wichtigsten Aufgaben eines Mönches sein. Jeglicher Besitz wurde untersagt, Mahlzeiten gemeinsam eingenommen und unnötiges Reden vermieden. Diese strengen Regeln, die den allgemeinen Tendenzen der Unruhe und Auflösung dieser Zeit widersprachen, stellten für viele Menschen einen starken Halt dar. Die Benediktinerklöster als ein Modell für ein friedliches und brüderliches Zusammenleben, unabhängig von Stand und Herkunft, breiteten sich rasch über das Abendland aus: Rund 60 Jahre nach Gründung des Klosters auf dem Monte Cassino wurde erstmals ein Benediktiner zum Papst gewählt (Gregor I. der Große). Im 6. und 7. Jahrhundert verbreiteten Benediktiner die Klosterregeln des Benedetto in England und Frankreich. Die missionarische Arbeit der Benediktiner, ihre theologische und kulturelle Leistung, ließ sie zu Lehrern des Abendlandes werden. Kaiser Karl der Große (König ab 768, Kaiser 800–14; Heiliger) führte kurz vor seinem Tod für alle Klöster im Reich die »Regula Benedicti« verpflichtend ein.
Viele Legenden berichten von Benedettos Leben und Wirken. Neben der Verteilung von Nahrung und Almosen an die Armen ist von Heilungen und Totenerweckungen die Rede. Beim Besuch des Ostgotenkönigs Totila soll er dessen Tod genau vorausgesagt haben. An einem Gründonnerstag um das Jahr 547 starb Benedetto in Monte Cassino und wurde in dem Grab, in das er kurz zuvor seine Schwester Scholastika gebettet hatte, bestattet. Die Gebeine der beiden wurden Ende des 7. Jahrhunderts in die Benediktinerabtei Fleury nach Frankreich gebracht (östlich von Orléans; heißt seither St-Benoîtsur-Loire). Mitte des 8. Jahrhunderts kam ein Teil von Benedikts Gebeinen auf Bitten von Papst Zacharias nach Monte Cassino zurück. Reliquien von ihm werden heute auch in Einsiedeln (Schweiz), Benediktbeuern und Metten in Deutschland verehrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckten Archäologen in Monte Cassino das ursprüngliche Grab des Heiligen Geschwisterpaares. 1964 wurde der Heilige Benedikt, den Pius XII. (1939–58) »Pater Europae« nannte, von Paul VI. offiziell zum »Schutzpatron Europas« erklärt.
Darstellung: als Benediktinerabt im schwarzen Habit, oft zusammen mit anderen Heiligen, vor allem mit seiner Zwillingsschwester Scholastika
Attribute: Stab, Kruzifix, Regelbuch, Becher mit Schlange (weil auf sein Kreuzzeichen ein Becher, in dem ihm seine eigenen Mönche vergifteten Wein vorgesetzt hatten, zerbrach), Rabe (trug ein ihm zugedachtes vergiftetes Brot fort), Dornen (in die er sich warf, um den Versuchungen zu widerstehen), feurige Kugel (in der er die Seele des 541 verstorbenen Germanus, Bischof von Capua, zum Himmel steigen sah)

Quelle: Herder-Verlag