Nikolaus von Myra

Namenstage: Nikolaus, Klaus, Niklas, Colin, Kai, Nils

Funktion: Heiliger, Metropolit (Bischof) von Myra

Gedenktag: 6. Dezember

Patronat: Russland, Lothringen, Bari; der Kinder, Schüler, Chorknaben, Mädchen, Jungfrauen, Alten, Gefangenen, Ministranten, Feuerwehrleute, Pilger, Reisenden, Zigeuner, Apotheker, Richter, Rechtsanwälte, Notare, Schreiber, Kaufleute, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Böttcher, Parfümhersteller und -händler, Fährleute, Schiffer, Seeleute, Fischer, Flößer, Brückenbauer, Bauern, Tuchscherer, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Knopfmacher, Wachszieher; für eine glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen ungerechte Gerichtsurteile, Wassergefahren, Seenot, Diebe
wird als Helfer in allen Nöten angerufen

Nikolaus ist einer der bekanntesten und meistgeschätzten Heiligen. So ist es kein Wunder, dass im Dickicht der vielen Legenden die historische Person dahinter nur schwer zu fassen ist. Vermutlich wurde er um 280/286 in Lykien (türkische Südküste, westlich von Antalya) als Sohn von Euphemius und Anna geboren. Seine Eltern hatten lange um Nachwuchs beten müssen und erzogen ihren Sohn sehr fromm. Der Onkel (Nikolaus der Ältere) war Bischof in Myra, taufte und weihte später den Neffen zum Priester. Nach dem Tod seiner Eltern während einer Pestepidemie verteilte Nikolaus das Erbe an die Armen und stiftete mit dem Rest ein Kloster, als dessen Abt ihn sein Onkel einsetzte. Nach einer Wallfahrt ins Heilige Land wurde Nikolaus als neuer Bischof seiner Heimatstadt gewählt, da inzwischen sein Onkel gestorben war. Er zerstörte den Tempel der Artemis, die in der Region traditionell viele Anhänger hatte, besonders unter den Matrosen. (Der ihr geweihte 6. Dezember wurde später nicht zufällig auf Nikolaus übertragen.)
Als unter Kaiser Galerius 310 die letzten großen Christenverfolgungen ausbrachen, warf man Nikolaus in den Kerker und folterte ihn. Zwar kam er mit dem Leben davon, doch blieb er offenbar deutlich entstellt. Auf dem Konzil von Nicäa 325 kämpfte Nikolaus engagiert gegen die arianische Irrlehre, deren Urheber Arius er ebendort geohrfeigt haben soll. Seinen Freund Theognis von Nicäa immerhin konnte er nach langen Diskussionen von der Gültigkeit der orthodoxen, d. h. der trinitarischen Lehrmeinung überzeugen. Nachdem der Kirchenfrieden wieder hergestellt war, widmete sich Nikolaus der Vertiefung des Christentums in seiner Diözese und versuchte, alle Spuren des auf dem Rückzug befindlichen alten Glaubens auszulöschen, indem er überall heilige Plätze und Tempel zerstörte. Er starb angeblich an einem 6. Dezember zwischen 345 und 351 in Myra.
Schon hundert Jahre später hatte man über seinem Grab eine prächtige Basilika gebaut, die bei dem Erdbeben von 529 zwar einstürzte, von Kaiser Justinian I. (527–65) aber sofort wieder aufgebaut wurde. Dieser stiftete zudem ein Kloster am selben Ort, das sich der Pflege des Heiligtums und der Versorgung der vielen Pilger, die sich dort einfanden, widmen sollte. 1071 wurde die Stadt von den Seldschuken zerstört. Sie sollte sich nie wieder davon erholen. Aus den Ruinen der Nikolauskirche bargen 1087 italienische Reisende seine Gebeine und nahmen sie mit nach Bari, wo für ihre Aufbewahrung eine monumentale Basilika erbaut wurde.
War er im Osten des Reiches schon seit dem 6. Jahrhundert bekannt, gelangte sein Kult erst im 9. Jahrhundert nach Westen, wo er zunächst im folgenden Jahrhundert durch die aus Konstantinopel stammende Kaiserin Theophano verbreitet wurde, aber erst durch die Übertragung der Gebeine nach Bari so recht populär wurde.
Nikolaus ist der Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Erst seit 1555 ist er auch als Gabenbringer für Kinder belegt: Am Abend vor dem Nikolaustag beschenkt er – in Süddeutschland und im Alpenraum zusammen mit seinem Helfer, Knecht Ruprecht – die braven Kinder mit Äpfel, Nüssen und Süßigkeiten. Die weniger braven müssen mit dem Gebrauch der Rute rechnen…
Das umfangreiche Brauchtum um den Heiligen erklärt sich aus den vielen Legenden um seine Person, von denen hier einige aufgeführt werden:
Drei Knaben fielen einem bösen Metzger in die Hände, der sie zu Wurst verarbeiten wollte. Er zerteilte und steckte sie in ein Pökelfass, doch der Bischof erfuhr davon, setzte die Teile wieder zusammen und erweckte sie so zum Leben.
Ein armer Edelmann wollte seine drei Töchter verheiraten, aber ohne Mitgift fanden sich keine Ehemänner. Also steckte er sie in ein Freudenhaus, damit sie dort das nötige Geld verdienten. Nikolaus hörte davon und warf ihnen rechtzeitig mit Goldstücken gefüllte Lederbeutel durch ihre Fenster, so dass Ehre und die Ehen der drei Mädchen gerettet waren.
Mit seiner Heimatstadt Myra verknüpft ist die Legende, dass er die Auswirkungen einer Hungersnot milderte, indem er von jedem auslaufenden Schiff eine Art Sondersteuer in Form von Getreide erhob. Als die Kaufleute aber in den Bestimmungshäfen einliefen, stellten sie fest, dass der Verlust auf wundersame Weise wieder ersetzt war.
Unser heute bekannter Weihnachtsmann mit weißem Bart und rotem Gewand, der den Kindern am Heiligen Abend Geschenke bringt, hat nordische Wurzeln, geht aber eigentlich auf den niederländischen »Sinterklaas« zurück. Die weltweite Verbreitung dieses Typs besorgte um 1900 ein bekannter Getränkekonzern, der ihn zu Werbezwecken in seine Firmenfarbe kleidete.

Darstellung: als hagerer, weißbärtiger Bischof im Ornat in zahlreichen Legendenszenen; stets als Beschützer, Retter oder Helfender

Attribute: Stab, Pallium, Mitra, Buch (Evangelium); Schiff oder Schiffsruder, Anker (weil er ein in Seenot geratenes Schiff in den sicheren Hafen geleitet haben soll); Bottich mit drei Knaben (Legende von der Errettung dreier Jungen aus den Pökelfässern eines Metzgers); drei Goldkugeln, drei Geldbeutel, drei Geldstücke, drei Äpfel oder drei Brote (Mildtätigkeit; die Zahl drei, weil er auf dem Konzil von Nicäa 325 die Wesensgleichheit der drei göttlichen Personen Vater, Sohn und Heiligen Geist verteidigte)

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010