Patronat: der Bauern, Knechte, Fuhrleute, Schmiede, Schlosser, Lastenträger, Kohlenträger, Böttcher, Butter- und Obsthändler, Schwangeren, Bergleute, Gefangenen und des Viehs (vor allem der Pferde); für eine glückliche Geburt, gutes Wetter und eine gute Ernte; gegen Kopfschmerzen, Geistes- und Geschlechtskrankheiten, Siechtum
gehört in manchen Gegenden zu den Vierzehn Nothelfern; gilt besonders als Schutzheiliger
für alle Anliegen der Bauern
Das Leben Leonhards ist legendenhaft und historisch nur schwer zu fassen. Er wurde wohl um 500 in Gallien geboren, von Erzbischof Remigius von Reims (Heiliger) unterrichtet und getauft. Einen Bischofssitz ausschlagend, zog er sich lieber in die Wälder zurück und lebte asketisch in einer Klause, wo er die zu ihm kommenden Kranken und Hilfsbedürftigen pflegte und heilte und sich auch besonders um Gefangene kümmerte.
Als eines Tages der fränkische König Theuderich und seine Frau in dem Wald jagten, hörte Leonhard diese klagen, denn sie war hochschwanger und die Wehen hatten eingesetzt. Er half ihr und brachte den Sohn des königlichen Paares auf die Welt. Der glückliche Monarch wollte den Einsiedler mit Gold und Silber überhäufen, doch dieser erbat sich lediglich so viel Wald, wie er mit seinem Esel in einer Nacht umreiten könne. So geschah es, und Leonhard gründete das Kloster Nobiliacum (heute St-Léonard-de-Noblat, östlich von Limoges, westliches Zentralfrankreich), in dem er weiter wirkte und schließlich um 559 starb. Seine Gebeine wurden im 11. Jahrhundert erhoben und in der Folge über viele Orte in Frankreich, Süddeutschland und dem späteren Österreich verteilt.
Die Kirche über seinem Grab wurde zur Station der Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien und hat einen der mächtigsten Glockentürme in Frankreich.
Seitdem Reliquien des Heiligen nach Bayern und Tirol gelangt sind, wird er besonders von den Bauern verehrt, ist er doch für fast alle Aspekte des ländlichen Lebens zuständig. Es gab einmal über 150 regelmäßig stattfindende Wallfahrten in seinem Namen, heute sind es immerhin noch über 50, die meist mit bzw. auf Pferden durchgeführt werden. Auch Tiersegnungen finden an seinem Festtag, dem 6. November, statt.
Sein häufigstes Attribut, die Ketten, erfuhren mehrfache Umdeutung: Standen sie einst für die Gefangenen, um die er sich kümmerte, kamen später Geisteskranke dazu, die bis in die Neuzeit hinein auch angekettet wurden. In der Reformation hielt man die Ketten für die des Viehs, so ist er nun auch Schutzpatron des Viehs und der Pferde. Leonhard geweihte Kirchen sind in Bayern manchmal mit Ketten umspannt, etwa in Bad Tölz.
Darstellung: als Abt in schwarzem Habit
Attribute: Stab, Buch; Strick oder Ketten, Fußblock (wegen seines Eintretens für Gefangene); Pferd oder Ochse

Quelle: Herder-Verlag