Charles de Foucauld

Namenstage: Charles

Funktion: Seliger, Trappistenmönch, Priester, Missionar

Gedenktag: 1. Dezember

Charles Eugène Vicomte de Foucauld wurde am 15. September 1858 in Straßburg als Sohn einer reichen französischen Familie geboren. Im Alter von nur sechs Jahren verlor er beide Eltern und wuchs bei seinen Großeltern auf. Schon in jungen Jahren über großen Reichtum verfügend, gab Foucauld sich einem ausschweifenden und verschwenderischen Leben hin. 1880 nahm er an einem Algerienfeldzug der französischen Armee teil, aus der er schließlich wegen seines unmoralischen Verhaltens (Foucauld hatte seine Geliebte ins Militärlager eingeschmuggelt) unehrenhaft entlassen wurde.
1883 und 1884 führte ihn ein Auftrag der Societé de Geographie abermals nach Afrika. Da Christen die Einreise nach Marokko nicht gestattet war, erforschte Foucauld als Rabbi verkleidet das Land und verfasste den Reisebericht »Reconnaissance au Maroc 1883–1884«, der ihm viel Lob und gesellschaftliche Anerkennung einbrachte. Doch nicht nur die landschaftlichen Schönheiten Marokkos hatten einen tiefen Eindruck bei Foucauld hinterlassen: Die Frömmigkeit strenggläubiger Muslime, die fünfmal am Tag beteten, beschäftigte ihn zunehmend. 1886 lernte Foucauld in Paris den Priester Henri Marie-Joseph-Philippe Huvelin (1830–1910) kennen, legte bei ihm die Beichte über sein bisheriges Leben ab und wandte sich dem Glauben zu. Vier Jahre später trat er in den Trappistenorden ein, der ihn erst nach Syrien und später nach Algerien entsandte. Das Ideal eines Lebens in Demut und Entbehrung sah Foucauld im Orden angesichts der notleidenden Dorfbewohner allerdings nicht umgesetzt, und so begab er sich nach Nazareth, wo er in einem Kloster der Klarissinnen in Armut lebte und schwere Arbeiten verrichtete.
Nach seiner Priesterweihe im Jahre 1901 zog es Foucauld zurück nach Nordafrika. Auf dem Berg Assekrem im Hoggar-Gebirge (im Süden Algeriens) gründete er eine Einsiedelei und widmete sich den Armen. Er erlernte die Sprache der Tuareg (Tamascheq), verfasste ein umfangreiches Wörterbuch und sammelte Lieder, Gedichte und Sprichwörter des Volkes. Während des Ersten Weltkriegs wurde Foucauld am 1. Dezember 1916 von Aufständischen erschossen. Seine Einsiedelei wurde geplündert und Foucaulds Leichnam verscharrt. 1929 wurden seine sterblichen Überreste in der Oase El Golea bestattet. Foucaulds Seligsprechung durch Papst Benedikt XVI. am 13. November 2005 wohnten auch Vertreter der Tuareg bei.
Foucaulds Ideen von einer neuen Ordensgemeinschaft wurden 1933 von René Voillaume (1905–2003) umgesetzt, der die Fraternität der »Kleinen Brüder Jesu« gründete. 1939 folgte die Gemeinschaft der »Kleinen Schwestern Jesu« durch Magdeleine Hutin (1898–1989).

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010