Barbara

Namenstage: Barbara, Babette, Bärbel, Betty

Funktion: Heilige, Märtyrerin

Gedenktag: 4. Dezember

Patronat: des Bergbaus und der Bergleute, der Türme, Festungsbauten und der Artillerie, des Militärs und der Gefangenen, der Geologen, Architekten, Maurer, Steinmetze, Zimmerleute, Dachdecker, Elektriker, Bauern, Metzger, Köche, Glöckner, Glockengießer, Schmiede, Feuerwehrleute, Totengräber, Hutmacher, der Mädchen; für eine gute Todesstunde; gegen Gewitter, Feuersgefahr, Fieber, Pest und plötzlichen Tod
zählt zu den Vierzehn Nothelfern

Um das Leben der Heiligen Barbara rankt sich eine Vielzahl von Legenden. Sie soll in Nikomedia in Bithynien (das heutige Izmit südöstlich von Istanbul in der Türkei) gelebt haben, andere Legenden sprechen von Heliopolis (heute Baalbek im Libanon). Als Vaterstadt wird auch Catania auf Sizilien genannt. Dort soll sie – ähnlich wie in der Legende um die Heilige Agatha – die Stadt vor den Folgen eines Ausbruchs des Ätna bewahrt haben. Vermutlich starb sie nach erlittenem Martyrium um das Jahr 306 (Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Maximinus Daia, 305–13).
Einig sind sich die Erzählungen darin, dass Barbara die Tochter des wohlhabenden Dioskuros war und außergewöhnlich schön und klug gewesen sein soll. Wohl wegen ihrer Schönheit musste sie ihr Dasein auf Geheiß ihres Vaters in einem Turm verbringen. Um ihren Wissensdurst zu stillen, trat sie mit dem bekannten Theologen Origenes in Alexandria in Kontakt, der ihr den Priester Valentinus als Vertreter schickte, der sie mit dem christlichen Gedankengut vertraut machen sollte.
Über den Zeitpunkt der Taufe sind sich die Legenden nicht einig: Einige berichten, dass sie schon vor Eintreffen des Valentinus (der als Arzt verkleidet auftreten musste) nach einer Erleuchtung des Heiligen Geistes durch eine Erscheinung Johannes des Täufers die Taufe erhielt. Erzählt wird auch, dass Barbara, als der Vater eine größere Reise ankündigte, ihn um die Einrichtung eines Bades in ihrem Turm gebeten haben soll – vermutlich schon mit dem Hintergedanken, dort durch Valentinus die  Taufe empfangen zu können, für die ein größeres Wasserbecken nötig war. In der Abwesenheit ihres Vaters ließ Barbara noch ein drittes Fenster neben den zwei vorgesehenen als Zeichen für die Dreieinigkeit in die Wand brechen. Auch ein Kreuz soll aufgestellt gewesen sein.
Nach dessen Rückkehr von ihrem Vater zur Rede gestellt, bekannte sich Barbara als gläubige Christin. Nur durch ein Wunder vor dem Schwert ihres wutentbrannten Vaters gerettet, floh sie zu einem Hirten, der sie aber verriet. So wurde Barbara von ihrem Vater an den römischen Statthalter Marcianus ausgeliefert.
Dieser ließ sie zunächst geißeln (in der darauffolgenden Nacht soll eine Christus-Erscheinung ihre Wunden geheilt haben), dann mit Keulen schlagen, ihre Brüste abschneiden und nackt über den Marktplatz treiben. Hier sollen Engel einen Schleier über sie gebreitet bzw. Wolken und Nebel ihre Nacktheit verborgen haben. Schließlich wurde Barbara von ihrem eigenen Vater enthauptet, woraufhin ihn die Strafe Gottes in Form eines Blitzschlags traf.
Die Reliquien der Heiligen Barbara wurden um die Jahrtausendwende nach Venedig in die Kirche San Marco und von dort auf die nahe gelegene Insel Torcello in das Kloster San Giovanni Evangelista gebracht.
Obwohl die Figur der hl. Barbara historisch nicht gesichert ist, wurde sie nach dem Mittelalter eine der bekanntesten christlichen Heiligen und häufig abgebildet. Ein anschauliches Beispiel dafür ist ihre Darstellung durch den Maler Jörg Ratgeb auf der Altartafel von Schwaigern (Württemberg, 1510).
Seit dem 14./15. Jahrhundert, als Kriege, Hungersnöte und die Pest wüteten, gehört Barbara zu den Vierzehn Nothelfern, als Schutzheilige vor Feuer und Gewittern und als Beistand für ein »gutes« Sterben, d. h. ein Sterben nach Erhalt der Sakramente. Als Patronin des Feuers wurde sie nach der Erfindung des Schießpulvers auch Schutzpatronin der Artillerie. Daraus erklärt sich, warum die Pulverkammern auf französischen Schiffen »St. Barbe« hießen.
Zahlreiche Volksbräuche ranken sich um die Figur der Heiligen Barbara. Einer der bekanntesten ist das Schneiden der »Barbarazweige« am 4. Dezember: Die geschnittenen Apfel- oder Kirschbaumzweige stellt man ins Wasser, so dass sie um Weihnachten herum Blüten tragen. Viele Blüten gelten als gute Vorzeichen für die Zukunft. Abgesehen davon, dass Barbara in ihrer römischen Gefangenschaft einen verdorrten Kirschbaumzweig zum Blühen gebracht haben soll, gehört das Ins-Wasser-Stellen von Zweigen kurz vor Wintereinbruch zum alten Brauchtum.

Darstellung: als vornehmes junges Mädchen

Attribute: Turm mit drei Fenstern (ihr Kerker, in den Gottes Dreifaltigkeit drang), Kelch und Hostie (ein Engel brachte ihr die Eucharistie in den Kerker; sie ist Patronin für einen seligen Tod durch Empfang der Sakramente), Fackel oder Schwert, Palmzweig (Martyrium), Krone (vornehme Herkunft bzw. Märtyrerkrone)

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010