Teresa von Ávila die Große (Theresia von Jesus)

Namenstage: Theresa

Funktion: Heilige, Karmeliterin, Mystikerin, Klostergründerin, Schriftstellerin, Kirchenlehrerin (seit 1970)

Gedenktag: 15. Oktober

Patronat: Spanien, Ávila, Alba de Tormes; Neapel; Erzbistum Mexiko; der Karmeliterorden; der Bortenwirker, Schriftsteller und der Armen Seelen im Fegefeuer; gegen Kopf- und Herzleiden
Helferin bei Seelennöten und für innere Ausgeglichenheit

Teresa de Cepeda y Ahumada wurde am 28. März 1515 in Ávila bei Salamanca als drittes von neun Kindern einer adligen Familie geboren. Schon mit sieben Jahren war ihr sehnlichster Wunsch, mit ihrem Bruder Rodrigo im Kampf gegen die Ungläubigen den Märtyrertod zu finden. (Damit kam sie allerdings zu spät, denn schon 30 Jahre zuvor waren die Mauren aus Spanien vertrieben worden.) 1530 gab man sie in die Obhut der Augustinerinnen, nach zwei Jahren erkrankte sie aber und kehrte zu ihrer Familie zurück. 1535 trat sie dem Orden der Karmelitinnen in Ávila bei. Wenige Monate später erlitt sie einen Zusammenbruch und fiel für mehrere Tage ins Koma. Sie erhielt die letzte Ölung, und fast hätte man sie lebendig begraben. Ihre Kräfte kehrten nur langsam zurück, immer wieder wurde sie krank, und das Gehen musste sie mühsam neu erlernen. In dieser Zeit hatte sie erste Visionen. In ihrem Orden scheint man sie nicht ganz ernst genommen zu haben und betrachtete ihre dauernden Leiden mit Argwohn, vermutete gar reine Eitelkeit in ihrem Streben, ein makelloser Mensch zu werden. Auch von Besessenheit und Heilung durch Exorzismus war die Rede.
Nach dem Tod ihres Vaters 1543, den sie lange gepflegt hatte, und der Lektüre der »Confessiones« von Augustinus erfuhr Teresa, wie sie es später selbst nannte, ihre »endgültige Bekehrung«. Sie begann mit Engeln zu sprechen und erlebte 1560 Visionen der Hölle, die sie dazu brachten, nach Vollkommenheit zu streben. Eine später oft in der Kunst dargestellte Begegnung mit einem Engel beschrieb sie später so: »Ich sah ihn, einen langen, goldenen Wurfspieß in der Hand, dessen Spitze von Eisen und, wie mir schien, etwas glühend war; mit demselben stieß er mich einige Male so heftig in das Herz, dass er bis in die Eingeweide vordrang; beim Herausziehen kam es mir vor, dass er es mit sich nahm und mich völlig entbrannt von der Liebe Gottes zurückließ. Der Schmerz war so groß, dass er mir laute Seufzer auspresste, und doch von so überaus großer Süßigkeit, dass ich ihn, wie groß er auch war, nicht wegwünschen konnte.«
Gegen alle Widerstände im Orden begann Teresa – von ihrem neuen  Beichtvater Petrus von Alcántara beeinflusst, der Ähnliches bei den Franziskanern erreicht hatte – mit Reformen bei den Karmelitinnen. Da Kritik und Unwillen ihrer Ordensschwestern nicht nachließen, gründete sie 1562 mit Genehmigung des Papstes und des örtlichen Bischofs in Ávila das Reformkloster der »Unbeschuhten Karmelitinnen«, in dem sie ihre radikalen Vorstellungen von sehr strenger Askese und Weltabgewandtheit endlich umsetzen konnte. Ihren Namen ergänzte sie mit dem Zusatz »von Jesus«. Nachdem vier weitere dieser Klöster eröffnet waren, lernte sie Johannes vom Kreuz kennen, der ähnlichen Idealen anhing und sie bei der weiteren Expansion des Ordens kräftig unterstützte; am Schluss waren es über 30 Klöster für Mönche und Nonnen. In ihrem »Buch der Gründungen« hat Teresa später selbst darüber berichtet.
Offiziell unterstanden die Neugründungen immer noch dem Karmeliterorden, und wegen ihrer kompromisslos strengen Regelauslegung kam es immer wieder zu Konflikten mit dem Stammhaus. Erst 1580 gewährte Papst Gregor XIII. dem Reformorden die Eigenständigkeit unter dem Namen der »Unbeschuhten Karmelitinnen«.
Am 4. Oktober 1582 starb Teresa auf einer Visitationsreise in Alba de Tormes bei Salamanca. Bereits 1614 wurde sie seliggesprochen, 1617 zur Patronin von Spanien ernannt. 1622 wurde sie heiliggesprochen, und am 29. September 1970 von Papst Paul VI. zur Kirchenlehrerin erhoben. Teresas kostbarer Schrein steht in der Klosterkirche von Alba de Tormes, das bis heute einer der meistbesuchten Wallfahrtsorte in Spanien ist.
Teresa gilt als größte Mystikerin aller Zeiten. Mehrere Bücher, ihre Autobiographie und über 400 Briefe von ihr sind erhalten.

Darstellung: als Karmeliterin in braunem Habit, weißem Mantel und schwarzem Schleier

Attribute: Schreibpult, Buch und Schreibfeder (Gelehrsamkeit); Kirchen- bzw. Klostermodell; flammendes, von Pfeil durchbohrtes Herz mit Christusmonogramm IHS (Pfingstvision); Taube (Heiliger Geist); Engel

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010